Hün un Perdün und Karl Brandt – eine Geschichte ohne Happy End

Eine ernüchternde Zusammenfassung um den Namen "Hün un Perdün".

Zum 01. Januar 2018 wurde die lokalgeschichtliche Gruppe 'Hün un Perdün - Facebook goes Lokalgeschichte' geschlossen. Gegründet im Jahr 2011 und getragen von stadtgeschichtlich interessierten Menschen präsentierte diese Gruppe eine neue, frische und niederschwellige Form der lokalgeschichtlichen Wissensvermittlung. Nach Rückzug einiger wichtigen Akteure und der wachsenden Beliebtheit der professionell geführten Facebookgruppe 'Herne von damals bis heute'[1] verlor 'Hün un Perdün - Facebook goes Lokalgeschichte' an Bedeutung.

Zu ihren Hochzeiten aber berichtete sogar das Stadtmagazin inherne über die Gruppe. So ist unter anderem zu lesen: 'Für den Namen der zu gründenden Gruppe ließ er sich von der Rubrik des Herner Museumsleiters Karl Brandt in der Herner Zeitung aus den 1930-er Jahren inspirieren. 'Hün un Perdün' hieß die Serie damals, 'Dies und Das' auf westfälisch, in der Brandt Neues und Kurioses über Lokalgeschichte und Archäologie verbreitete.'[2]

Der am 01. April 2015 von Mitgliedern dieser Facebookgruppe gegründete Historische Verein gab sich entsprechend den Namenszusatz 'Hün un Perdün'.

Auf der Homepage des Vereines fand sich folgender Vorstellungstext: 'Hün un perdün ist ein plattdeutscher Ausdruck aus Nord/Westdeutschland und uns einheimischen Poahlbürger nicht unbekannt gewesen. Er bedeutet soviel wie alles Mögliche oder dies und das.'
Dieser Text wurde am 21. Dezember 2016 geändert. Zu diesem Zeitpunkt kamen Zweifel auf, ob es tatsächlich eine lokalgeschichtliche Reihe namens 'Hün un Perdün' von Karl Brandt gab. Auch verdichteten sich Hinweise, dass 'Hün un Perdün' kein plattdeutscher Ausdruck aus Westfalen ist.

Auszug aus der stadtgeschichtlichen Reihe 'Heimatblätter für Herne und Umgebung'.[3]

Das Stadtarchiv recherchierte intensiv in seinen Herner Zeitungsbeständen aus den 1930er-Jahren, um Nachweise zu der genannten Reihe von Karl Brandt zu finden. Ohne Erfolg!
Für den fraglichen Zeitraum lässt sich jedoch eine stadtgeschichtliche Reihe, herausgegeben vom städtischen Museum für Natur- und Heimatkunde, dessen Leiter Karl Brandt war, nachweisen. In loser Folge wurde die Serie unter dem Titel 'Heimatblätter für Herne und Umgebung' im Herner Anzeiger veröffentlicht.

Weitere Nachforschungen liefen ins Leere, sodass festgestellt werden muss, dass es eine lokalgeschichtliche Reihe namens 'Hün un Perdün' von Karl Brandt nie gegeben hat. Ebenso ist der Begriff für den westfälischen Sprachgebrauch nicht nachzuweisen. Vielmehr ist 'Hün un Perdün' allein dem norddeutschen Bereich zuzuordnen[4].

Der noch junge Historische Verein aber befindet sich in einem Dilemma, hatte er doch den Namenszusatz 'Hün un Perdün' nur deshalb gewählt, weil er von einem bedeutenden lokalgeschichtlichen Bezug ausgegangen ist.[5]

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Quellen

  1. Siehe: https://www.facebook.com/groups/254272941447838/
  2. inherne - das Stadtmagazin, Ausgabe 04/2014, Seite 15, erschienen im November 2014; auch abrufbar unter: http://inherne.net/herner-geschichte-goes-facebook/
  3. Herner Anzeiger vom 25. März 1936
  4. Siehe:   http://www.kulturkreis-finkenwerder.info/glossword/index.php/print/,H%C3%BCn+un+Perd%C3%BCn,Plattdeutsch+-+Hochdeutsch.xhtml, abgerufen am 09. Januar 2018
  5. Ein Text des Stadtarchivs Herne