Einheitsgewerkschaft im KZ und Gefängnis geboren

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Am 10. April 1945 war der Krieg in Herne und Wanne-Eickel beendet
Noch im März 1945 wurden Herner Antifaschisten von den Nazis ermordet

Die Anfänge der Herner Arbeiter-und Gewerkschaftsbewegung gehen zurück bis ins Jahr 1878 , als das >Sozialistengesetz< erlassen wurde. Damals wurde ein erster sozialdemokratischer >Gewerkverein< gegründet der bereits in seiner Geburtsstunde in eine bis 1890 andauernde Illegalität abgedrängt wurde. Aber die 12-jährigen Repressalien und Schikanen der Gründerzeit stehen in keinem Verhältnis zum ebenfalls 12 Jahre andauernden Vernichtungsfeldzug der Nazis von 1933 bis 1945. Eine wichtige Schlußfolgerung aus der Spaltung der Arbeiterbewegung und der Existenz von Richtungsgewerkschaften und zahlreichen Berufsverbänden vor 1933 war die Gründung der Einheitsgewerkschaft. Ihr Fundament wurde in den Gefängnissen und Konzentrationslagern der Nazis geschaffen.

Herner Industriearbeiter lehnten die Nazis mehrheitlich ab

In den April-Tagen des Jahres 1945 wurde die Herner Arbeiterbewegung vom Martyrium der faschistischen Terrorherrschaft befreit. Die Gewerkschaften und die Arbeiterparteien SPD und KPD waren bis dahin verboten, nicht wenige ihrer Funktionäre in Zuchthäusern und Konzentrationslagern eingekerkert oder in der Emigration. Manche waren zu den braunen Todfeinden übergelaufen, viele befanden sich in Kriegsgefangenschaft oder versuchten passiv und resigniert einfach nur zu überleben und ihre Familien durchzubringen. Gleichwohl bleibt festzuhalten, dass die Industriearbeiter und unter ihnen nicht zuletzt die Bergleute die soziale Schicht in Wanne-Eickel und Herne bildeten, die dem NS-Regime noch am ehesten mit skeptischer Distanz gegenüberstand und nicht zu den aktiven Trägern der Nazi-Ideologie zählten. [1]

Bereits vor 1933 richtete sich der Straßenterror gegen stadtbekannte Gewerkschafter wie den Vorsitzenden des Herner Gemeindearbeiterverbandes (einer der Vorläufer-organisationen von ÖTV/ver.di) Ernst Radeke, den Sekretär des Metallarbeiterverbandes (DMV) Karl Zapp, den Geschäftsführer des Bergarbeiterverbandes und der Herner SPD Karl Hölkeskamp sowie aktive Betriebsräte, die nach der Machtübertragung auf die Faschisten im Januar 1933 von SA-Horden brutal misshandelt und in großer Zahl in die ersten, noch behelfsmäßigen Konzentrationslager verschleppt wurden. Weitere profilierte Politiker der örtlichen Arbeiterbewegung wie der Reichstagsabgeordnete der KPD Ewald Kaiser oder der kommunistische Stadtverordnete Otto Kuhn konnten sich nur durch abenteuerliche Flucht zunächst der Verhaftung entziehen. [2]

Später wurde auch Ewald Kaiser von der Gestapo gefasst und bis 1945 im Konzentrationslager Sachensenhausen eingekerkert. Nach der Evakuierung des Lagers überlebte er den Todesmarsch der KZ-Häftlinge nach Schwerin, kehrte im Juli 1945 nach Herne zurück und nahm sofort wieder seine politische Arbeit u.a. als Herner Abgeordneter des ersten – ernannten - Landtags von NRW auf. [3] [4]

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Einzelnachweise

  1. Bewährungsprobe / S. 341
  2. Herne u. Wanne-Eickel im Jahre 1933 / Machtergreifung, Verfolgung u. Widerstand / VVN-Herne / Michael Clarke / Frank Braßel / 1983 / S. 39
  3. Streiflichter aus dem Leben eines Kommunisten / Franz Ahrens über Max Reimann / Blinkfuer-Verlag / Hamburg / 1968 / S. 112/114
  4. Ein Artikel von Norbert Arndt