Gustav Hegler

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Gustav Hegler (geboren 18. Juni 1853 in Eickel, jetzt Herne; gestorben 27. November 1917 in Hagen) war ein Heimatforscher und Schriftsteller.

Familie Hegler

Familie Hegler

Gustav Florenz Hegler, Sohn des Schneidermeisters und Landbriefträgers Georg Heinrich Hegler und seiner Ehefrau Louise, geborene Klasing wurde am 18. Juni 1853 um genau 8.00 Uhr in Eickel geboren und am 30. Juni 1853 getauft. Die Familie wohnte in der Zwiebelgasse, die es heute nicht mehr gibt. Gustav Hegler heiratete am 25. Oktober 1883 die am 13. Dezember 1853 in Krefeld geborene Anna Sophia Westerhoff. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Georg Wilhelm Hegler, geboren am 01. September 1884 in Eickel, fiel als Soldat im Ersten Weltkrieg am 16. August 1916. Der zweite Sohn, Ernst Christian Hegler, geboren am 12. September 1886 in Krefeld, fiel ebenfalls im Ersten Weltkrieg und zwar am 05. Juni 1915. Ernst Christian Hegler war Lehrer in Herne, später in Herten. Während seines Militärdienstes veröffentlichte er einen Gedichtband mit Kriegsgedichten.
Gustav Hegler überlebte seine beiden Söhne und auch seine Ehefrau. Er starb am 27. November 1917 im St. Josefs-Hospital in Hagen. Am 01. Dezember 1917 wurde er auf dem Evangelischen Friedhof in Eickel beigesetzt. Louise Hegler verstarb im gleichen Jahr, am 10. August in Herdecke. Auch sie fand ihre letzte Ruhestätte auf dem Eickeler Friedhof.

Todesanzeige Gustav Hegler, Foto: Stadtarchiv Herne

Beruflicher Werdegang

Gustav Hegler absolvierte zunächst eine neunjährige Lehr- und Gesellenzeit als Schuhmacher und wurde dann im November 1874 Landbriefträger an der am 01. Mai 1864 errichteten „Königlich Preußischen Postexpedition“ Eickel. Den Job übernahm er von seinem Vater nach dessen Pensionierung. Die Poststelle war zunächst im Haus der Witwe A. B. Löns (später Feldhege) an der Herzogstraße untergebracht. Am 01. Oktober 1864 zog die Post dann in das neuerbaute Haus des Postverwalters Cordes, das ebenfalls an der Herzogstraße stand. Im Herner Stadtarchiv ist die ausführliche "Zusammenstellung der Anstellungsbedingungen für Landbriefträger, welche den Versorgungsanspruch durch Dienstleistungen bei der Post erworben haben", die Hegler 1874 erhalten hat, im Original vorhanden.

Um seine finanzielle Situation zu verbessern, übernahm er eine Nebentätigkeit als "Agent" der Berliner Feuer-Versicherung "Adler". Es ging also nicht um geheimdienstliche Aufgaben sondern vielmehr um den Verkauf von Versicherungen. Im Jahre 1877 bestand Gustav Hegler die Prüfung als Schuhmachermeister. 1886 wurde er als Briefträger nach Wanne versetzt. Hier brachte er es bis zum Oberpostschaffner. 1906 schließlich wurde er pensioniert. Nach seiner Ruhestandssetzung zog er mit seiner Familie nach Herdecke an der Ruhr. Zuvor wohnten sie im Eckhaus Viktoria-/Fürsilienstraße, heute Haupt-/Martinistraße. Dieses Haus wurde später im Zuge der Begradigung der Hauptstraße abgerissen.



Annonce in der Eickeler Zeitung vom 30. Dezember 1876


Kirchliches Engagement

Gustav Hegler gründete am 16. November 1884 gemeinsam mit dem Kaufmann August Kalt, dem Knappschaftsältesten Friedrich Lennemann und dem Fahrhauer Gottfried Pankoke den Evangelischen Arbeiterverein Eickel 1884.

Heimatforscher und Schriftsteller

Seit etwa 1875 veröffentlichte Hegler Artikel in der Emscher-Zeitung, der Herner Zeitung und im Märkischen Sprecher. Im Jahre 1903 erschien sein erstes heimatkundliches Werk "Eickel-Wanne einst und jetzt. Geschichte der Gemeinden beider Ämter: Wanne, Röhlinghausen, Crange, Eickel und Holsterhausen sowie der Gemeinde Hordel". Dieses Buch wurde von der Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e. V. im Jahre 1981 als reprographischer Neudruck wieder veröffentlicht.
1910 erschien in der Siegener Zeitung "Das Volk" Heglers Erzählung "Der Harzwanderer und sein Freund", eine 42teilige Fortsetzungsreihe.
Ein Jahr später wurde in Wanne "Aus der Väter Tagen. Bilder zur Heimatkunde von Eickel-Wanne" gedruckt. Auch dieses Werk wurde von der Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e. V. neu aufgelegt und zwar im Jahr 1979 in einer Auflage von 1000 Exemplaren.
Ein Jahr nach Heglers Tod erschien im Jahrbuch des Vereins für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark, Jahrgang XXXI, Witten 1918, sein Aufsatz "Der Schulten Hof zu Eickel".

Heglers Reisen

Heglers Tagebuchaufzeichnungen seiner Reise nach Dahme 1899, Foto: Stadtarchiv Herne

Im Stadtarchiv sind Heglers Reisetagebücher erhalten, die einen Einblick in seine Reiselust ermöglichen. So hatte er 1898 eine Reise per Bahn und Schiff in die Schweiz unternommen. Er beschreibt nicht nur die Reiseroute selbst, sondern z. B. dass er auf einem Zwischenstopp in Mainz mit der Pferdebahn zur Herberge gebracht wurde, in der er übernachtete. Für den 04. Juli 1898 vermerkt er, dass er zufällig an einem katholischen Gottesdienst teilgenommen hatte.

Eine Bahnreise vom 04. bis 26. August 1899 führte ihn ins Ostseebad Dahme. In seinem Tagebuch steht u. a., dass er anlässlich eines Kirchgangs die Gottesdienstbesucher gezählt und sich beim Baden im Familienbad erfrischt hat. Er schildert die Zusammenkunft mit einem älteren Herrn, der ihm über das holländische Seebad Scheveningen berichtet und wie er sich entspannt hat, nämlich mit Schreiben von Ansichtskarten und Briefen, Lesen und der Ansicht eines mit einem Netz gefangenen Delphins von etwa einem Meter Länge und 40 Pfund Gewicht. In Dahme hat er Gespräche mit Dorfbewohnern geführt, dem Verleger Bouvet einen Brief geschrieben, Interesse an der Arbeit der Fischer gezeigt und eine Gedenktafel zur Erinnerung an die große Überschwemmung 1872 besichtigt. An einem Tag fühlte er sich morgens nach einer leidigen Nacht recht elend, wie er seinem Tagebuch anvertraute.

Im August 1900 führte eine Bahnreise Gustav Hegler ins holländische Nordseebad Katwijk. Er vermerkt in seinem Tagebuch, welche Preise bzw. Fahrpreise er zu entrichten hatte. So kostete damals die Anmietung eines ganzen Hauses pro Woche 20 Gulden. Er schreibt von seinen Strandbesuchen und dass er einen Strandkorb für 1 Gulden und 50 Cent pro Woche gemietet hat. Sein erstes Baden verursachte Schwindel im Kopf und etwas Atembeklemmung, aber das Herz blieb ruhig.
Von Katwijk aus macht er einen Abstecher nach Amsterdam um dort u. a. Schloss und Rijksmuseum zu besichtigen. An einem der Urlaubstage wanderte er zweieinhalb Stunden nach Scheveningen, wo er Zeuge einer Artillerieübung am Strand wurde. Das imposante Kurhaus von riesigem Umfang, die Landungsbrücke und der Pavillion haben ihn offensichtlich beeindruckt. Von Den Haag ist er dann mit der Staatseisenbahn zurück nach Katwijk gefahren. Dort nahm er am folgenden Tag an einem Gottesdienst teil, bei dem der Pfarrer über Psalm 37 predigte. Die Rückfahrt nach Wanne erfolgte über Leiden; dort besichtigte er Sternwarte, Botanischen Garten und Ethnologisches Museum.

Fälschungen und Irrtümer

Eduard Schulte, Stadtarchivar in Münster zu Zeiten des Ersten Weltkrieges

In dem Aufsatz "Moderne Fälschungen zur westfälischen Familiengeschichte", veröffentlicht 1928 in der Archivalischen Zeitschrift[1], wurde Gustav Hegler vom Münsteraner Stadtarchivar Eduard Schulte als ein rühriger Heimatkundler aber leichtgläubiger Dilettant bezeichnet.
Die Westfälische Rundschau vom 05. August 1967 fasste Eduard Schultes Erkenntnisse unter der Überschrift "Ermordeter" wurde noch zweimal Vater wie folgt zusammen:
Im Nachlass des Stadtarchivars von Münster, Dr. Eduard Schulte[2], der nach dem Ersten Weltkrieg in Wattenscheid amtierte und eine Vielzahl heimatkundlicher Bücher und Schriften herausgegeben hat, befinden sich umfangreiche Aufzeichnungen, mit wissenschaftlicher Gründlichkeit er- und ausgearbeitet, die viele Abhandlungen Wanne-Eickeler Heimatkundler ad absurdum führen. So ist es überraschend zu hören, dass der Verfasser der drei Heimatbücher über Wanne-Eickel, Gustav Hegler, an den auch eine Straße in Eickel erinnert, nach den Worten von Stadtarchivar Dr. Schulte zwar ein rühriger aber leichtgläubiger Dilettant war. Stadtarchivar Dr. Schulte sagt weiter über Hegler: "Briefträger Hegler ist einer großen Täuschung - um kein schärferes Wort zu gebrauchen - zum Opfer gefallen." Auf vielen Seiten der Aufzeichnungen nennt Dr. Schulte mehrere in unserer Heimat ansässige Familien, die hier nicht genannt werden können.
Die Korrekturen in den drei Heimatbüchern, die sich mit der Geschichte Wanne-Eickels befassen, "Aus der Väter Tagen", "Der Schultenhof zu Eickel" von Gustav Hegler und "Im Herzen des Ruhrlandes" von Greasreiner, sind noch nicht vorgenommen.
Folgendes widerlegt Dr. Schulte: Ein "Haus Bickern" hat es nicht gegeben. Gut Bickern war niemals ein uraltes Freigut. Vielmehr waren die Höfe Bickern Unterhöfe der Essener Oberhöfe Nienhausen und Ueckendorf.
Falsch ist ferner die Behauptung, die Familie von Bickern habe dem ritterbürtigen Geschlecht und dem Landtag angehört. Richtig ist: Die Hofesinhaber waren schon vor Bildung des märkischen Landtages Essener Hörige und haben niemals zum Adel, immer aber dem Bauernstand angehört. Erwähnt wird in den Wanne-Eickeler Heimatbüchern auch, dass einige der "Adeligen von Bickern" in der alten Hauskapelle auf dem Gut Bickern beigesetzt sind. Dr. Schulte sagt dazu: Kein Forscher, kein Buch, keine Urkunde; selbst die Pastöre zu Eickel, zu deren Kirchspiel Bickern gehörte, wussten zu sagen, wo die Kapelle stand. (Auf dem Gelände des ehemaligen Wilhelm-Hofes wurde nach dem Kriege die große Pluto-Siedlung erbaut. Spuren einer Kapelle fand man nicht. Die Red.)
Angeblich originale Schriftstücke und Siegel, die in diesem Zusammenhang beigebracht wurden, werden vom Stadtarchivar als unecht bezeichnet. Ein "Heinrich von Bickern" soll Pfingsten 1763 im Bickernwald, der an der Wilhelmstraße lag, ermordet worden sein. Dr. Schulte erforschte aber: Der Ermordete wurde drei Jahre später konfirmiert und nach seinem Tode zweimal Vater. Der "Ermordete" bezeichnete sich bei den Kirchenbucheintragungen als schlichter Bauer, aber nicht als "Junker". Er lebte noch bis 1780.

Zehn Tage später, am 15. August 1967, war in den Ruhrnachrichten zu lesen, dass ein Ritter Tabor nie existiert hat und Gustav Hegler, der in seinen drei Heimatbüchern die Existenz eben jenes Tabor von Eickel als einen germanischen Helden beschrieb, widerlegt sei.

Aber selbst wenn Gustav Hegler manch Schwindelei aufsaß oder geschichtliche Zusammenhänge falsch deutete, bleibt sein Verdienst unbestritten. Gustav Hegler hat seiner Nachwelt wichtige heimatkundliche Detailerkenntnisse überliefert. Damit vermittelt er heute noch einen guten Einblick in die vor- und frühindustriellen Phasen der Region.

Erinnerung an Gustav Hegler

Gedenkstein für Gustav Hegler, 2017

Am 23. Oktober 1952 enthüllte die Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e. V. auf dem Evangelischen Friedhof an der Richard-Wagner-Straße einen Gedenkstein des Bildhauers Alois Gockel mit folgendem Text:

Heimatforscher

Gustav Hegler

1853 – 1917

Gleichzeitig fand eine Hegler-Gedenkfeier mit Vorträgen von Lehrer Wilhelm Köhlhoff aus Herten und dem Wanne-Eickeler Stadtarchivar Dietrich Rodenbeck statt.

Die Straßenbenennung "Gustav-Hegler-Ring" am 03. Dezember 1953 durch den Rat der Stadt Wanne-Eickel erfolgte auf Vorschlag der Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e. V. Der Vorschlag des Heimatforschers Heinrich Lührig, auf dem Eickeler Markt ein Gustav-Hegler-Denkmal zu errichten, wurde nicht realisiert.


Dieser Artikel basiert auf einen Text aus dem Stadtarchiv, verfasst von Manfred Hildebrandt, Stadtarchivar a. D., erstveröffentlicht 1995 im Emscherbrücher[3].
Der Text wurde überarbeitet und ergänzt. Insbesondere wurde er mit dem neuen Kapitel "Fälschungen und Irrtümer" erweitert.

Verwandte Artikel

Quellen

  1. Eduard Schulte: Moderne Fälschungen zur westfälischen Familiengeschichte, In: Archivalische Zeitung, München u. a., Kleine Mitteilungen, Band 37/1928 (Beiheft), hrsg. vom Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München, Seiten 266 - 269
  2. Teile des Nachlasses von Eduard Schulte verwahrt das Stadtarchiv Herne.
  3. Manfred Hildebrandt: Gustav Hegler - ein tiefschürfender Heimatforscher, In: Der Emscherbrücher, herausgegeben von der Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e. V., Herne 1995, Seiten 15 - 19