Mit „Grafs Reisen“ von Röhlinghausen in die Welt (WAZ 15.10.2014)

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Stadtteilreport WAZ 2014

Mit „Grafs Reisen“ von Röhlinghausen in die Welt


Wanne-Eickel. 1928 kaufte Anton Graf den ersten Kastenwagen und stieg damit ins Transportgeschäft ein. Inzwischen rollen über 100 Graf-Reisebusse und 21 Speditions-Lkw über die Straßen Europas. „Grafs Reisen“ ist der größte Arbeitgeber in Röhlinghausen und wird nun in der dritten Generation geführt.

„Es sind nicht viele Busse da“, sagt Anja Graf und schmunzelt. Für die 41-Jährige ist das kein Manko, im Gegenteil: Je mehr Busse unterwegs sind, desto besser läuft das Geschäft. Ob ihre Großeltern Mathilde und Anton es sich hätten träumen lassen, dass statt des einen Kastentransporters, den sie 1928 gebraucht kauften, einmal über 100 Busse und 21 Speditionsfahrzeuge mit dem Schriftzug „Anton Graf“ unterwegs sein würden? Dass „Grafs Reisen“ im Jahr 2014 mit über 350 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber im Stadtteil sein würde? Dass der Handzettel, auf den die Reiseangebote passten, zu vier Prospekten mit Hunderten von Touren anwachsen würde?

Freuen würde es sie ganz sicher, dass sich das Unternehmen zu einem der deutschlandweit größten seiner Art in Familienbesitz entwickelt hat. Anja Graf, Tochter von Arno und Annemie Graf, vertritt als Prokuristin die mittlerweile dritte Generation, ebenso wie ihre Cousine Maike, die Tochter von Werner Graf. Während Anja Graf Jura studierte und nach einem Auslandsaufenthalt in den Familienbetrieb eintrat, hat Maike Graf das Technik-Gen geerbt. „Sie war schon als Kinder von Motoren und Autos begeistert“, erinnert sich Anja Graf. Und gegen anfangs große Bedenken ihres Vaters habe sie sich durchgesetzt, eine Kfz-Mechaniker-Ausbildung gemacht und ein Maschinenbaustudium angeschlossen. Heute ist Maike Graf mit ihrem Mann Michael Thüring für den technischen Betrieb bei „Grafs Reisen“ zuständig.

Seit 1937 in Röhlinghausen

In Röhlinghausen ist das Unternehmen seit 1937 beheimatet. Damals kaufte Firmengründer Anton Graf ein Grundstück an der heutigen Edmund-Weber-Straße, wo sich immer noch der Firmensitz befindet. Stück für Stück kaufte er umliegende Grundstücke dazu, bis er Platz hatte für seine stetig anwachsende Flotte von Fahrzeugen. Ein zweites Firmengelände gibt es seit 1996 an der Herner Straße.

Die Firma hatte von Anfang an zwei Standbeine: den Transport von Gütern - ob Möbel, Lebensmittel oder Kulissen des Theaters in Gelsenkirchen - und den Transport von Personen. In den ersten Jahren sogar beides mit dem selben Fahrzeug: Der Kastentransporter ließ sich wahlweise mit einem Aufsatz für Güter oder den Personentranport ausstatten. Sehr bequem kann das für die Fahrgäste nicht gewesen sein - im Gegensatz zu den komfortablen Grafschen Reisebussen von heute.

Anja Graf und ihr Schwager Michael Thüring, der mit seiner Frau Maike Graf-Thüring den gesamten technischen Bereich leitet, werfen einen Blick in das Innenleben eines der modernen Reisebusse Foto: Ralph Bodemer / WAZ FotoPool

3,4 Millionen Fahrgäste im Jahr

3,4 Millionen Fahrgäste befördert Grafs Reisen mittlerweile, ob im Linienverkehr im Auftrag öffentlicher Nahverkehrsunternehmen wie der Bogestra, im Schulbusverkehr, im Reiseverkehr, im Mietomnibusverkehr oder im Fernbusverkehr für „Flixbus“. Acht Busse stehen für diese jüngste Sparte des Unternehmens mittlerweise zur Verfügung. Führten in den frühen Jahren die Fahrten ins Muttental bei Witten, ins Sauer- oder Münsterland, so stehen heute Ziele überall in Europa auf dem Programm. 1958 fand sogar unter abenteuerlichen Umständen die erste Fahrt nach Marokko statt. „Fahrten nach Berlin und Hamburg, nach London und Paris sind seit Jahren der Renner“, weiß Anja Graf. „Unser Ziel ist es nach wie vor, ein gutes Produkt zu fairen Preisen zu bieten.“

Dass „Grafs Reisen“ auch in einer vierten Generation fortgeführt wird, ist nicht auszuschließen. Eine der beiden kleinen Töchter von Maike Graf-Thüring und ihrem Mann Michael hat schon jetzt eine auffallende Vorliebe für Motoren und Werkstattkittel . . .

Gabriele Heimeier

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Quellen und Anmerkungen