WS-Verlag

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WS-Verlag
Inhaber Wilhelm Schulze-Witteborg
Jahr der Schließung 1963
Adresse Hugenpoth
Letzte Änderung: 30.12.2017
Geändert von: Harry


Wolfgang Berke

Roger Moore als Ivanhoe habe ich gehasst. Nicht den Schauspieler und die Fernsehserie, sondern das Sammelbild. Groß wie eine Spielkarte, handkoloriert, mit einem kurzen Text auf der Rückseite. Roger Moore steckte in jeder fünften Wundertüte, die ich um 1960 an der Bude kaufte. Das Tückische an den Sammelbildern und dem Wunsch, sein Album vollständig bekleben zu können, war der Vertrieb der Bildchen. Eben in Wundertüten. Die Doppelten mussten natürlich gegen andere getauscht werden. Auf dem Schulhof, während des Unterrichts unter dem Tisch. Oder beim Spiel, dem grausamen: Jeder ließ seine Karte aus fünf Meter Entfernung möglichst trickreich gegen eine Wand segeln, wer am weitesten kam, durfte alle anderen Karten einsacken. Mit vermackten Kanten, umgebogenen Ecken und derben Schrammen.

Dass diese Sammelbildchen, die es auch noch für Fußball, Tiere und Pflanzen gab, aus Wanne-Eickel stammten, wusste ich damals noch nicht. Gedruckt und vertrieben wurden sie von Wilhelm Schulze-Witteborg, dessen WS-Verlag sich in Eickel am Hugenpoth befand. Schulze-Witteborgs grafischer Betrieb war aber noch für andere heiß begehrte Sammelobjekte verantwortlich: Glanzbilder. Kleine kitschige Scheußlichkeiten mit naiven bis barocken Motiven, mit feinstem Lack überzogen, oft noch mit Glanzpartikeln bestäubt und zu mindestens einem Dutzend aneinander hängend. Bevor sie in Poesiealben geklebt oder unter besten Freundinnen getauscht wurden, musste der Bogen erst mal mit einer kleine Schere vorsichtig zerlegt werden.

Heutige Sammler suchen natürlich nur zusammenhängende Bögen und zahlen für ganz seltene Editionen auch schon mal über 300 Euro. Die vom WS-Verlag erzielen diese Preise (noch) nicht, weil sie noch nicht so selten sind. Fast 150 Jahre ist die Geschichte der Glanzbilder alt, Schulze-Witteborg kam erst nach dem Zweiten Weltkrieg dazu. Nichtsdestotrotz zählen die Bildchen aus Wanne-Eickel qualitativ zu den Spitzenprodukten. Was nicht zuletzt ein Verdienst des Grafikers Fritz Illburger ist, der die Bildchen entwarf und sie mit zwei Kollegen liebevoll zeichnete und kolorierte.

Illburger konnte aber noch einiges mehr als nur Glanzbildchen malen. Damals war Grafik noch künstlerisches Handwerk, mit Pinsel, Feder und Bleistift und mit einem ordentlichen Studium. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aus dem ehemaligen Verwaltungsangestellten der Stadt Wanne-Eickel auf der Folkwangschule einer dieser damals noch raren Künstler. Fritz Illburger machte sich bald selbstständig, arbeitete weiter für den WS-Verlag, illustrierte viele Veröffentlichungen der Stadt und gestaltete Werbung für etliche Kunden der Industrie. [Anm. 1]

1963 verkaufte Schulze-Witteborg seinen Betrieb in drei Teilen. Der daraus hervorgegangene WK-Verlag stellte noch zehn weitere Jahre Glanzbilder her. Heute gibt es in Deutschland nur noch ein einziges Unternehmen, das die Erinnerung an längst vergangene Kinderzeiten lebendig erhält. Alle anderen sind Geschichte.


Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors [1]
Der Text wurde für das Wiki redaktionell bearbeitet. Er stammt aus dem Jahr 2002
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Anmerkungen

  1. Illburger-Grafiken sind in diesem Buch z.B. auf der Seite 67 zu sehen, weitere gib es auf der Website http://www.wanne-eickel.info

Quellen