Keppen Kotten (Baukau)

Aus Hün un Perdün
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ehemaliger Keppen Kotten
Erbaut: um 1800
Stadtbezirk: Wanne
Ortsteil: Baukau
Kartengitter: e4

Ehemalige Lage: Am Großmarkt 27-29

„Keppen-Kotten" versinkt in der Erde

"Julia" schüttet ihr Zechengelände an / Erdmassen drücken bereits Fachwerkmauern ein

Wer mit dem Zug von Herne nach Wanne-Eikel fährt, oder auch umgekehrt, der sieht am östlichen Ende des Zechenplatzes von „Julia", abgeschnitten von jeglichem Verkehr, ein Haus im Erdboden versinken. Schon jetzt drücken die Erdmassen die Fachwerkmauern des einstigen „Keppen-Kottens" ein. 150 Jahre alt ist das Bauernhaus, das hart auf der Grenze zwischen den beiden Städten liegt und eigentlich nur noch einen Torso bildet. Alles verwertbare Material ist bereits demontiert. Immerhin erhielt das Haus noch vor drei Jahren neue Sparren, Dachziegel und Zink-Dachrinnen. Der Beobachter wird der Zeche Recht geben, denn dem alten Gemäuer braucht keine Träne nachgeweint zu werden.

Bergschäden ließen den Zechenplatz absinken. Sollte er nicht noch tiefer versacken, mußte etwas geschehen. Und so ließ die Zeche Bergematerial ankippen. Zum größten Teil ist der Platz bereits zwischen fünf und sechs Meter gehoben. Immer noch schafft eine etwas asthmatische Diesellok neue Loren mit Gestein heran. Die breite Halde, die nun schon zahlreiche kleine „Seen" und Tümpel begrub rückt in breiter Front gegen das Haus vor, hat es erreicht und wird es in wenigen Wochen „aufgefressen" haben. Noch im Vorjahre wohnten hier sieben Bergmannsfamilien. Sechs wurden bereits in andere Häuser übergesiedelt. Die Familie von Stephan Friedrich, einem Invaliden, der 22 Jahre auf Julia schaffte, wird in Kürze in ein Haus an der Heerstraße in Wanne-Eickel ziehen. Dann ist es mit der Daseinsberechtigung des „Keppen-Kottens" vollends aus. Keine Spur wird von dem uralten Haus übrig bleiben. Vielleicht werden sich noch einige Jahre ein paar alte Bewohner des Rottbruchs und aus Baukau über das „versunkene" Haus unterhalten. Der Bauer, der den Hof seinen Namen gab, verließ schon

vor mehr als 80 Jahren

Seinen Grund und Boden. Dann ackerte Bauer Schimmelpfennig auf den umliegenden Ländereien. Dem Zug der damaligen Zeit folgend, als das Bauernsterben in unserer Heimat begann und Goldfüchse lockten, verkaufte Schimmelpfennig den Hof an die Harpener Bergwerks-AG, ließ die Pflugschare verrosten und setzte sich mit einem Haufen Geld im schönen Rheinland zur Ruhe. Nur ein schlechtgemaltes Oelbild, das den Hof zeigte, nahm er

als Andenken

mit. Nach der Schicht hatte ein Julia-Kumpel ihm das für einen saftigen Schinken und zwei Kruken Steinhäger gemalt. Dann wurde es ein Bergmannswohnhaus. Die Namen der Mieter ziehen jahrzehntelang durch die Schichtenbücher von Julia. [1]

Siehe auch


Einzelnachweise

  • Stadtarchiv Herne: Ordner Bauernhöfe und Kotten in Herne.
  1. Text des Originalartikels des Herner Stadtanzeigers vom 16./17. August 1958