Namensänderung von Migranten

Susanne Peters-Schildgen

Ein augenscheinliches Integrationsangebot der preußischen Regierung an die polnische Minderheit - in Wirklichkeit eine Aufforderung zur Aufgabe der polnischen Identität - stellte die Namensänderung dar, von der bis 1935 ca. 240.000 Personen im Ruhrgebiet Gebrauch machten. Die meisten Antragsteller versprachen sich von der Führung eines deutschen Namens gesellschaftliche Akzeptanz und Vorteile im Berufsleben. Die Regierung betrachtete die Ablegung des polnischen bzw. slawischen Namens als ein wichtiges Instrument ihrer Germanisierungs- und Assimilierungspolitik. Daher wurde den Namensänderungsanträgen in den meisten Fällen problemlos entsprochen.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche Namensänderungen beantragt. Aus dem Zeitraum von 1946 bis 1974 bewahrt das Stadtarchiv Herne insgesamt 31 Ordner mit Namensänderungsanträgen Wanne-Eickeler Bürger auf. Darunter befinden sich überwiegend Anträge von Personen polnischer Herkunft. Dies zeigt deutlich, dass auch Angehörige der Nachfolgegeneration der Ostzuwanderer, wenngleich in Wanne-Eickel geboren und aufgewachsen, unter Diskriminierung zu leiden hatten, der sie durch bedingungslose Anpassung an die bestehende Sozialstruktur zu entgehen versuchten.


Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Autorin und der Stadt Herne[1]
Der Text wurde für das Wiki redaktionell bearbeitet.

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Quellen