Heitkamp - Geschichte einer Bauunternehmung (1968)

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Heitkamp - Geschichte einer Bauunternehmung

Die Geschichte der Bauunternehmung Heitkamp ist eng verknüpft mit der Familiengeschichte der Heitkamps. Beide sind landschaftsverbunden, und so wenig die Familie Heitkamp ihre westfälische Heimat verleugnen kann, so wenig ist es möglich, den Sitz der Firma sich an einem anderen Platz zu denken als dem im westfälischen Industriegebiet. An ihr sind Ausdauer und zähes Festhalten am vorgenommenen Ziel kennzeichnend für die Durchführung übernommener Aufgaben.

Der westfälische Bauer, der vor Jahrhunderten auf dem Heitkamphof oder Scharpwinkelhof oder dem Schulte-Gosewinkel'schen Hof seinen Acker bebaut hat, ist aus dem gleichen Holz wie seine Nachkommen der Bauunternehmung Heitkamp.

Hier kann die dritte Generation — die vierte steht zur Ablösung bereit — nun nach mehr als 75 Jahren zurückblicken und sich freuen über ein Unternehmen, das von einer Baufirma lokaler Bedeutung zu seiner heutigen Ausdehnung herangewachsen ist.

Und so ist es bezeichnend für das Familienunternehmen, dass auf den Feldern, auf denen einst der Bauer Heitkamp ackerte, heute das Verwaltungsgebäude der Firma errichtet ist. Wie das Verwaltungszentrum, so liegen auch die Werkstätten und der Lagerplatz auf dem Gelände des alten Heitkamphofes.

Er wird in den Chroniken als „ein Halb Hofener" bezeichnet. Das heißt, er nahm eine Mittelstellung ein zwischen einem Bauernhof und einem Kotten. Mit zwei anderen Höfen lag er in der „Wende", das ist die älteste Flurbezeichnung der späteren Teilbauernschaft „Wanne". Der Name bezieht sich auf eine muldenförmige Senkung in der Landschaft, die bis 1897 ein Teil der Gemeinde Bickern war, In ihr entstand der Hof Heitkamp. Man erreichte ihn auf einem Wege, der von der Bauernschaft Eickel, etwa 1 ½ km südlich, nach Norden in die Cranger Heide führte. Kamp war im niedersächsisch-westfälischen Sprachgebrauch ein größeres, von einer Hecke umzäuntes Ackerstück. Dieses Kernstück des Hofes grenzte im Norden an die Cranger Heide. Und so lieferten Ackerland und Heideland die beiden Wortelemente für den Hof, der beiden seinen Namen verdankt: HeitKamp. Diesem Ursprung des Hofes begegnen wir, wenn wir das in den Jahren 1965/66 erbaute Verwaltungsgebäude betreten.

Auf dem Gemälde von Manfred Schatz[Anm. 1] stürmen die Wildpferde der Cranger Heide durch die Urlandschaft des Emscherbruches. Dieses Bild schenkte die Belegschaft ihrem Firmenchef. Inmitten der uniformierten Industrielandschaft des Ruhrgebiets vermittelt es allen Eintretenden einen Rückblick in die ursprüngliche Emscherlandschaft. Die Angehörigen der Firma spüren, wie sich Vergangenheit und Gegenwart in ihrem Unternehmen begegnen.

Welche geschichtlichen Zeugnisse gibt es vom Heitkamphof? Die drei Höfe in der „Wande“ haben öfter ihre Besitzer gewechselt. Im 13. Jahrhundert gehörten sie zum Kloster Herdecke an der Ruhr. Dorthin waren die Pächter abgabepflichtig. In einem Liegenschaftsverzeichnis des Klosters werden die drei Höfe zum ersten Mal urkundlich erwähnt (tres domus prope Eclo — drei Höfe bei Eickel). In späteren Besitzverzeichnissen des Klosters aus dem 15. Jahrhundert werden die Höfe namentlich genannt: der Heitkamphove, der Kamphove und der Hove Osthusen.

Im Jahre 1543 sind die abzugebenden Naturalien an die Äbtissin in Herdecke bereits in eine jährliche Geldrente umgewandelt. Der Heitkamphof zahlt im Jahr eine Goldmark.

Ein Jahr zuvor war der Heitkamphof wegen der Bedrohung des Reiches vom Balkan her mit 1 Goldgulden Türkensteuer belastet worden.

Wegen der anhaltenden Türkengefahr wiederholten sich solche Abgaben auch später.

Nachdem Brandenburg im Jahre 1614 die Grafschaft Mark erworben hatte, erscheint der Heitkamphof korrekt verzeichnet in brandenburgischen Akten.

Ein halbes Jahrhundert später liegt in der Sprache der Zeit ein liebenswürdigumständlicher Kaufvertrag vor.

Dort lesen wir aus dem Jahre 1662:

Wir Adolf Henrich, von Aschenburg zu Schonebeck und Anna Sybilla von Aschenburg gebohrene von Brabeck, Eheleute … verkaufen kraft dieses dem ehrengeachteten Herrn Henrich Rotberg, dessen Hausfrau und Erben unsern Heidtkampshoff im ampt Bochumb in der baurschaft Eickell gelegen mit seine ahn undt zubehör vor eine sichere summ gelts …

In den Urkunden des Hofes wechseln die Besitzer, der Erbpächter bleibt.

Zu verschiedenen Zeiten taucht der Familienname Heitkamp in Verbindung mit dem Hof auf. Wir finden ihn aber auch in unterschiedlichen Schreibweisen über die Emscherlandschaft verbreitet: Heitkamp, Heidkamp, Heidtkamp, Heytkamp. Im Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486 heißt es: Heytkamp 2 ort ..."

Heytkamp wurde also bei der ersten allgemeinen Landessteuer zu 2 Ort (1 Ort = 1/4 Reichstaler) veranlagt.

Im Meßkornregister der Bochumer Kirche wird 1513 Evert Heitkamp als Abgabepflichtiger für 1 Scheffel Meßkorn angeführt.

Die Kaminsteuerliste des Amtes Bochum verzeichnet 1664: Heinrich Heidtkamp, ein Halb Hofener, hat eine Feuerstelle, sein Grundherr ist Aschebrock zu Mahlenburg.

1678 unterzeichnete Gert Heitkamp für den Hof eine Vereinbarung der Weidegenossen über die Bewirtschaftung des Emscher Bruches.

Nach 1755 wird der Hof Eigentum der beiden Eickeler Bauerfamilien Langebeckmann und Siembeck. Heimatforscher Dr. Höfken berichtet, dass die beiden Familien den Hof nicht geteilt haben, sondern „dem aufsitzenden Heitkamp in Erbpacht weitergegeben haben".

In den darauffolgenden Jahrzehnten hat ein Scharpwinkel eine Heitkamptochter geheiratet, als die Heitkamps ohne männliche Erben waren. Von nun an taucht nach westfälischer Sitte der Name Scharpwinkel, genannt Heitkamp, auf. Der Name erhält rechtliche Bedeutung, denn die Heitkamps unterzeichnen nun ihre Verträge in dieser doppelten Namensform.

Nach einem weiteren halben Jahrhundert wurden die Höfe der Sippe vermutlich zusammengelegt.

Ein Teil des Grundbesitzes wurde 1870 an die Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft verkauft, die auf diesem Gelände den Hauptbahnhof Wanne und seine großräumigen Rangieranlagen errichtete. Es lag an der heutigen Hauptstraße, genau an der Stelle zwischen den beiden Eisenbahnunterführungen, und zwar an der östlichen Seite auf der Parzelle Flur II 197, also an der Ostseite des von Eickel nach Bickern führenden Weges.

Das „Heitkampsfeld" erstreckte sich im wesentlichen südlich des Hofgebäudes. Auf ihm gründete Engelbert Scharpwinkel, gnt. Heitkamp, 1892 seine Bauunternehmung. Die Industrialisierung des Ruhrgebietes hatte inzwischen in ihrer stürmischen Entwicklung von Süden nach Norden den Emscherraum erreicht. Da gab es für eine aufstrebende Baufirma genügend zu tun. Engelbert Heitkamp baute Straßen, Kanäle und Gleisanlagen. Er verlegte Kabel, trug Halden ab und verrichtete mancherlei andere Erdarbeiten.

Als er im Jahre 1899 starb, übernahm sein 20jähriger Sohn Heinrich die Firma, zunächst als Prokurist und ab 1902 als Inhaber.

Im folgenden Jahr genehmigte der Regierungspräsident in Arnsberg den Antrag des jungen Unternehmers, den Namen Heitkamp wieder allein zu führen. Mit den treuen Auftraggebern des Vaters und einer zuverlässigen Belegschaft baute er das Unternehmen erfolgreich aus.

Die Kriegsjahre 1914/18 brachten die deutsche Bauwirtschaft fast zum Erliegen. Nach der Inflation gelang Heinrich Heitkamp der erfolgreiche Wiederaufbau. Er erweiterte den Aufgabenbereich der Firma ständig und wandelte sie im Jahre 1946 in eine GmbH um, die er in Erwartung eines friedlichen Lebensabends an seine Söhne Heinrich und Robert übergab.

Beim 60jährigen Jubiläum der Firma schrieb er 1952 in das Vorwort der Festschrift:

„Der Weg vom 1. Oktober 1892 bis zum 1. Oktober 1952 ist ein langer Weg. Er verlief über Höhen und Tiefen . . . Mein Dank gebührt allen unseren jahrzehntelang treu gebliebenen Auftraggebern und den Angestellten und Arbeitern für ihre vielfach bewiesene Hingabe."

Die beiden Söhne Heinrich und Robert gründeten als Dachorganisation die Firma E. Heitkamp OHG für allgemeines Bauwesen und teilten ihre Aufgabenbereiche.

Heinrich führt die Bauunternehmung Heitkamp GmbH, Wesseling, Robert die Firma gleichen Namens mit Sitz in Wanne-Eickel.

Je größer und weiter die Aufgaben des Betriebes wurden, um so lieber besannen sich die Nachfahren auf das heimatliche Erbe.

Wie ihre Vorfahren besitzen die heutigen Heitkamps eine große Heimatliebe und ein starkes Familienbewusstsein. Bis nach dem 2. Weltkrieg die Trümmer das benachbarten Hofes Schulte-Gosewinkel, der mit zur Sippe gehört, beseitigt werden mussten, retteten die Heitkamps einen alten Torbalken aus den Klauen des Baggers. Dieses schöne Erbe wurde in das Wohnhaus der Familie eingebaut. Als das alte Wasserschloß Crange, das letzte Zeugnis der Vergangenheit, abgerissen werden sollte, kauften es die Heitkamps, um es der Heimatstadt Wanne-Eickel zu erhalten. Über die Verwendung wird entschieden werden, wenn die noch anhaltenden beträchtlichen Senkungen des Bergbaues abgeklungen sind.

Der Geist der heutigen Generation greift in die Ferne. Er kann es wagen, da er so tief in der Heimat verwurzelt ist. Beide Kräfte — Heimatbewusstsein und in die Ferne planender Unternehmergeist — finden in der Bauunternehmung ihre Verwirklichung. Die bewahrenden Kräfte halten auf dem alten „Heitkampsfeld" ein Familienunternehmen zusammen, das mit einer in Jahrzehnten gewachsenen Belegschaft einer treuen Zahl von Auftraggebern dient.

Dabei soll auch für die Zukunft der Vorsatz des 1964 verstorbenen Seniorchefs gelten, dass neben der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens die Zufriedenheit nach innen und außen das Gesetz des Handels bestimmen: Eine große Betriebsbelegschaft und der weite Auftraggeberkreis sollen mit ihrer Bauunternehmung Heitkamp zufrieden sein. Das ist die Erfüllung des Sinnes der Inschrift auf dem alten Torbalken:

Durch Weisheit wird ein Haus gebaut — und durch Verstand erhalten.
Wanne-Eickeler Stadtwappen.jpg
Dieser Artikel bzw. dieses Bild wird von der Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e.V. für das Hün un Perdün Wiki zur Verfügung gestellt und unterliegt dem Urheberrecht. Bei einer Verwendung dieser Abbildung und/oder dieses Textes außerhalb des Hün un Perdün Wiki ist die Genehmigung beim Verein einzuholen. Die Genehmigung umfasst Veröffentlichungen u.a. aus dem Emscherbrücher und weiteren Veröffentlichungen. [1]

Anmerkungen

  1. geboren 10. Dezember 1925 in Bad Stepenitz; gestorben Oktober 2004 in Meerbusch. Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Schatz wikipedia.de

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Weiterführende Links

Quelle

  1. Anonymus 1968, Der Emscherbrücher 1/1968 S. 26-33.