Gerd Schug und die `vergessenen Kumpels`

Gerd Schug bei einem Gespräch mit Friedhelm Wessel im Februar 2017. Er war lange Jahre als Fördermaschinist auf der Zeche Friedrich der Große tätig. [1]

„Nur einmal in meiner langen Berufslaufbahn passierte mir ein Mißgeschick“, erzählt der wohl letzte Fördermaschinist der ehemaligen Zeche Friedrich der Große, Gerd Schug, der auch heute noch in „Schachtnähe“ in Elpeshof lebt. „Doch mir wurde damals, es war eine Sonderschicht, gemeldet: es sind keine Kumpels mehr in der Grube. Also machte ich Feierabend und ging nach Hause. Wenig später holte man mich wieder zum Pütt, denn eine Mannschaft, die an Schacht 6 eingefahren war und wollte, ohne davon jemanden in Kenntnis zu setzen, nach Feierabend an Schacht 4 wieder ausfahren. Doch diese Maschine war nicht mehr besetzt. Nun wurde viel telefoniert, und mich holt man wieder zurück zum Pütt. Am anderen Tag musste ich mich daher bei Betriebsführer Jochen Schmiedel melden, der aber kein Vergehen meinerseits sah“, berichtet der 1931 in Herne geborene langjährige Fördermaschinist.

Ausbildung zum Mechaniker

Zunächst absolvierte Gerd Schug, der aus einer „Fördermaschinisten-Dynastie“ stammt, ab 1948 eine Ausbildung zum Mechaniker, um dann 1956 als Schlosser im Übertragebetrieb von 'Piepenfritz' anzulegen. Wenig später meldete er sich zu einer Eignungsprüfung beim zuständigen Bergamt in Bochum an. Schug bestand und trat so 1957 seine mehrmonatige Ausbildung zum Fördermaschinisten an. Doch das war alles nicht so einfach, denn nun ging es erstmal an und in den den Schacht: Er verbrachte jeweils zwei Monate als Anschläger an der Hängebank und am Füllort auf der 5. Sohle, bevor er den Schachthauern zugeteilt wurde.

Dünnes Zeug

„Ich, im dünnen Arbeitszeug in einem einziehenden, kalten Schacht, meine Güte, was habe ich am ersten Tag gefroren“, berichtet Schug weiter. Danach lernte er nach und nach alle dampfgetriebenen Fördermaschinen von Schacht 3, Schacht 4, Schacht 5 und später auch die moderne Technik an Schacht 6 kennen.

„An Schacht 4 gab es neben der Hauptförderung noch eine Nebenförderung. Die nannten wir die lange Minna, weil auf jede Etage des Förderkorbes nur ein Wagen passte“, erinnert sich Schug. Die mächtigen Maschinen wurden mit Dampf angetrieben. „Der Druck betrug 12 Atü, damit erreichten wir eine Fördergeschwindigkeit von 12 Meter pro Sekunde bei der Kohlenförderung und sechs Meter bei der Seilfahrt“, betonte Schug, der heute 81-Jährige langjährige Maschinenführer.

Hännes Adamik als „Putzer”

„Die Entladung und Befüllung des 23 Tonnen fassenden Skipgefäßes am modernen Schacht 6 dauerte jeweils nur wenige Sekunden“, unterstreicht Schug, der später noch Maschinen auf der Schachtanlage Mont-Cenis, wo ihm SVS-Fußball-Legende Hännes Adamik als „Putzer“ zugeteilt war, und etlichen Haardt-Schächten seinen Wechselschichtdienst verrichtete. Am 26. Dezember 1987 hieß es für den letzten „Piepenfritz-Fördermaschinisten“ in der Haardt aber zum letztem Mal offiziell „Ende der Seilfahrt“.

Dynastie Schug

Mit seinem Vetter, dem Herner Hobby-Historiker Gerd. E. Schug, dessen Vorfahren ebenfalls ab 1908 FdG-Fördermaschinen bediente, tauscht er sich gerne aus. Gerd. E. Schug: „70 Jahre lang hat immer ein Schug die Fördermaschinen von Schacht 3 und 4 bedient. Darauf können wir stolz sein“.

Gewohnt haben die Schugs natürlich immer in Schachtnähe, so im Bereich der oberen Von-Waldthausen-Straße. Begonnen hat aber alles mit dem Handwerker Anton Schug aus Horhausen im Westerwald, der 20 Jahre lang auf „Piepenfritz“ malochte. Der Hobby-Historiker, der in Börnig lebt, lacht: „450 Jahre haben die Schugs von 1908 bis zur Zechenschließung im Jahre 1978 auf Friedrich der Große gearbeitet. Es ist eigentlich unser Pütt gewesen“. [2] [3]


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Einzelnachweise

  1. Foto: Friedhelm Wessel
  2. Ein Artikel von Friedhelm Wessel
  3. Auch erschienen in den Sonntagsnachrichten, Nr. 11, Sonntag, 12. März 2017