Verspätung mit fatalen Folgen

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Frank Grieger

Die Katastrophe vom 13. Januar 1925: 24 Menschen kamen ums Leben, als der D-Zug D 10 in einen Nahverkehrszug raste.

Am 13. Januar 1925 prallten im Herner Bahnhof zwei Züge aufeinander – 24 Menschen starben, 91 wurden verletzt. Neue Zugsicherungssysteme waren erst kurz zuvor installiert worden. Die Unfallursache konnte nie ganz aufgeklärt werden.
Es waren nur drei Minuten Verspätung – doch die Folgen katastrophal. Am Morgen des 13. Januar 1925, einem Dienstag, ereignete sich mitten im Herner Bahnhof ein verheerender Unfall. Die Einzelheiten schildert Hans-Joachim Ritzau (1922-2012) in seinem Buch „Eisenbahnkatastrophen in Deutschland“ aus dem Jahr 1979. Der P 230 (ein Nahverkehrszug, der zwischen Dortmund und Wanne verkehrte) war gerade im Begriff abzufahren, genau drei Minuten war die Bahn im Verzug. Genau in diesem Moment fuhr der D-Zug D 10 von Berlin nach Köln ein. Als der Lokführer die Schlussleuchten des Personenzugs bemerkte, leitete er sofort eine Notbremsung ein – doch die kam zu spät.

Tümmer und umgekippte Waggon an der Bahnsteigkante: Lag es daran, dass Zugsicherungssysteme in großer Hektik eingebaut worden waren?

Signale zeigten „freie Fahrt“
Mit hoher Geschwindigkeit prallte der D-Zug auf den Nahverkehrszug und zertrümmerte der Überlieferung nach die letzten vier Wagen. Zwei weitere wurden schwer beschädigt. 22 Menschen waren auf der Stelle tot, zwei weitere erlagen später im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Darüber hinaus waren 91 Verletzte zu beklagen. Zeitgenössische Fotos zeigen ein wahres Trümmerfeld aus grotesk verbogenem Metall, geborstenen Scheiben, gesplittertem Holz – ein Chaos mitten im Bahnhof und direkt an der Bahnsteigkante. Die noch halbwegs intakten Waggons sind umgekippt, andere wurden von ungeheuren Kräften ineinander geschoben wie bei einer Spielzeugeisenbahn. Die Unfallursache konnte nie ganz geklärt werden. Fest steht wohl, dass die Signale für den D-Zug freie Fahrt anzeigten.

Mit hohem Tempo war die Lok des D-Zuges auf den Nahverkehrszug geprallt. Sie zertrümmerte die letzten Wagen.

Der Lokführer, der planmäßig in Herne halten sollte, hatte bei der Einfahrt in den Bahnhof zwar gebremst, doch das Tempo des Zuges war zu diesem Zeitpunkt noch viel zu hoch, um den Zusammenstoß zu vermeiden. Neue Zugsicherungssysteme waren erst kurz zuvor installiert worden, nachdem die französischen und belgischen Besatzer gegen Ende der Ruhrbesetzung im November 1924 die Eisenbahnanlagen zurückgegeben hatten. Die Arbeiten an diesen Sicherungssystemen, so wird heute vermutet, geschahen in großer Hektik, die erforderlichen Sicherheitskontrollen kamen dabei ganz offensichtlich zu kurz. Der schwere Unfall beschäftigte tags darauf – nachzulesen in dessen Protokollen – sogar den Reichstag in Berlin.[Anm. 1] Reichstagspräsident Paul Löbe (SPD) berichtete den Abgeordneten von dem Unfall.

Die Särge mit den Toten wurden feierlich zum Kommunalfriedhof gebracht. Dort fand am 17. Januar 1925 die Beisetzung statt.



Tausende nahmen Anteil
Wörtlich sagte er: „In einem Bezirk, der in den letzten Jahren so unendlich viel getragen und auch viele Menschenopfer gebracht hat, ist dadurch wieder schweres Unglück über viele Familien gekommen. Mit der Bevölkerung der betroffenen Landesteile steht der Reichstag in tiefer Trauer an der Bahre der Getöteten und spricht den Angehörigen und den Verletzten seine herzliche Teilnahme aus.“ Noch in der selben Woche, am frühen Samstagnachmittag, fand auf dem Herner Kommunalfriedhof unter riesiger Anteilnahme der Bevölkerung die offizielle Trauerfeier statt. Die Särge waren zuvor feierlich mit Pferdekutschen und eskortiert von Feuerwehrleuten und Sanitätern des Roten Kreuzes zum Friedhof transportiert worden.









Aus: WAZ extra vom 17. März 2017, Seite 11 - Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autoren

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Anmerkungen

  1. Protokoll des Reichstages vom 14. Januar 1925 zum Herner Eisenbahnunglück

Quellen

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