Junge Schlepper streikten

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Als die Knappschaft die Beiträge von 1,50 Mark pro Monat auf 80 Pfennig pro Woche erhöhte, kam es 1899 auf der Herner „Zeche von der Heydt“ zu einem folgenschweren Streik. 69 junge polnische Schlepper legten hier die Arbeit nieder. Diesem Beispiel folgten bald Bergleute anderer Herner Zechen. Kumpels der Schachtanlagen „Julia“, „Friedrich der Große“, „Mont-Cenis“, „Unser Fritz“ und „Pluto“ schlossen sich an. Da blieb den Zechenleitungen nicht anderes übrig, als Macht zu demonstrieren; sie konnte in solchen Fällen auf die Staatsgewalt zählen.

So rückten am 23. Juni 1899 zunächst Polizei an. Doch Ruhe kehrte nicht ein. Vier Tage später kam es sogar zu einer Schlacht zwischen den aufgebrachten Bergleuten und der Polizei im Bereich Bahnhof-/Mont-Cenis-/Schul- und Marienstraße (heute Glockenstraße). 14 Verletzte waren zu beklagen, ein Beteiligter starb Tage später an den Folgen einer Verletzung, die er sich bei der „Schlacht auf der Bahnhofstraße“ zugezogen hatte.

Die Kunde vom Streik der Herner Kumpels wurde sogar im fernen Berlin gehört. Auf Befehl des Kaisers erhielt General von Mikusch in Münster den Befehl, die Unruhen der Bergleute zu beenden. Mit 2 000 Fußsoldaten und 150 Berittenen machte er sich auf ins Revier, wo sich bereits 1750 Herner Kumpels am Streik beteiligten.

Die in Bochum erscheinene polnische Zeitung „Wiarus Polski“ rief die polnischen Bergleute am 29. Juni 1899 auf, sich nicht am Streik auf den Herner Zechen zu beteiligen. Sie riet: „Bewahrt Ruhe“. Die Unruhen dauerten jedoch unvermindert an. Schließlich kam es in Bochum zwischenzeitlich zur Gründung eines Bergarbeiterverbandes.

Nach dem Herner Bergarbeiterstreik wurden 192 Kumpels verhaftet und etliche von ihnen danach zu langen Haftstrafen verurteilt, und drei Bergleute kamen bei den Demonstrationen ums Leben. Zwischen der Gründung des Deutschen Reiches und dem 1. Weltkrieg kamen mehr als eine halbe Million Menschen aus Posen, Schlesien und Masuren in das rheinisch-westfälische Industriegebiet, um hier in kurzer Zeit Geld für ein besseres Leben in der Heimat zu verdienen. Sie arbeiteten vor allem im Bergbau. In den sogenannten Polenzechen im Raum Gelsenkirchen, Herne, Recklinghausen, Wattenscheid und Essen, stellten sie mehr als die Hälfte der Belegschaft. Bochum entwickelte sich damals zum organisatorischen und kulturellen Zentrum der Polen im Ruhrgebiet.

Auch „Friedrich der Große“ gehörte ab 1899 zu den Polenzechen. Die Werksleitung hatte zuvor Werber nach Schlesien geschickt. Bald folgten 110 Familien dem Ruf des Bergbaus in Horsthausen. 912 gab es in Herne über 10 000 Kumpels. Davon waren 4800 polnischer und 660 masurischer Herkunft. Ihre Hauptwohngebiete befanden sich in diesen Jahren in den Ortsteilen Horsthausen und Baukau. Gegen die französische Ruhrbesetzung kam es 1923 in Herne zu einem weiteren großen Bergarbeiterstreik. Die Streikwelle erreichte die Emscher-/Kanalstadt am am 24. Mai. Innerhalb weniger Tage befanden sich im Ruhrgebiet rund 250 000 Kumpels und 60 000 Stahlwerker im Ausstand. In Herne entwickelte sich aus dem Streik ein heftiger politischer Konflikt. Diesmal kam es in Sodingen zu heftigen Auseinandersetzungen. Dabei gab es wieder etliche Tote und Verletzte. Nach sieben Tagen ebbte die zweite große Streikwelle in Herne und im Revier jedoch wieder ab. [1]

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Quellen

  1. Ein Artikel von Friedhelm Wessel