Gaststätte „Zum Alten Fritz“ war früher eine Zollstation (WAZ 10.10.2014)

Stadtteilreport WAZ 2014

Gaststätte „Zum Alten Fritz“ war früher eine Zollstation
Quelle: Gerd Biedermann 2016

Wanne. Gefühlt liegt das Haus in Holsterhausen, aber folgt man den offiziellen Grenzziehungen der Stadt Herne, liegt es eben doch noch so gerade in Wanne-Süd: das Gasthaus „Zum Alten Fritz“. Das Fachwerkgebäude zählt zu den ältesten noch erhaltenen Bauwerken der Stadt.

Gefühlt liegt das Haus in Holsterhausen, aber folgt man den offiziellen Grenzziehungen der Stadt Herne, liegt es eben doch noch - weil die Grenze in der Mitte der Dorstener Straße verläuft - so gerade in Wanne-Süd: das Gasthaus „Zum Alten Fritz“. Das Fachwerkgebäude zählt zu den ältesten noch erhaltenen Bauwerken der Stadt.

Doch wie schon bei der Lage: Ein Missverständnis kommt selten allein. So sehen Gäste im Giebel die Inschrift Anno 1775. Doch dabei handelt es sich zumindest nicht um das Jahr, in dem das Haus in Wanne errichtet wurde. Laut der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Herne wurde es in jenem Jahr in Gladbeck gebaut und im 19. Jahrhundert versetzt. Die Inschrift eines Balkens zeigt die Jahreszahl 1839. Ein Haus ab- und an anderer Stelle wieder aufbauen? Zu jener Zeit? Den Denkmalschützern ist ein solches Vorgehen zumindest nicht unbekannt, sie halten die vorhandenen Quellen für glaubwürdig. Und die Inschriften in den Balken könnten ein Indiz dafür sein, dass die Balken vor der Demontage nummeriert wurden.

Kommen wir zum dritten Missverständnis: Zwar lockt das Gasthaus mit dem Namen „Zum Alten Fritz“ seine Gäste - und der Preußenkönig grüßt auch von der Fassade, doch die Namensnennung geht wohl auf Friedrich Schlenkhoff zurück, der das Haus bewirtschaftete. „Die Leute haben dann gesagt, wir gehen zum alten Fritz“, erzählt die heutige Besitzerin Sabine Krekeler.

Doch das Haus war in früheren Zeiten nicht nur eine einfache Gaststube. Da es auf der Strecke des Gahlenschen Kohlenwegs lag [...], diente es auch als Poststation und bot Übernachtungsmöglichkeiten. Und es ist der älteste Zeuge der Zollstationen auf dem Weg. Fuhrleute mussten an diesen Stationen Zölle bezahlen, die sich nach der Höhe der Last richteten. Die Fuhrleute schätzten die Wirtshäuser wegen des Angebots: In der vergleichbaren Lönsmühle gab es für 75 Pfennige ein Abendbrot, belegte Brote am nächsten Morgen und einen Stall für die Pferde. Noch heute kann man den Balken erkennen, an dem die Pferde angebunden waren, ebenso wie das Scheunentor.

Seit 2005 unter Denkmalschutz

Missverständnis Nummer vier: Das Haus steht seit ewigen Zeiten unter Denkmalschutz. Eben nicht. Erst 2005 nahm es die Stadt Herne in die Liste auf. Das Haupthaus mit seinem Fachwerk und weiteren Details erachteten die Experten als denkmalwürdig.

Sabine Krekeler und ihr Mann Renée sind sich der langen Historie des Hauses bewusst und pflegen es entsprechend. In der Gaststube finden sich nicht nur alte Ansichten des Hauses, beide haben weitere Dinge gesammelt, die selbst eine Geschichte haben. Etwa den schmiedeeisernen Herd, der aus der Herner Herdfabrik stammt. Oder eine Musikbox mit Hits der späten 60er. Musik kommt auch aus dem alten Dampfradio des Modells Nordmende Tannhäuser. Den Gästen vermittelt sich so eine gutbürgerliche Gemütlichkeit.

Die soll in Zukunft noch frischer strahlen. Nachdem Renée Krekeler bereits die Frontseite des Hauses renoviert hat, soll in den nächsten Monaten die Nordseite folgen.

Tobias Bolsmann [1]

Gaststätte „Zum Alten Fritz“ war früher eine Zollstation [2]

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Quellen