Stadthalle "Käseglocke" Wanne-Eickel

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Noch vor der Bildung der Stadt Wanne-Eickel beschlossen die Gemeindevertretungen Wanne, Eickel und Röhlinghausen, im geografischen Mittelpunkt der projektierten neuen Ruhrgebietsstadt eine Stadthalle zu bauen. Und so verkündete die Wanne-Eickeler Zeitung in ihrer Festausgabe zur "Werbewoche Wanne-Eickel-Röhlinghausen" am 25. Juli 1925 stolz, dass die zwischen dem Kurhaus und der Josephskirche gelegene Stadthalle nunmehr fertig sei. Der etwa 1.500 qm große Kuppelbau mit drei angrenzenden Sälen entstand nach dem Entwurf des Wanner Beigeordneten und Baumeisters Bruno Lehnemann. Die rund 800 qm große Haupthalle bildete ein regelmäßiges Achteck, das sich nach oben stufenförmig verjüngte. Durch den ein wenig gedrungen wirkenden Eingang trat der Besucher in den im Scheitelpunkt ungefähr 15 m hohen Innenraum. Das Tageslicht fiel gedämpft durch große Oberlichtfenster und Öffnungen an den Seiten. Zur Eröffnung am 26. Juli 1925 gab es ein umfangreiches Ausstellungsprogramm, an dem sich u.a. der Verkehrsverein Wanne-Eickel, die 1925 gegründete Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel, der Kunstverein Wanne-Eickel sowie Handel und Gewerbe beteiligten. Zu Ehren von Gymnasiallehrer Paul Käse, der sich sehr für die Beschaffung des Halleninventars eingesetzt hatte, und wohl auch wegen der äußeren Form des Baukörpers erhielt die Stadthalle den volkstümlichen Namen "Käseglocke".

Weniger frohsinnig ging es dann ab 1933 in der Stadthalle zu. Wie überall, machten sich auch hier die Nazis breit, luden zur „Tiefenschulung“ der NSDAP, veranstalteten die Taufe des ersten Gleitflugzeuges der Wanne-Eickeler Hilterjugend und ließen Hitlersche Reden per Rundfunk in die Halle übertragen.

Nur 17 Jahre nach der feierlichen Eröffnung kam dann das Aus für die "Käseglocke": Am 17. Januar 1942 äscherte ein Brand gegen 21.15 Uhr nach einem Konzert des Reichsmusikzuges des Reichsarbeitsdienstes die Halle bis auf die Grundmauern ein. Den anschließenden Streit, ob der Brand auf Feindeinwirkung oder Fahrlässigkeit zurückzuführen sei, beendete am 30. Dezember des gleichen Jahres der 1. Spruchsenat des Reichskriegsschädenamtes beim Reichsverwaltungsgericht. Die Richter stellten lapidar fest, dass die Entstehung des Brandes durch Feindeseinwirkung in hohem Maße unwahrscheinlich sei. Die Halle wurde - auch nach dem Krieg - nicht mehr aufgebaut.

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Quellen

Stadtarchiv Herne:

Dokumentationsbibliothek: Sammlung Stadthalle "Käseglocke" Wanne-Eickel

Archivbibliothek: 25 Jahre Stadt Wanne-Eickel, herausgegeben im Auftrag des Rates der Stadt Wanne-Eickel von Oberstadtdirektor Dr. Elbers, 1951; "Zwischen Kurhaus und Kirche", Manfred Hildebrandt, Bürgerillustrierte 'Unsere Stadt', Herausgeber: Der Oberstadtdirektor durch das Presse- und Informationsamt der Stadt Herne, 1989

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