Filmkarriere scheiterte an einem Objektivdeckel

Aus Hün un Perdün
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Im Laufe meines journalistischen Berufslebens habe ich so manchen Promi abgelichtet. Dabei fing eigentlich alles ganz harmlos an. In der Redaktion der Herner „Ruhr Nachrichten“, die sich damals in der ersten Etage der damaligen Druckerei Koethers & Röttsches an der Bebelstraße befand, lernte ich Alf Hubert Rolla kennen, der als freier Mitarbeiter für die Lokalausgabe schrieb. Er kam auf die Idee: Samstag den jungen Lesern etwas aus dem Bereich Show und Musik anzubieten. Lokalchef Heinz Kurtzbach stimmte zu. Doch in Herne gab es kaum entsprechende Termine, also klapperten Alf und ich meist Veranstaltungsorte in der nähren Umgebung ab: Festspielhaus Recklinghausen, Ruhrlandhalle Bochum und die Westfallenhalle in Dortmund.

Den Promis auf den Leib zu rücken, war damals echt einfach. „Presse“ — diese Aussage genügte, und man öffnete uns die Türen. Dieter Thomas Heck, Max Greger und Roberto Blanco waren unsere ersten Interviewpartner. Alles lief nach Plan. Doch ich wollte mehr, legte mir eine Filmkamera zu, eine Gebrauchte. Es war ein schweres, russisches 16-Millimeter-Modell. Ich nahm diese Kamera, nachdem ich mich mit zwei Rollen á 30 Meter SW-Film eingedeckt hatte, nach Dortmund mit, wo 1970 in der Westfalenhalle die Löwenverleihung von RTL anstand. Auch der Herner Sänger Jürgen Marcus hatte dort einen Auftritt, seinen ersten Löwen sollte er jdoch erst ein paar Verleihungen später in Empfang nehmen.

Alf und ich waren also auf Löwenjagd. Ich fotografierte während der Proben, während mein Kollege nach entsprechenden Interviewpartnern Ausschau hielt. In diesem Jahr war Miguel Rios der Gewinner des Goldenen Löwen. Das Begleitorchester wurde von seinem berühmten Onkel Valdo dirgiert, der vor dem Auftritt von der Bühne herabstieg, um mich zu kontaktieren. Er fragte, ob ich ihm entsprechende Filmaufnahmen von den Proben und vom Auftritt seines Neffen, der ab 1969 mit „Song of Joy“ die internationalen Charts stürmte, liefern könnte. Ich sagte zu, steckte die Karte mit der Kontaktadresse ein und machte mich ans Werk: Ich fotografierte und filmte abwechselnd, denn so eine Probe zog sich ja hin.

Die Fotoaufnahmen gelangten, weil ich ja über eine moderne Spiegelreflexkamera verfügte, nur die „Russin“ spielte mir einen Streich. Weil es eine „Sucherkamera“ war, hatte ich während des Filmvorganges gar nicht bemerkt, dass ein schwarzes Deckel das wichtige Objektiv bedeckte. Erst als der Auftritt des Stars beendet war, und ich meine schweißtreibende Arbeit beendet hatte, bemerkte ich den peinlichen Zwischenfall. Ließ mir aber nichts anmerken. Die Aufnahmen am eigentlichen Tag der Löwenverleihung zu wiederholen, war mir peinlich, warf also die Visitenkarte des berühmten Orchesterchefs in den Papierkorb und widmete mich an diesem Abend lieber meiner Familie.

Doch in den folgenden Jahren tauchten Alf und ich noch sehr oft bei den RTL-Löwen in Dortmund und Essen auf, denn unser Jürgen Marcus räumte ganz schön ab. Die Karriere von Jürgen Marcus, der ja im Bereich der heutigen Glockenstraße aufwuchs, habe ich in den Anfangsjahren oft begleitet. So war ich hoch erfreut, als ein Foto, das den Herner Sänger inmitten eines Fanbbriefberges zeigt, erstmals von einer überregionalen Zeitung abgedruckt wurde.

Die Liste der Promis, die ich inzwischen abgelichtet habe, ist recht lang. Dazu gehören Künstler, Politiker, Schauspieler, Regisseure, Sportler und sogar Papst Johannes Paul II. Hinzu kommen unzählige „Ruhris“ die mir für kleine oder große Geschichte aus dem Revier vor einem geöffneten Objektiv (meist sehr) gerne Rede und Antwort standen. [1]


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Einzelnachweise

  1. Ein Artikel von Friedhelm Wessel