Jürgen von Manger

Aus Hün un Perdün
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Jürgen von Manger [1]
Jürgen von Manger und Götz Kratzenstein [1]
Aus dem Nachlass von Jürgen von Manger: Die goldene Schallplatte und die Überreichungsurkunde zum Bundesverdienstkreuz [2]

Jürgen von Manger-Koenig (geboren 6. März 1923 in Koblenz-Ehrenbreitstein; gestorben 15. März 1994 in Herne) war ein deutscher Schauspieler, literarischer Kabarettist und Komiker.

Leben

Jürgen von Manger (vollständiger Name: Hans Jürgen Julius Emil Fritz von Manger-König) wurde am 6. März 1923 als Sohn eines Staatsanwaltes in Koblenz geboren und zog, zusammen mit den Eltern, als Neunjähriger nach Hagen, wo er das humanistische Gymnasium besuchte. Dort emtwickelte sich eine ungewöhnliche Männerfreundschaft zwischen ihm und dem späteren Krankenhausseelsorger Pastor Götz Kratzenstein, in der es immer beim respektvollen „Sie” blieb. [3] Natürlich war eine Juristenkarriere fest eingeplant, jedoch zog es ihn nach dem Abitur zunächst auf die Bühne.

Zuerst in Hagen, seine erste Rolle nach einer klassischen Schauspiel- und Gesangsausbildung war in Goethes „Iphigenie“, dann in Bochum und Gelsenkirchen, wo er als erster Charakterkomiker engagiert war, hat Jürgen von Manger den Menschenschlag im Revier studiert und sich die Spracheigentümlichkeiten des Ruhrgebietes „wie eine Fremdsprache“ angeeignet.

Neun Jahre hatte er bereits auf der Bühne gestanden, als er 1954 nebenher in Köln und Münster das Studium der Rechts- und Staatswissenschaften aufnahm. Den Beruf des Rechtsanwaltes hat Jürgen von Manger allerdings nie ausgeübt, denn Ende 1961 kam mit seiner Kunstfigur Adolf Tegtmeier, die über Nacht zur Kultfigur mutierte, der bundesweite Erfolg in einem Silvestersketch im Norddeutschen Rundfunk.

Stegreifgeschichten im Rundfunk, später auch im Fernsehen, machten den Schauspieler so populär, dass er das „ernste Schauspielen“ mit der Schließung des Gelsenkirchener Schauspielhauses gänzlich an den Nagel hing.

Neben dem Kumpel Anton in der WAZ war er der erste, der die typischen Hintersinnigkeiten und Vertracktheiten der Ruhrgebietsspracheigentümlichkeit geschickt für Geschichten aus dem menschlich-allzumenschlichen Revieralltag nutzbar zu machen verstand. Von Sylt bis Passau galt er lange Zeit als humoriger Botschafter für das Revier. Was Karl Valentin für München und der „Herr Karl“ für Wien, das war Jürgen von Manger für das Revier.

Jürgen von Manger, der im August 1985 einen Schlaganfall erlitt, der sein Sprachzentrum lähmte, zog sich in sein Herner „Häusken“ unweit des Stadtgartens, wo er seit 1965 wohnte, zurück.

1987 wurde Jürgen von Manger mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet und 1990 bekam er den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen.

Am 15. März 1994 verstarb Jürgen von Manger nach längerem Krankenhausaufenthalt im Marienhospital in Herne. [4] Die Trauerrede am Grab in Hagen-Delstern hielt auf Wunsch des Verstorbenen sein Freund Götz Kratzenstein. [3]

Ihm ist ein Stern im Walk of Fame des Kabaretts gewidmet. 1997 wurde in Herne eine Straße nach ihm benannt.

Adolf Tegtmeier

Die Kunstfigur, die Jürgen von Manger berühmt gemacht hat, wurde 1962 im Studio des NDR geboren. Hier hatte von Manger damals zum Jahreswechsel in einer Sendung den Schwiegermuttermörder, der sein Unglück beklagt, vorgestellt. [Anm. 1]

Damit begann auch der unverwechselbare Dialekt von Jürgen von Manger, den er im Laufe seines Schaffens weiter ausbaute. Von Manger sagte mal in einem Interview dazu: „Diese Art zu sprechen, dieses Hochdeutsch mit Knubbeln, ist doch nur Formsache, ist doch nur der Katalysator, der es Tegtmeier ermöglicht, Wirkung zu erzielen.” Für diesen Dialekt bürgerte sich dann der Begriff mangern ein. Er philosophiert über Großes und Kleines in einer ganz besonderen Sprache, die Tegtmeier erst zu Tegtmeier macht. Er erzählte nicht, er mangerte. [5]

Seine Werke [6]

LPs und Singles

  • Stegreifgeschichten
  • Stegreifgeschichten. Neue Folge
  • Stegreifgeschichten. Neueste Folge
  • Jürgen von Manger
  • Spanien inklusive
  • Mensch bleiben …!
  • Meine Rübe, deine Rübe
  • Cowboys mit Spinat
  • Also ääährlich – Tegtmeiers schönste Stückskes
  • Tegtmeier, angenehm!
  • Das Richtfest (Werbeplatte)
  • Der Wurm in der Seele (Werbeplatte)
  • Die Hausapotheke (Werbe-Single der Gödecke AG Berlin)
  • Was die Sterne so prophezeien (Werbe-Single der Iduna)
  • Jürgen von Manger als Zeitungsleser Adolf Tegtmeier (Werbeplatte der Westfälischen Rundschau)
  • Jürgen von Manger als Entwicklungsmuffel (Werbeplatte)
  • Die schwache Stunde / Zur Scheidung ungeeignet (Werbe-Single von Thyssengas)
  • Die Fahrschulprüfung
  • Der Schwiegermuttermörder
  • Der Lampengeist
  • Neues von Tegtmeier
  • Tegtmeiers Knüller
  • Schwein kann man nicht genug haben
  • Der Unteroffiziers-Unterricht / Der Troubadour (Single)
  • Der Abschied / Wissen ist Macht (Single)
  • Die Fahrschulprüfung (Single)
  • Als Entwicklungshelfer (Single)
  • Wer heute spart, lebt morgen besser (Werbe-Single der Stadtsparkasse Dortmund)
  • Tegtmeier spricht mit „Herr bug“ (Werbe-Single der bug)
  • Das Wunder der Liebe / Der Sieg des Hosenbodens (Werbe-Single der Bundesregierung)
  • Geldautomat (Werbe-Single der Sparkasse Essen)
  • Geldautomat (Werbe-Single der Sparkasse Bochum)
  • Bottroper Bier / Der Bettler und sein Hund (Single)
  • Dat bisken Frühschicht … / De kleine Kneipe (Single)
  • Tegtmeier für Millionen (LP erschienen bei Philips, Best of + drei Musiktitel)
  • Von Glücklichen Kühen … / Feines Benehmen (Werbe-Single der Glücksklee GmbH)
  • Der Kleinaktionär / Die Vermögensbildung (Werbe-Single des Gemeinschaftsdienst der Boden- und Kommunalkreditinstitute)
  • Goldene Eier (Single)
  • Über Siporex / Der Wurm in der Seele / Das intime Problem (Werbe-Single)

CDs

  • Ihr Lieben …
  • Paßt bloß auf, ihr alten Heinis
  • Tegtmeier
  • Dat is vielleicht ein Dingen
  • Wunderbar (Vier-CD-Box)
  • Stegreifgeschichten
  • Also ährlich … – … Tegtmeier sacht, wie’t is!

Fernsehserien

  • Hallo, Nachbarn (div. Folgen, 1963–1965)
  • Geheimagent Adolf Tegtmeier (6 Folgen, 1966)
  • Guten Abend – Töne, Takte und Theater (7 Folgen, 1966–1968)
  • 13 x Makabres (div. Folgen, 1968)
  • Jürgen von Manger als Zeuge der Geschichte (11 Folgen, 1969)
  • ARD – Glücksspirale (div. Folgen, 1969)
  • Auf gut deutsch gesagt (10 Folgen, 1969)
  • Mensch bleiben, sagt Tegtmeier (8 Folgen, 1970)
  • Tegtmeiers Reisen (20 Folgen, 1972–1980)
  • Wahlwerbung für die FDP (div. Folgen, 1972)
  • Also Ääährlich – Tegtmeiers schönste Stückskes (div. Folgen, 1977)
  • Tegtmeier klärt auf (14 Folgen, 1981–1983)
  • Wenn die Fernsehbilder plastisch werden (2 Folgen, 1982)
  • Tegtmeier! (6 Folgen, 1984–1985)
  • Zwischen Zwiebel und Zweifel (8 Folgen, 1984–1986)

Fernsehfilm

  • Herr Tägtmeier erzählt (1962)
  • Der Schwiegermuttermörder (1963)
  • Die Fahrschulprüfung (1963)
  • Stell dich ein zum Stelldichein in Köln (1964)
  • Das Eheanbahnungsinstitut (1964)
  • Fernsehen – exclusiv (1965)
  • Blick zurück – doch nicht in Zorn (1965)
  • Programm ohne Sendung (1965) (gesendet 1968)
  • Adieu 1965 – Hello 1966 (1965/66)
  • Hierzulande-Heutzutage: Ruhrparodisten (1967)
  • Reisen in Deutschland (1968)
  • Der Nächste bitte! (1968)
  • Nachlese 68 (1968)
  • Glücksspirale (1970)
  • Tegtmeiers Stückskes (1970)
  • Ääährlich – So ist das Leben (1979)
  • Jürgen von Manger – Also Ääährlich… (1981) (gesendet 1987)
  • Zwei Tote im Sender und Don Carlos im PoGl (1982)
  • Schalkshow´82 (1982)
  • Gestatten, Tegtmeier, vorne mit Adolf (1982)
  • Fortschritt der Technik – Rückschritt der Menschen (1984)
  • Frisch gewendet (1984)
  • Lieder und Worte zur Wende (1984)
  • Olympia-Rede (1984)
  • Frisch, frech, fröhlich-frei? (1984)
  • Tegtmeiers Trost (1984) (evtl. nur Arbeitstitel)
  • Mensch, Tegtmeier! – Rundgang auf der IFA Berlin (1985) (wg. Erkrankung abgesagt)
  • Zum 70. Geburtstag von Jürgen von Manger (1993) (letzter Fernsehauftritt)

Gastauftritte

  • Die Drehscheibe (1969)
  • Eins und Eins gegen Zwei (1971)
  • 3 nach 9 (1975)
  • Anneliese Rothenberger gibt sich die Ehre: Erinnerungen (1976)
  • Expreß: Mein Gott Bottrop! (1976)
  • Notizen aus der Provinz (1976)
  • …ganz persönlich (1976)
  • Die Montagsmaler (1978)
  • Kölner Treff (1979)
  • Wenn die anderen Feiern – Geschichten von Sternen, Stars und einfachen Leuten (1979)
  • Der Sport-Spiegel (1982)
  • Das Traumschiff: Brasilien (1984)
  • Leute (1984)

Hörspiele

  • 1954: Bruno Gluchowski: Der Durchbruch - Regie: Eduard Hermann
  • 1958: Francis Durbridge: Paul Temple und der Fall Lawrence (3. Teil) - Regie: Eduard Hermann
  • 1960: Richard Ose: Es geschah in ... Frankreich; Folge: Doppelgänger - Regie: Heinz Dieter Köhler
  • 1960: Wolfgang Altendorf: Es geschah in ... Italien; Folge: Arm aber frei - Regie: Edward Rothe
  • 1961: Helmut Höfling: Der kleine Sandmann bin ich; Folge: Ein Abenteuer von Kringel und Schlingel, den beiden Ferkelchen - Regie: N. N.
  • 1961: Helmut Höfling: Der kleine Sandmann bin ich; Folge: Die Maus mit dem Schirm (Teile 4-5,8) - Regie: N. N.
  • 1961: Herbert Ruland: In Nacht und Eis. (2. Teil) Sendereihe über das Leben von Fridtjof Nansen - Regie: Heinz Dieter Köhler
  • 1961: Rainer Puchert: Das Appartementhaus - Regie: Friedhelm Ortmann
  • 1962: Edward Gough: Die chinesische Schale - Regie: Heinz Dieter Köhler
  • 1962: Ernst Nebhut: Der Stundenhändler - Regie: Otto Kurth
  • 1963: Gerlind Reinshagen: Ramona oder Die Maschine - Regie: Otto Kurth
  • 1963: Helmut Höfling: Der kleine Sandmann bin ich; Folge: Schlingel und Kringel retten sich durch eine List vor dem Wolf - Regie: N. N.
  • 1963: Hans Schrammen: Et Rattegift - Regie: Heinz Dieter Köhler
  • 1963: Dieter Kühn: Die Klangprobe - Regie: Walter Knaus
  • 1964: Hans Schrammen: Die Wahlkomödie - Regie: Heinz Dieter Köhler
  • 1965: Hans Schrammen: Die gute Partie - Regie: Heinz Dieter Köhler
  • 1966: Hans Schrammen: Et Familienfest - Regie: Heinz Dieter Köhler
  • 1969: Hermann Moers: Il Mondo - Regie: Otto Düben
  • 1969: Miodrag Djurdjevic: Der Mann, der seine persönliche Meinung verloren hat - Regie: Peter Arthur Stiller
  • 1971: Helga M. Novak: Hammelsprung hinkt, Volksmund singt, Maulschelle klingelt nicht - Regie: Friedhelm Ortmann
  • 1980: J. R. R. Tolkien: Der kleine Hobbit (4 Teile) - Regie: Heinz Dieter Köhler
    • Auszeichnung: Radio-Eins-Hörspielkino-Publikumspreis 2010
    • Veröffentlichung: CD-Edition: Der Hörverlag 2010/2013
  • 1983: Dieter Hirschberg: Vielleicht später - Regie: Heinz Wilhelm Schwarz

Schriften

  • Bleibense Mensch. Träume, Reden und Gerede des Adolf Tegtmeier. Mit Zeichnungen von Hanns Erich Köhler und einem Nachwort von Heinrich Lützeler. Piper, München 1966. (Zahlreiche Nachdrucke in verschiedenen Verlagen; zuletzt: Henselowsky Boschmann, Bottrop 2007, ISBN 978-3-922750-74-1)
  • Der Abschied und andere Stückskes aus dem Nachlass. Herausgegeben von Joachim Wittkowski. Mit Zeichnungen von Michael Hüter. Henselowsky Boschmann, Bottrop 2013, ISBN 978-3-942094-37-5.

Anmerkungen

  1. https://www.amazon.de/dp/B01MZ0RKEP/ref=cm_sw_em_r_mt_dp_ccl8yb2NQV175

Lesen Sie auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Foto von Friedhelm Wessel o.J. o. O.
  2. Foto von Friedhelm Wessel 2015 bei einer Führung durch das Stadtarchiv
  3. 3,0 3,1 Sonntagsnachrichten Sonderbeilage S. 3, 26. März 2017
  4. Jürgen-von-Manger-Straße
  5. Herne - unsere Stadt - 01 / 1977
  6. Seite „Jürgen von Manger“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 12. April 2017, 21:00 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=J%C3%BCrgen_von_Manger&oldid=164501034 (Abgerufen: 14. April 2017, 11:07 UTC)