Der Ostbach – ein kleiner Emscherzufluss mit einem bewegten Lauf

Dieser Artikel wurde uns von Manfred Scheel freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Er beschreibt den Verlauf des Ostbaches von der Quelle in Bochum-Hiltrop bis zur Einmündung in die Emscher.

Liebe Outdoorfans und Heimatfreunde,

ich lade euch – wir Sportler duzen uns natürlich – zu einer kleinen und interessanten Fahrradfahrt ein. Wenn ihr 20 km mit dem Rad drauf habt – natürlich einschließlich Rückfahrt –, dann investiert einen Nachmittag. Es lohnt sich (für die Rückfahrt steht auch bei Bedarf ein Bus zur Verfügung). Dabei ist an schönen Pausenstationen kein Mangel. Und zwischendurch – wir haben ja Zeit – halten wir an und denken. Es ist auch eine Zeitreise in meine Jugend – deshalb verzeiht, wenn ich persönliche Erinnerungen einfließen lasse.

Ostbach Quelle [1]

Der Ostbach entspringt in Bochum-Hiltrop – an sein Ufer sind wir 1960 gezogen. Ich konnte ihn aus dem Küchenfenster beobachten – ruhig floss er vor der Kulisse des Gysenbergs zum kleinen Herner Tierpark. Nur manchmal – nach starken Regenfällen, wenn er zusätzliche Wassermassen aus der Gerther Kanalisation aufnehmen musste – trat er über seine Ufer, überschwemmte Heiermanns Wiese und verteilte seine Mitbringsel – einige Male auch Fische aus dem Hiltroper Volkspark – auf die angrenzenden Flächen. Für mich war es es faszinierendes Schauspiel – die Köttelbecke, ansonsten mit Betonplatten eingefasst, erkämpfte sich in dem kleinen nicht regulierten Bereich nach Unterquerung der Hiltroper Landwehr und dem nicht mehr vorhandenen Weg zur Kneipe von Möller – so wurde sie seinerzeit genannt – in der Vosskuhle seine Ursprünglichkeit zurück und war ungebändigte Natur.

Der Ostbach – so entnehme ich Wikipedia – ist 7,1 oder 7,3 km lang, hat rechte und linke Zuflüsse, fließt 64 m hinunter und mündet mit seinen Zugaben in die Emscher bei Herne-Baukau. Er bereichert danach den Rhein und später die Nordsee. Die geografischen Daten sind mir aber nicht so wichtig – wir wollen die Landschaft genießen und einem interessantes Gewässer folgen, das durch eine für Außenstehende sicherlich nicht ruhrgebietstypische Gegend fließt – dabei sind wir mitten im Pott. Die einst begleitenden Zechen existieren nicht mehr, aber ihre Spuren sehen wir noch. Grünflächen, Teiche und Bäume säumen unseren Weg – nicht so imposant wie im Bergischen Land bei Wermelskirchen (wo ich vor kurzem gewandert bin). Es gibt aber natürlich auch eng bebaute Flächen - das Zentrum von Herne können (und wollen) wir nicht vermeiden.

Wir sammeln uns in Hiltrop an der evangelischen Erlöserkirche – natürlich ist sie aufgrund ihrer Lage und Ausstattung ein Denkmal. Dort können wir unser Auto abstellen (wenn wir nicht aus Bochum mit dem Bus 353 umweltfreundlicher angereist sind). Auch mit dem Fahrrad dürfte es kein Problem sein, Hiltrop zu erreichen (von meiner Haustür in Wiemelhausen sind es rd. 10 km bis zum Kircheneingang). Vom Kirchplatz aus blicken wir hinüber zur „Guten Quelle“ - dem jetzigen Steakhaus Hubbert – und erinnern uns an Klaus, der uns oft Orientierung gegeben und als Karnevalsveranstalter den Ortsteil geprägt hat. Sein Nachfolger Dragan hat sicherlich schon einige leckere Sachen in der Pfanne und im Hahn, aber die Traditionsgaststätte des ehemaligen Fußballvereins DJK Hiltrop-Bergen und das Frühschoppenlokal des CVJM steuern wir noch nicht an.

Von den vielen Möglichkeiten, gemütlich in den Hiltroper Volkspark zu radeln, wählen wir die Strecke neben dem Hiltroper Friedhof. Wir fahren von unserem Aussichtspunkt zurück auf die Straße „An der Hiltroper Kirche“, biegen links ein und erblicken auf der gegenüberliegende Seite der Frauenlobstraße mit der Nummer 104 das imposante Fachwerkhaus (auch ein Denkmal) vom Bauern Koch, das ursprünglich wohl dem Schulte von Hiltrop gehörte, 1822 erbaut wurde und immer noch bewohnt ist (großes Lob den Hauseigentümern, vor allem, wenn wir die Halbwertzeit heutiger Bauten bedenken). Wir lenken nach rechts in Richtung Gerthe und biegen vor der Elchapotheke und dem massiven Schulgebäude (das nach der Denkmalliste geeignet ist, die versachlichten Stiltendenzen der Jahre nach dem Historismus und dem Jugendstil zu dokumentieren) links in die kleine Straße „Hiltroper Busch“ ein.

Vor dem Friedhof halten wir uns rechts und fahren – in der gleichen Richtung - entspannt am mit großen Steinen neugestalteten Ostbachzulauf (oder -quelle) vorbei. Kurz vor der Holzbrücke über dem Ostbachtal – die Verbindung zwischen Frauenlobstraße und Hiltroper Landwehr - halten wir nach 800 m bei einer mächtigen Platane an, stellen das Rad links ab bei einem kleinen Platz – früher mit Schachbrett - und gehen 10 Stufen hinunter. An dem ca. 2 m hohen Zaun orientieren wir uns und sehen die Gedenktafel, die an das Grubenunglück vom 8. August 1912 im Abbaugebiet der Zeche Lothringen 325 m unter unseren Füßen, bei dem 117 Bergleute getötet wurden, erinnert (Wilhelm II war, weil er bei Krupp zu Besuch war - zum Kondolieren gekommen). Wir halten inne. Einige Meter weiter erreichen wir eine Steinbrücke, die über die beiden ehemaligen Teiche führte und sie optisch unterteilte. Der obere Teich floss über eine Wasserfall mit der spektakulären Höhe von ca. 1 m in den unteren. Hier verweilen wir ein wenig und lassen unsere Gedanken schweifen. Der Vergleich zwischen den jetzt wohl rechtlich notwendigen Schutzmaßnahmen bei diesem winzigen Teich – nur ganz kleine Kinder könnten, wenn die Eltern nicht aufpassen, dort hineinfallen - und den Gefahren bei der Arbeit unter Tage ist eklatant. Auch überrascht mich immer, wie sich die Auffassungen in der Gestaltung von Grünflächen im Laufe der Zeit ändern. Und die Kommune finanziert das immer. Dann gehen wir – vielleicht mit neuen Erkenntnissen - zurück zu unseren Rädern und fahren nach links zur Holzbrücke. Dort biegen wir – vor der Brücke – nach rechts ab Richtung Gerthe.

Jetzt betreiben wir etwas Quellenforschung . Laut Wikipedia entspringt der Ostbach im Volkspark Hiltrop bei 51° 33' 28“ N, 7° 11' 59“ O (für ältere Nichtsegler: 51 Grad 33 Minuten 28 Sekunden Nord, 7 Grad 11 Minuten 59 Sekunden Ost). Diese Position befindet unterhalb der östlichsten Kurve der Dreihügelstraße – nahe dem Castroper Hellweg. Sie liegt auch günstig, um bequem die Abwässer aus der Gerther Kanalisation einzuleiten – die Topografie eignet sich ausgezeichnet. Nach Johannes Diederich von Steinen liegt aber die Quelle der seinerzeit sogenannte Schmedebecke im Gysenberg (wohl unterhalb von Bauer Heiermann). Karl Brandt spricht von sieben Quellen des Ostbaches, von denen mindestens zwei - nach meiner Auffassung - im Volkspark sein müssten.

Wir sind – aufmerksamen Mitradlern ist es nicht entgangen – auf dem Wanderweg „B“. Er führt rund um Bochum – mit der Rad- und Wandertruppe der ehemaligen DJK Hiltrop-Bergen haben wir die 73 km von 2009 bis 2012 in 8 Etappen abgewandert. Es war sehr schön – nach der Eingewöhnungsetappe haben wir auch immer zum Abschluss ein gemütliches Restaurant gefunden, in dem wir das Erlebte besprechen konnten.

Außerdem haben wir den Emscher Park Radweg erreicht. Er soll insgesamt 230 km lang sein, das schafft nur meine Tochter an einem Tag (sie hat in diesem Jahr am Ötztalmarathon, 238 km, 5.500 Höhenmetern) teilgenommen. Aber mit unserer Hiltroper Fahrradtruppe haben wir ihn teilweise auf den Fahrten nach Westen (Dampfbierbrauerei in Essen-Borbeck – genial - ) und Osten (Dortmund, Haus Dellwig und Innenstadt) genutzt.

Hier soll einmal – vor meiner Hiltroper Zeit – ein Freibad gewesen sein. Mit einer Cafeteria – schade, dass es sie nicht mehr gibt - ich schätze einen Espresso mit Freunden in einer ruhigen Umgebung. Der Bachlauf am nördlichen Talrand ist zugewachsen. Die Wiese wird – das neue wirtschaftlichere und naturnähere Konzept - nicht mehr gemäht, der ursprüngliche englische Landschaftspark nicht mehr entsprechend gepflegt. Ein fröhliches Bachmurmeln ist im Sommer - mangels Wasser - nicht zu hören (früher auch nicht, da der Bach einbetoniert war, er floss einfach). Von rechts kommt jetzt Wasser, allerdings aus einem Rohr am südlichen Talrand unterhalb des evangelischen Kindergartens. Dort stehen auch drei dunkelgelbe Container mit einem Schild, das die Bevölkerung informieren und (offensichtlich) beruhigen soll. Hier lässt die Stadt Bochum den kleinen Ostbach von Chromat reinigen, das vom ehemaligen Imprägnierwerk der Zeche Lothringen am Castroper Hellweg stammt und den Grundwasserstrom zur Quelle 2 in 15 m Tiefe verunreinigt. Glauben wir, dass es gelungen ist und nur sauberes Wasser Richtung Herne fließt. Hoffentlich hat der Alpenstrudelwurm, nach Wikipedia ein Indiz für die Gewässergüteklasse I und vorwiegend in kalten, klaren Quellen von Gebirgsbächen heimisch, diese Industriehinterlassenschaften überlebt.

Warnschilder [1]

Wenn ihr etwas Zeit habt und Sinn für Komik: etwas oberhalb der Rohreinleitung wird die Gefahrenabwehr (unsere Gedanken beim hohen Schutzzaun) meines Erachtens stark übertrieben. Zwei Schilder – je eins für den Hin- und Rückweg - zu einem Ziel, zu dem niemand geht, übertragen die Gefahren beim Betreten eines 20 cm breiten Steines, unter dem kein Wasser fließt, auf den Abenteurer. Mein Gedanke nach Wanderungen auf dem Rheinsteig: man müsste ihn bei Beachtung dieser Vorgaben gänzlich sperren. Und den gesamten Rhein sowie die Nordseeküste einzäunen.

Bei meiner Fahrt im August kam von der Quelle (nach Wikipedia) kein Wasser. Ich hatte den Eindruck, dieser Ursprung wäre abgebunden oder ausgetrocknet. Zu meiner Überraschung fand ich im September, es hatte etwas intensiver geregnet, doch einen Wasserzufluss aus östlicher Richtung. Daher bin ich dem Weg – Richtung Bank – weiter gefolgt. Dann habe ich den – m. E. wesentlichen Ursprung - des Ostbaches (wieder) gefunden. Der Einlauf meiner Kindheitserinnerungen – unter Brennnesseln versteckt – existiert immer noch. Die Quelle ist mit roten Ziegelsteinen ummauert – etwas unscheinbar. Wir sollten ihn – trotz der geänderten Parkauffassungen – freischneiden und hervorheben. Vielleicht könnten wir – gemeinsam mit der Stadt Herne – den Ostbach etwas mehr würdigen?

Wir wenden und fahren auf dem asphaltieren Weg zurück, überqueren den Verbindungsweg zwischen Frauenlobstraße und Hiltroper Landwehr und denken wehmütig an die schönen Stunden in der Buchenschänke (rechts oben, inzwischen geschlossen) zurück. Dann können auf dem Kinderspielplatz anhalten. Er war einmal als Kombination zwischen Rutsche und Wasser geplant, fand aber ein schnelles Ende. Wir bewundern einen großem weißen Container zur Chromatentfernung Hier wird auf die Quelle 1 verwiesen. Auch jetzt verstehen wir noch nicht das Prinzip der Reinigung, sind aber voller Hoffnung. Am Ende des Schutzzaunes am Ostbach erkennen wir bei genauerem Hinsehen noch einen gemauerten Einlauf, der einmal als ein Wasserfall gestaltete war und an wir unwissende Kinder – weil das Wasser nach unserer Auffassung direkt aus dem Berg kam und wir der Reinigungskraft der Natur vertrauten – es ungefiltert tranken. Wir haben überlebt.

Der Emscher Park Radweg verabschiedet sich nach links und will über den Brennholt und die Bahntrasse die Grummer Seenplatte erreichen, um danach irgendwann den Rhein bei Duisburg zu finden. Wir wünschen den Fahrern auf diesem Weg alles Gute.

Jetzt erreichen wir - rechts über die kleine Brücke - den Teich im Hiltroper Volkspark mit seinen Enten und Wasserhühnern. Er ist immer noch nicht eingezäunt, obwohl dort seinerzeit mein Bruder im Winter die Eisdecke durchbrochen hat (es hätte uns auch nicht gestört). Die Landschaftsplaner haben ihn vor einigen Jahren vergrößert – ich denke, um das Klima in Europa zu verbessern. Inzwischen wächst er wieder zu, dabei nimmt er das Wasser eines weiteren Quellbaches (oder Zuflusses) auf. Dieser entspringt unterhalb des Kommunalfriedhofes in der Nähe der ehemaligen Gaststätte Punge, soll deshalb herb schmecken und kann auch nicht ganz sauber sein. Die Wiese, an deren Rand er fließt, war zeitweise schwarz von Teerabfällen der Zeche Constantin. Trotzdem haben wir uns – etwas oberhalb - bei den „Buschfesten“ mit dem CVJM vergnügt. Der Alpenstrudelwurm hat sich nicht beschwert (vielleicht hört er nicht mehr so gut).

Wir folgen dem Wanderweg B bis zur Hiltroper Landwehr. In diesem Bereich – vielleicht bei bei Düppes - wurde ab dem Mittelalter – ich habe es irgendwo gelesen, die Quelle weiß ich aber nicht mehr – Flachs angebaut und verarbeitet. Unnötig zu sagen, dass wir Radler auf diesem Wanderweg nur geduldet sind und natürlich auf die Fußgänger Rücksicht nehmen. Links unter uns plätscherte damals der Ostbach in seinen Betonschalen; die Wasserbauer haben ihn jetzt höher gelegt und naturnaher gestaltet. Für mich erstaunlich fließt er immer noch abwärts. Rechts oberhalb befand sich der alte Sportplatz des BV Hiltrop. Hier mussten wir immer Bälle, die über den Zaun geschossen wurden, aufsammeln.

Die Hiltroper Landwehr unterquert der Ostbach in einem Tunnel. Der alte Durchlauf diente uns als Mutprobe – das versuchen wir jetzt aber nicht mehr (er ist inzwischen auch vergittert). Wir überqueren die Straße oberhalb der Voßkuhle – das war meine Heimat - und unterhalb von Pamps Berg und biegen rechts in den Bohlenweg ein (der ursprüngliche Pfad wurde beim Verkauf des Bauernhauses privatisiert). Inzwischen haben wir schlappe 2,42 km zurückgelegt. Ein Blick nach rechts – das Bauernhaus wurde sehr gut restauriert, der Bauerngarten ist historischen Vorbildern nachempfunden. Wir nehmen Schwung, um im Gysenberg den Weg „A 2“ zu erreichen. In diesem Bereich mündete wohl die „Schmedebecke“ ein, die nach Johann Dietrich von Steinen die Quelle des Ostbaches war. Es ist nicht unmöglich, wenn wir bedenken, dass hier auch die Ruhr – siehe das Schild an der Quelle des Ruhmbaches mitten im Gysenberg – vorbeigeflossen ist.

Links radeln wir auf dem schmalen Wanderweg zum Forsthaus. Der Ostbach plätschert in einiger Entfernung – hier konnte er ohne Einfassungen ruhig fließen. Sein Lauf soll aber auch mehrmals verlegt worden sein. Der Weg zur Voßkuhle - und damit zur Kneipe Möller (mit dem Taubenvatta Werner Schnelle) – existiert nicht mehr – die Verpflichtungen waren den Wegeigentümern wohl zu anspruchsvoll. Das gilt auch für die Überquerung der Hiltroper Landwehr am alten Bauernhaus vor dem Bohlenweg. Schade Ich kann mich noch an die Sonntagmorgende erinnern, an der die Taubenväter – meisten mit einem grauen Kittel bekleidet – sehnsüchtig ihre Lieblinge erwarteten.

Die Gaststätte Forsthaus, in der ich meinen 50. Geburtstag gefeiert habe, lädt mit ihrem herrlichen Außenbereich und schönen Terrassen zu einer Pause ein. Aber wir sind bisher nur abwärts gefahren und haben noch kein Erfrischungsbier verdient. Dem A 2 folgen wir weiter unterhalb der Teiche – die einmal eine Fontäne hatten und jetzt verlandet sind (wahrscheinlich ein neues Konzept) – und des Tierparks. Ich kann mich noch an kleine Bären erinnert, die natürlich in dem engen Käfig nicht zufrieden geschaut hatten. Heute sind wohl die Minieisenbahn und die Ziegenstation die Hauptattraktionen.

Hier verlief auch unser Weg zum SV Sodingen. Als wir zur Voßkuhle gezogen sind, waren alle unsere Freunde Fans des Vereins, der seinerzeit in der Oberliga West erfolgreich spielte. Bei den Begegnungen mit dem VfL war ich ziemlich alleine mit meinen Emotionen (soviel zur Orientierung der Bevölkerung – es soll auch einmal eine Abstimmung gegeben haben, ob die Voßkuhle wieder nach Herne möchte. Ein Grenzbereinigung mit den umliegenden Städten könnte durchaus sinnvoll sein).

Ostbach Schillerstraße [1]

Über die Parkplätze, die eine engagierte Gastronomie offensichtlich in einem Naherholungsgebiet benötigt, erreichen wir den Teich mit der abgebrannten Mühle, auf dem ich früher schon mit einem kleinen Boot gerudert habe. Von der Mühle auf der linken Seite - einst eine stark frequentierte Pommesbude - stehen nur nur die Reste der Grundmauern. Das Mühlrad unterhalb gibt es aber noch und ist – so finde ich – sehenswert. Die Nutzung des Ostbaches für verschiedene Arbeitsvorgänge war wohl damals wirtschaftlich für diese Gegend und attraktiv. Kurz hinter der Mühle – noch vor der Eishalle und dem meistens dort stehenden Eisverkäufer – erreichen wir den Emscher Park Weg – kurz „E X“. Dieser Wanderweg ist natürlich nicht radfahrergerecht ausgebaut und führt uns links hinunter zur Gysenbergstraße. Unterhalb der Brücke von der ehemaligen Zeche Constantin (Hiltrop) zur Zeche Mont-Cenis (Sodingen) – jetzt ein Rad- und Wanderweg, der von Hiltrop-Bergen benutzt werden kann – schlängelt sich der Ostbach – und damit auch unsere Strecke – an sicherlich verkehrssicheren Holzbrücken vorbei zu zwei Teichen. Nach dem letzten Teich wird unser Weg etwas schmaler, dann überqueren wir – gesichert durch eine Fußgängerampel – die Sodinger Straße Wir folgen weiter unserem Lieblingsgewässer – es verhält sich aber etwas distanziert. Er führt jetzt deutlich weniger Wasser – wahrscheinlich hat er es großzügig in den Teichen verdunsten lassen. Den Hölkeskampring müssen wir auch noch überwinden – die Kennzeichnung des Wanderweges ist etwas verwirrend. Dann erreichen wir die Straße Ostbachtal und fahren weiter auf dem „E X“ Richtung Schillerstraße. Wir verlassen kurz unser Wanderzeichen, fahren 30 m nach rechts und stellen die Räder ab. Die Emschergenossenschaft hat hier ausreichend Warnschilder aufgestellt, wir sollen uns dem Bachlauf nicht weiter nähern. Von oben – und auch von der westlichen Seite - können wir jedoch einen dramatischen Einschnitt im Lauf des Ostbaches erkennen (und riechen). Er ist nicht mehr naturnah gestaltet, seine Wasserqualität hat drastisch abgenommen. Ein Abwasserbach ist hinzu gekommen. Unseren kleinen Ostbach stinkt dies wohl sehr; vielleicht aus Protest oder Scham versinkt er und wird auch ein unterirdischer Kanal, der die Herner Innenstadt unterquert. Er ist aber immer noch großzügig und bereit für Umweltaufgaben – jetzt entsorgt er unsere Nachbarn in der Herner Innenstadt von ihren Toilettenabfällen. Wir sollten ihm dankbar sein – einer muss es ja machen. Es sollte uns eine Gedenkminute wert sein.

Unser Weg orientiert sich in etwa an der alten Führung des offenen Ostbaches, wie er in der Preußischen Uraufnahme von 1842 dargestellt ist. Unterirdisch fließt er wohl irgendwann nach Westen, nimmt den Westbach auf und tritt hinter der Forellstraße wieder ans Tageslicht, unterquert den Rhein-Herne-Kanal und mündet in die Emscher. Geplant ist, ihn am Hölkeskampring offen zum Sodinger Bach zu führen und so ihn ein Stück weiter sichtbar zu machen. Diese Maßnahme wurde am 12.04.2016 ausgeschrieben. In der Örtlichkeit habe ich noch nichts gesehen, sie ist aber in der Mitnahme der Schulen (Blaues Klassenzimmer) zu unterstützen.

Wir radeln daher weiter auf dem E X Richtung Herner Innenstadt und Bahnhofstraße. Der Weg könnte – aber vielleicht bin ich nicht intelligent genug – präziser ausgeschildert sein. Ab und zu ist Überlegen angesagt. Auf einem ehemaligen Friedhof – wir halten uns rechts – steht eine Christusstatue. Danach fahren wir an der Straße nach links und erreichen neben der Bonifatiuskirche – im Erdgeschoss können Schuhe gekauft werden - die Bahnhofstraße, unter der die U 35 (oder Campuslinie) von der Universität in Querenburg nach Schloss Strünkede verläuft. Hier tobt das Leben in der Herner City. Eisdielen und Cafés – auch in den Nebenstraßen (u. a. Wiacker), Kneipen (Nils an der Freiligrathstraße) und Restaurants (Elsässer Stuben der Familie Kroll) wollen uns zu einer Pause verleiten. Wir verzichten und lassen uns nur auf ein Eis ein.

Schloss Strünkede [1]

Die Eisenbahnbrücke unterqueren wir und lassen den Bahnhof links liegen. Auch die Autos auf der A 42 sind ein wenig später über uns. Mit unseren Zeichen biegen wir – vorsichtig – die Autos rasen - links in den Park ein und genießen die Luft unter den alten Bäumen, Vor Schloss Strünkede sehen wir wieder sauberes Wasser in einer Fontäne aus dem Teich emporschießen. Zumindest das Eingangstor von den ehemaligen Flottmannwerken sollten wir bewundern (Das Flottmann-Tor steht seit 2010 wieder auf dem Gelände der ehemaligen Firma Flottmann neben den Flottmann-Hallen. Anm. d. Redaktion) (nett ist auch das Standesamt). Wir verlassen den E X – er geht links weiter - und radeln zum Schollbrockhaus (einer alten Mühle, die auch vom Wasser des hier Strünkeder Bach genannten Ostbachs angetrieben wurde). Die gute Gelegenheit, ein Tässchen Kaffee zu trinken, nutzen wir.

Nach einem Capuccino oder Milchkaffee – kennt ihr den Unterschied? - kehren wir zur Bahnhofstraße zurück. Wenn wir den Abwasserkanal schnell wiedersehen möchten, fahren wir vor dem Rhein-Herne-Kanal links in den Weg und radeln einige Meter. Er stinkt, deshalb empfehle ich, weiterzufahren und erst links in den Emscherweg einzubiegen – die Perspektive ist besser. Der Emscherweg ist gut ausgeschildert. Ohne Schwierigkeiten – auch wenn wir Gebäude umfahren müssen - erreichen wir die Stelle, in der der Ostbach – nachdem er unter den Rhein-Herne-Kanal gedükert wurde -, das Wasser aus dem Hiltroper Volkspark weitergibt. Es sieht – wie auch an dem zweiten Arm des Ostbaches - nicht gut aus. Die Abwässer der Herner Innenstadt und der sonstigen Kanäle haben ihn nicht aufgefrischt. Hier kann mit Sicherheit der Alpenstrudelwurm nicht überleben.

Ostbach Emschermündung [1]

Nun ist der Ostbach in der Emscher gelandet. Nicht blau und klar, sondern gelbgrün und bräunlich. Die Herner Innenstadt und die Wasser der anderen Bächen haben ihn nicht aufgefrischt. Aber die Entsorgung unserer Hinterlassenschaften ist auch eine wichtige Aufgaben.

Aber mit diesen negativen Gedanken wollen wir uns nicht von ihm verabschieden. Wir haben ihn von der Quelle bis zur Mündung begleitet: Er ist uns sympathisch geworden und wir haben ihn ein wenig lieb gewonnen. Wir wünschen ihm einen guten Lauf. Wenn wir einmal vor der holländischen Nordseeküste plantschen und uns trifft eine kleine Welle: sie könnte aus dem Ostbach stammen. Er ist zum Meer geworden.

Ich hoffe, die Fahrt hat euch Spaß gemacht. Zurück können wir natürlich den gleichen Weg nehmen. Wir können aber auf dem Emscherradweg weiter nach Westen fahren. Dann erreichen wir in Gelsenkirchen die Erzbahntrasse, die uns nach Bochum zurückführt. Oder wir wenden, radeln am Hafen Recklinghausen – der alten Mündung - vorbei und biegen an der Schleuse Herne Ost auf den Weg ein, der uns über Voßnacken und und der Innenministerakademie in Herne-Sodingen wieder nach Hiltrop leitet.

Daneben könntet ihr auch noch mit dem Bus nach Hiltrop oder der U 35 nach Bochum zurückfahren. Ihr seht, es gibt viele Möglichkeiten.

Dies ist kein wissenschaftliches Werk. Daher fehlen Quellenangaben. Ich habe aber – neben den Ausführungen, die ihr in Wikipedia unter dem Stichwort „Ostbach“ nachlesen könnt - mich insbesondere bei drei Büchern bedient: Unbedingt solltet ihr , wenn ihr etwas über Hiltrop und unsere Gegend wissen möchtet, lesen:

  • Karl Brandt: Aus der Vor- und Frühgeschichte der Stadt Bochum, herausgegeben von Volker Pingel, 1997, Edition Archaea. (das Buch kann in der Stadtbücherei Bochum entliehen werden)
  • Karl Brandt, 1898 – 1966, war Beauftragter für Bodendenkmalpflege in Bochum – so etwas gab es einmal - und später Direktor des Emschertalmuseums in Herne. Nach seinen Ausgrabungen war Hiltrop damals dicht bevölkert – er hat Siedlungen an der Frauenlobstraße und der ehemaligen Eifelschule nachgewiesen. Am Sportplatz vom BV Hiltrop am Hillerberg befand sich während der Rössener Kultur ein großes Bauernhaus.
  • Hiltrop im Wandel der Zeit. Das Buch wurde im Juni 1977 vom Presbyterium der evgl. Kirchengemeinde Hiltrop von Horst-Dieter Kuligga herausgegeben, enthält viele Bilder und eine kirchengeschichtliche Darstellung. Es gab damals einen O-Bus und eine Straßenbahn in Hiltrop.
  • Bochum entdecken – 25 Stadtteilrundgänge durch Geschichte und Gegenwart - Hans-Friedel Donschen hat – es gibt jetzt die 3. Auflage – einen Spaziergang durch Hiltrop beschrieben. Mit ihm sind wir diesen Weg schon gegangen – sollten alle Hiltroper einmal nach laufen. [2]

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Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Foto von Manfred Scheel (2017)
  2. Ein Artikel von Manfred Scheel