Hof Schulte-Uhlenbruch

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ehemaliger Hof Schulte-Uhlenbruch
Auch bekannt als: Hof Kölling (Herne)
Stadtbezirk: Herne-Mitte
Ortsteil: Herne
Kartengitter: H4

Der Uhlenbruchs-Hof wird schon 1359 erwähnt. Im Schatzbuch der Grafschaft Mark tritt der Hof auf als „Schult inden Ulenbr(ock)“ und gehörte mit seinen 6 Gulden Steuerbetrag zu den ertragreichsten Höfen der Mark. In der Türkensteuerliste von 1645 wird in Sodingen der Hof „Uhlenbrouch“ genannt. Heinrich Schulte-Uhlenbruch verkaufte seinen Hof 1917 an die Knappschaft in Bochum. Später bewirschafte die Familie Kölling den Hof bis zu dessen Ende 1966.

Herner Anzeiger vom 6. Mai 1939

Die Stadt Herne kauft den Hof Schulte=Uhlenbruch

50 Morgen zwischen Stadtgarten und Horsthauser Friedhof. Wertvolle Abrundung des städischen Grundbesitzes. Aufschließungspläne werden ausgearbeitet.

Die Stadtverwaltung teilt mit:

Die Stadt Herne hat von der Reichsknappschaft den früheren Hof Schulte-Uhlenbruch in einer Größe von rd. 50 Morgen angekauft. Der Hof, der fast rundum von städischem Gelände, nämlich dem Stadtgarten, dem Ostfriedhof und dem Trimbusch-Hof umgeben ist, bildet so eine wertvolle Abrundung des städtischen Grundbesitzes. Das Stadtbauamt ist beauftragt, neue Aufschließungspläne für das gesamte an dieser Stelle liegende städtische Gelände auszuarbeiten.

Aus der Geschichte des Hofes

Der jetzt von der Stadt erworbene Hof Schulte-Uhlenbruch ist nicht zu verwechseln mit dem Hof Schulte-Uhlenbruch in Vellwich, südlich der Castroper Straße. Dieser war ursprünglich der Tönnishof. Der jetzige Besitzer, Wilhelm Schulte-Uhlenbruch hat ihn von seiner Tante, die ihn zum Generalerben einsetzte, geerbt, Aber auch der Hof Schulte-Uhlenbruch, den die Stadt jetzt gekauft hat, ist nicht der ursprüngliche. der alte Hof Schulte-Uhlenbruch liegt östlich des Stadtgartens hinter den Häusern der Straße "Im Uhlenbruch". Er ist zu Wohnungen umgebaut.

Die Geschichte des Hofes Schulte-Uhlenbruch, dessen Grundbesitz an Äckern, Wiesen und Holzungen den äußersten Teil Sodingens gegen Herne bildete, reicht weit zurück. es ist möglich, dass eine Beziehung zu dem vestischen Dienstmannen= und Recklinghäuser Ratsherrengeschlechte von Uhlenbrock besteht. Dieses Rittergeschlecht ist schon 1335 auch im Gericht Castrop nachzuweisen. Damals war ein Theodericus de Ulenbruke Zeuge bei einem Verzicht Goswins von Eickel zugunsten Rotgers von Obercastrop und Bernds von der Schadeburg. Die Verpfändung von 1359 beweist, dass die von Ulenbrock Besitz in Obercastrop hatten. Nach Fahne (Westfälische Geschlechter) saßen sie sogar auf dem Rittersitz Obercastrop, nannten sich danach und siegelten mit der auch bei dem vestischen Teil der Familie üblichen Eule (Ulenbrok = Eulenbruch). es ist möglich, dass ihnen auch der Hof Uhlenbruch in Sodingen gehört hat. Naheliegender ist zwar, anzunehmen, dass eine zufällige Namensübereinstimmung vorliegt, also das Gelände östlich des heutigen Stadtgartens - es senkt sich sehr tief und ist stark wasserhaltig. Beweis dafür ist auch das Vorhandensein von Raseneisen= oder Sumpferz. Dieses wurde 1850 auf der Wiese von Schulte=Uhlenbruch unter einer 14 Zoll starken Dammerde, 10 Zoll hoch auf dem gelblichen sande abgelagert, gefunden. Die Mutung wurde Oberweier genannt (nach dem Kampfort Oberweier, wo die preußischen Truppen unter Prinz Wilhelm die badische Mairevolution 1849 niederwarfen). Zwar ist den Gewerken, an dessen Spitze der Landwirt Schlingermann in Obercastrop stand, das gemutete Feld verliehen worden, doch ist die Ausbeutung des Erzvorkommens über die Anfänge nicht hinausgekommen.</ref> - ebenso Uhlenbruch hieß, wie etwas das Uhlenbruch, dem der Rittersitz der vestischen Familie seinen Namen verdanken dürfte. Die Annahme einer Flutbezeichnung Uhlenbruch als Grundlage für den Hofnamen wird auch dadurch nahgelegt, dass der Hof in seinen ältesten Formen "Schulte im Uhlenbruch" hieß. Doch ist auffallend, dass es sich um einen Schulte handelte. Man kann an sehr vielen Beispielen (Schulte zu Sodingen, Schulte zu Alstede, Schulte im Gysenberg, Schulte=Ümmingen usw.) den Beweis erbringen, dass ein adliger Hof dann ein Schultenhof wurde, wenn ihn die Adelsfamilie verließ und einen Bauer darauf setzte. So wäre er durchaus möglich, dass der Hof Schulte-Uhlenbruch dem Adelsgeschlecht von Ulenbrock auf Obercastrop gehörte und von einem Schulte als Pächter bewirtschaftet wurde. Das steht nicht im Widerspruch zu der Tatsache, dass der Hof Schulte-Uhlenbruch zum Hause Bladenhorst gehörte, denn er kann sehr wohl durch Kauf- Tausch, Verschreibung, Erbschaft u. dergl. von den Ulenbrock an die Bladenhorster gekommen sein. Als

Bladenhorster Besitz

wird er um 1600 in einer Erbteilung zwischen den Brüdern Philipp Arnold und Hermann von Viermund zur Bladenhorst erwähnt. In dieser Erbteilung erhält der ältere der Brüder, Philipp Arnold, Haus Bladenhorst mit zahlreichen Höfen und Kotten, darunter auch "Schulte im Ulenbrug" [1] [2]. als er 1621 und Hermann 1624 gestorben waren und ihr Schwager Caspar von Romberg vom Hause Bladenhorst und der übrigen Erbmasse Besitz ergriff, begaben sich seine Beauftragten, der Castroper Gerichtsfrone Heinrich Ratte und dessen Vater Serries Radte, u.a. auch zum Hofe Schulte=Uhlenbruch. Am 27. 11. 1624, nachmittags gegen 4 Uhr, sind sie dort mit mehreren Zeugen erschienen und haben (unter den früher hierbei üblichen Zeremonien) Besitz von dem Hofe ergriffen.[3] "deren Inhaber auch gutwillig erklärten, den von Romberg und seine Frau als ihre Erbherren anzuerkennen, sowie die Dienste und Pächte zu verrichten."

Der Hof Schulte=Uhlenbruch ist urkundlich zuerst 1486 nachweisbar. Nach dem Märkischen Schatzbuch, das aus diesem Jahre stammt, musste "Schult in den Ulenbr[ok]" 6 Gulden Stern bezahlen, das war der höchste Steuerbetrag von allen Sodinger Steuerpflichtigen. In der Türkensteuerliste von 1542 steht "Vlenbrok", in der Türkensteuerliste von 1598 "Schuldte zue broick", im Schatzzettel des Gerichts Castrop von 1625 "Uhlenbroich". Auch in diesen Listen steht der Steuerbetrag des Schulte=Uhlenbruch mit an der Spitze, allerdings jetzt erst an 2. Stelle (nach Schulte-Alstede).

Für die

Familiengeschichte der Schulte-Uhlenbruch

dürfte eine Urkunde von 1592 von großer Bedeutung sein. In dieser entlässt Johann Callenberg, Hofrichter des freien Reichshofes Castrop, Wyllem, ehelichen Sohn von Gert Smes zu Soeyingen, aus der Hofeshörigkeit. In der Urkunde wird auch noch gesagt, Wilhelm "Smedes" sei "ytzo Schulte ym Wulenbruck"[Anmerkung 1]. Danach war also damals ein Wilhelm Schmidt zu Sodingen Schulte im Uhlenbruch geworden.
Da weitere Nachrichten, vor allem Kirchenbücher, aus jener und der nächstfolgenden Zeit fehlen, ist nicht nachzuweisen, aber durchaus möglich, dass die späteren Schulte=Uhlenbruchs blutsmäßig Schmidt-Sodingen waren.
Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts besaß Johann Wilhelm Schulte-Uhlenbruch (geb. 1771) den Hof, der 1805 die Elise Tönnis aus Vellwig geheiratet hatte. Deren ältester Sohn Johann Joseph (geb. 1806, gest. 1883), der Hofeserbe wurde, heiratete 1833 in erster Ehe Therese Schulte-Ladbeck (gest. 1842), in 2. Ehe Anna Marie Christine Winkelmann aus Altenbochum. Beide Frauen gebaren je vier Kinder.
Der 1835 geborene älteste Sohn Johann Wilhelm aus erster Ehe übernahm später den Hof, sein Bruder [...] Herner Missionsgemeinde, den bekannten Lehrer Joh. Tigges, der jüngste Bruder Karl (geb. 1855, gest. 1934) heiratete Anna Wittenberg vom Gysenberg, war als Brenner in Recklinghausen tätig und erbaute später die Wirtschaft Plumpe an der Kirchstraße.

Der bereits genannte Hofeserbe Johann Wilhelm Schulte-Uhlenbruch (geb. 1835, gest. 1909, verheiratet 1870 mit Clementine Lücker aus Dorstfeld), hatte 6 Kinder, von denen drei früh starben. Die 1874 geborene Philippine heiratete 1901 den Gutsbesitzer Sümpelmann zu Kirchlinde, der älteste Sohn Joseph Wilhelm (geb. 1873, verheiratet seit 1900 mit Christine Große-Lahr) erbte, wie schon eingangs erwähnt, den Hof Tönnis in Vellwig, den er heute noch bewohnt, während der jüngste Sohn Heinrich (geb. 1883) zunächst auf dem elterlichen Hofe blieb.
Am 18. März 1909 starb der Vater, im Februar 1910 brannte der Hof zum Teil ab. Das Wohnhaus und der Kuhstall blieben stehen. Da das Gelände infolge bergbaulicher Einflüsse bereits um 5 Meter gesunken und versumpft war, dass man von einem Wiederaufbau ab.
Man verkaufte noch im gleichen Jahre den alten Hof an die Gewerkschaft Mont Cenis, die schon 1906 Gelände zwischen Hof und Mont-Cenis-Straße erworben hatte. Sie baute ihn zu Wohnungen um. Die Witwe Schulte-Uhlenbruch und ihr Sohn Heinrich Schulte-Uhlenbruch erbauten nun auf dem am höchsten gelegenen Teil des Hofesbesitzes, dem "hintersten Felde"[Anmerkung 2] den jetzigen Hof.
Da aber Heinrich, der sich im Jahre [...]hausen verheiratete[Anmerkung 3] vor der Vermählung stand, verpachtete er den neuen Hof an den Landwirt Kölling aus Werden, der im Frühjahr 1911, als die Handwerker noch im neuen Hofe tätig waren, den Hof bezog und dessen Söhne ihn auch heute noch bewirtschaften. Während eines Urlaubs aus dem Felde verkaufte Heinrich Schulte-Uhlenbruch im Jahre 1917 den Hof mit dem noch übriggebliebenen Gelände an den Allgemeinen Knappschaftsverein in Bochum (heute Reichsknappschaft), der dort ein Knappschaftskrankenhaus errichten wollte. Die Auflassung erfolgte am 11. 4. 1918. die Knappschaft beließ den Hof dem bisherigen Pächter. Ihre Absicht, in Herne ein Knappschaftskrankenhaus zu errichten, hat sie, nachdem die Herner Krankenhäuser umfangreiche Erweiterungen vorgenommen hatten, aufgegeben. [...] Es handelt sich um den [...] Stadtgartens. Was die Stadtverwaltung mit dem neuen Gelände machen wird, steht noch nicht genau fest. Wie verlautet, soll keine Siedlungsbebauung, sondern eine großzügige Grünflächengestaltung in Verbindung mit dem Stadtgarten ins Auge gefasst werden.


Dr. L. Reiners.
Der Historische Verein "Hün un Perdün" Herne e.V. veröffentlicht diesen Artikel/Text, dieses Zitat, unzensiert ggf. für das Wiki bearbeitet. Jedoch weisen wir darauf hin, dass dieser Text nur im Zusammenhang seiner Entstehungszeit zu betrachten und kritisch zu hinterfragen ist. Nach wie vor hat er aber einen lokalgeschichtlichen Wert. Als historisches Dokument stellt er einen Diskussionsbeitrag dar, der heutige Sichtweisen bestätigen oder ergänzen kann.



Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 23. Juli 1968

1968

nur noch zwei Familien wohnen in diesem alten Bauerngehöft an der Müllkippe. Der Hof wurde einst von der Bauernfamilie Schulte-Uhlenbruch - Die Straße am Uhlenbruch wurde nach diesem Namen benannt — bewohnt. Nachdem der Hof im Jahre 1915 den Flammen zum Opfer fiel, wurde er wieder aufgebaut. Jetzt wird der Hof bald abgerissen werden; bedrohlich nahe ist die Müllkippe bereits an das Gebäude herangerückt.




Siehe auch

Anmerkungen

  1. Vgl.: Urkunde 1592 März 3
  2. Der alte Hof, zu dem 1826 178 preußische Morgen gehörten, lag in der Flur "im Busche", vor dem Hofe, bis nahe an die heutige Mont-Cenis-Straße heran, lag die Flur "im vordersten Felde", hinter dem Hofe, zwischen dem heutigen Stadtgarten und dem am Horsthauser Friedhof bzw. Hof Trimbusch vorbeiführenden, die Grenze gegen Horsthausen bildenden Wege, die Flur "im hintersten felde". Diese drei Fluren bildeten im Wesentlichen den Grundbesitz des Hofes Schulte-Uhlenbruch. Heute sind von den ursprünglichen 148 Morgen nur noch 50 vorhanden, die das Kaufobjekt darstellt haben.
  3. Er war übrigens nach dem Kriege - bis 1933 - Reichstagsabgeordneter.

Quellen

  1. Vgl. Urkunde 1613 Januar 16 I
  2. Vgl. Urkunde 1613 Januar 16
  3. Vgl. Urkunde 1624 November 27/29