Kicker Kurt in Kohlbergschuhen

Anfang der 1960er-Jahre war das Schicksal der Schule Mont-Cenis-Straße besiegelt. Die Gemeinschaftsschule, wie wir die Schule im Bereich zwischen Mont-Cenis-/Bredde-/ und Gutenbergstraße nannten, wurde abgerissen. Nur ein kleines Nebengebäude, in dem in früheren Zeiten mal eine Polizeiwache untergebracht war, als das rote Ziegelgebäude anderen Zwecken diente, blieb noch für einige Zeit erhalten. Dort zog nun für einige Jahre ein junger Herner Taxiunternehmer ein. Das riesige, ehemalige Schulgelände, heute längst ein asphaltierter Parkplatz, wurde damals bis zur Zeit der Umgestaltung zur vielseitig genutzten Brachfläche. Es wurde, wie sich bald herausstellte, ein begehrter Bolzplatz für die jungen (und auch alten) Kicker aus dem Viertel, denn um dem runden Leder nachzujagen, musste man eigentlich bis zur Hippenwiese am Stadtgarten laufen. Aber wer wollte es schon, denn so eine holperige Fläche mitten im Häusermeer, hatte doch ihren eigenen Reiz.

Fast täglich fanden sich Jungen aus dem Umfeld auf dem Gelände ein, um dem runden Leder nachzujagen. Kurt, der Kohlenmann von der Goethestraße, schaute bei seinen Touren durch das Viertel oft sehnsüchtig den Kickern zu. So kam es manchmal vor, das Kurt, beim Anblick der Pille oft in den Füßen kribbelte und sich daher den Teams oft als Abwehrchef zur Verfügung stellte.

Kohlensäcke auf dem Buckel vom Kleinlaster in Keller zu transportieren, war ja keine Arbeit, die man in einem weißen Kittel unternahm. Kurt reihte daher in seiner vollen Arbeitsmonteur: Blaumann und schwere Schuhe in eines der kickenden Teams ein. Schwarze Hände und meist ein geschwärztes Gesicht, konnten den Kohlenmann aber nicht von seinem Tordrang abhalten. Ein damaliger Teamkollege, Peter, erinnert sich: „Wenn Du gegen Kurt spielen musstest, hattest du schlechte Karten, denn er trug stets sehr robuste Treter, die wir respektlos Kohlbergschuhe nannten.“ Und weil Kurt auch nicht gerade als guter Techniker bekannt war, versuchte die Jungenschar den, wegen seiner Freundlich- und Großzügigkeit allseits bekannten „Kohlenmann“ mit allen spielerischen Mitteln nicht an den Ball kommen zu lassen. Was aber nicht immer gelang.

Krankenschwester (Monika Homann) und Masseur (Rainer Moszak) des FC Homann

Egal wie das Spiel endete, Kurt schmiss nach dem Match noch eine Runde „Knickelwasser“ an Labochs-Bude, die gegenüber dem innerstädtischen Bolzplatz an der Mont-Cenis-Straße lag. Während sich Kurts Gegenspieler, die meist in leichten Turn- oder normalen Straßenschuhen das Match bestritten, nach dem „Abpfiff“ ihre lädierten Schienbeine massierten, stieg der „Schwarze Mann“ fröhlich, sein Lieblingslied „Schwarze Rosemarie“ pfeifend, in den Transporter, um weitere Kunden mit Brennmaterial zu beliefern.

Am folgenden Samstag stand der „Kohlemann von der Goethestraße“ dann oft am Spielfeldrand eines Herner Platzes, um seiner Mannschaft, den FC Homann, anzufeuern. Ab und zu, wenn im Team der damaligen Thekenmannschaft dem „Goethe-Eck“ ein Kicker fehlte, kam auch Kurt schon mal zum Einsatz, doch dann trug er statt der gefürchteten „Kohlbergschuhe“ ganz normale Fußballtreter. [1]


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Einzelnachweise

  1. Ein Artikel von Friedhelm Wessel