Ein Nachtrag zur Herner Postgeschichte

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Von Karl Brandt

Ein Nachtrag zur Herner Postgeschichte

Im letzten Heft von „Herne unsere Stadt" hat Stadtarchivar Dietrich Hildebrand eine übersicht über die Herner Postgeschichte gegeben. Eine solche Darstellung war in Herne schon längst erwünscht und sie ist, wie auch die Jubiläumsschrift der Sparkasse, ein wichtiger Beitrag zur jüngsten Geschichte Hernes. — Was wäre alles oder nicht ohne die Post!!

Besonders wertvoll ist dieser Beitrag, weil der Verfasser als Archivar nüchtern lediglich aus den Quellen schöpft und der Redaktion immer daran gelegen ist, originale Quellen zu erschließen — und danach erst Bericht, Erzählung sowie Rückschlüsse in der Darstellung zu Wort kommen zu lassen. Solche Arbeiten sind dann auch wohlfundiert, bringen das Wissen um die Dinge weiter, und darauf kommt es an.

Ich selbst meine, schon solange seine ersten Arbeiten hier veröffentlicht wurden, der Stadtarchivar sollte zu allen Gebieten, die er aus Archivalien und sonstigen Drucken sicher erschließen kann, in Einzeldarstellungen wenigstens „Bausteine" zu einer späteren Gesamtdarstellung der Geschichte Hernes zusammentragen. Andere, die auf irgendeinem Spezial- oder Teilgebiet besonders sachkundig sind, sollten Gleiches tun. „Herne unsere Stadt" bietet vorerst die beste Möglichkeit der Veröffentlichung und Sicherung.

Doch nun zum eingangs angesprochenen Anliegen: Einige postalische Belege von ziemlicher Seltenheit kann ich nachträglich zur Arbeit von Stadtarchivar Hildebrand beisteuern — selten, wertvoll und vor allem wichtig deshalb, weil sie mit der Herner Postgeschichte zu tun haben. Zunächst sei ein Briefumschlag aus der Zeit gezeigt, in der es noch keine Briefmarken gab, also um 1850. Dieser Briefumschlag ist aus einem Bogen Papier vom Schreiber selbst zusammengefaltet worden. Erst später kamen die käuflichen fertigen Briefumschläge auf. Manchmal wurde auch der Brief selbst zu einem Umschlag gefaltet, wobei natürlich der SchriftInhalt nach innen kam. Unser Umschlag stammt aus dem Jahre 1852. Aus den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts besitze ich noch weitere Briefe, die ich zur Zeit kurz nach meinem Umzug, nicht finden kann. Darunter sind auch solche von Hernern, die nach Amerika auswanderten.

Weiter zeige ich eine Postkarte, eine Correspondenz-Karte, aus dem Jahre 1871, die eigens die große Bezeichnung „Norddeutsches Postgebiet" trägt.

Auf der Karte steht als Anschrift „An Frau Landrath von Forell Hochwohlgeboren auf Strünkede bei Herne". Der Poststempel lautet „Meinberg 1 7 1871" (bedeutet: 1. Juli 1871). Leider ist die Briefmarke nichts mehr auf der Postkarte vorhanden. Absender war der Landrat Friedrich von Forell, und jedermann darf wissen, was er damals an seine Frau schrieb:

Buchstabengetreue Wiedergabe:
„Meinberg, Fürstentum Lippe-Detmold 1. 7. 71 nm (= nachmittags) 4 U. (= 4 Uhr) Hotel zur Rose
Liebe Frau!
Heute Morgen 11 Uhr in bestem Wohlsein hier eingetroffen Bin in allen Beziehungen zufrieden und beginne morgen Früh 6 Uhr meine Trink und um 9 Uhr meine Badekur. Montag brieflich ein Näheres.
Herzliche Grüße
Dein Dich liebender Mann
Fr. von Forell Kgl. Landrath."

Aus dem Jahre 1875 kann ich sodann einen regelrechten gekauften, industriell hergestellten, kleineren B r i e f u m s c h l a g zeigen, auf dem noch die alte Zehn-Pfennig-Briefmarke mit Poststempel Herne erhalten ist. Irgendein Herner Bürger hat sich damals auf ein Chiffre-Inserat (L 0. 26) in der Kölnischen Zeitung, Köln, gemeldet. Bezeichnend ist, daß auf allen damaligen Briefumschlägen unten links noch „Frei" oder „Fr." geschrieben steht.

Übrigens sind Briefe, Postkarten und Umschläge noch mit dem Federkiel geschrieben worden. — Wissen Sie, liebe Leser, dass der Magistrat von Berlin noch 1900 in seinem Etat 300 Reichstaler für den Ankauf von Federkielen bereitstellte? Bei dem Amt und der späteren Stadt Herne (ab 1897) wird man wohl auch noch bis um 1900 mit Federkielen geschrieben haben, obwohl schon die Stahlfeder bekannt war.

Wenn man früher Geld mit der Post übersenden wollte, so diente dazu ein Formular, wie es unsere Abbildung zeigt. Danach hat am 20. Oktober 1868 ein Herner 45 Reichstaler an Herrn Heinrich Muckenheim in Bärendorf bei Bochum geschickt. Bärendorf ist heute ein Stadtteil von Bochum, er grenzt an Bochum-Weitmar. Das Geld wurde auf der Post in Herne eingezahlt. Das Porto betrug, bar gezahlt, 2 Silbergroschen. Zum Schluss möchte ich noch eine Postkarte von 1907 zeigen, die anlässlich des 11. Stiftungsfestes der Postunterbeamten im OPD. Dortmund und des 10. Stiftungsfestes des Postunterbeamten-Vereins Herne am 8. Juli 1906 ausgegeben wurde. Man beachte, Postunterbeamten! (Heute gibt es ja allenthalben nur noch Ober- und möglichst Superbeamte . . .). Rechts auf der Karte sieht man vom Bahnübergang aus das damalige Kaiserliche Postamt Ecke Bahnhof- und Fabrikstraße (siehe Heft 5 / 1966, Seite 5). Es ist dabei interessant, mit welcher Unbekümmertheit die Post-„Behörde" auf der vom Postkunden für seine eigenen Mitteilungen gekauften Karte damals den größten Raum für ihre „Werbung" in Anspruch nahm und dem „Untertanen" nur einen geringen Raum für seinen Text ließ. — Immerhin ist heute auch deshalb eine solche Karte ein Zeitdokument. [1]

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Quellen

  1. Karl Brandt Herne - unsere Stadt - Januar/Februar 1967, Nr. 1, 1967