Die Oelmühle Funkenberg II

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Von Leo Reiners

Die Oelmühle Funkenberg

Übergang zur großen Dampfmühle – Gründung und Entwicklung der weit über Herne hinausreichenden Dampfmühlen – Handlungs – Kommanditgesellschaft

Erwerb durch Heinrich Schlenkhoff

II.

Ein völlig neuer Abschnitt begann für die Funkenbergische Mühle im Jahre 1857. In diesem Jahre wurde die Mühle zu einem industriellen Großbetrieb. Weusthoff verkaufte sie nämlich an die „Herner Dampfmühlen – Handlungs – Kommanditgesellschaft“, die am 22. Mai 1857 beim Wirt Bernhard Werminghoff in Herne gegründet wurde. Bei der Gründung waren anwesend außer dem Gerichtsdeputierten Kreisgerichtsrat Bauer:
Der Kanzleidirektor Franz von Lothum aus Bochum, der blinde Ökonom Karl Schmieding aus Dortmund, der Rechtsanwalt und Notar Gustav Köppelmann aus Duisburg, der Bankier Louis Endris aus Düsseldorf und der Kaufmann Gustav Müller aus Lünen.
Nach den in dieser Sitzung genehmigten Statuten bezweckte die neue Gesellschaft den Mühlenbetrieb für Frucht, die Herstellung von Mehl und Mehlfabrikaten aller Art und die zu diesem Zweck nötigen Anlagen. Das Gesellschaftskapital wurde auf 85.000 Taler (!) festgesetzt, das durch Begebung von Aktien zu je 200 Taler aufgebracht werden sollte.

Die Gesellschaft galt als konstituiert, sobald 65.000 Taler gezeichnet waren. Die Ausgabe der ferneren 20.000 Taler blieb dem Verwaltungsrat überlassen. Die allein verantwortliche Geschäftsführung sollte in der Hand eines Garanten, der von einem aus fünf Gesellschaftern bestehenden Verwaltungsrat benannt wurde, liegen. Dieser Garant musste mit wenigstens 3000 Talern ( = 15 Aktien) an der Gesellschaft beteiligt sein, die Mitglieder des von der Generalversammlung gewählten Verwaltungsrates mit wenigstens zehn Aktien. Diese Aktien mussten als Kaution hinterlegt werden. Die Firma sollte auf den Namen des Garanten mit dem Zusatz "et Comp." lauten.

Den ersten Verwaltungsrat bildeten Franz von Lothum, Karl Schmieding, Gustav Köppelmann, Louis Endris und Gustav Müller. Der letztere war auch der Garant. An seine Stelle trat noch im gleichen Jahr Eduard Römer aus Herne, dem 1859 der Landgerichtsreferendar Gottlieb Neumann aus Düsseldorf folgte. Auch dieser übte sein Amt nicht lange aus. Schon nach einem halben Jahr legte er seinen Posten nieder, worauf der Gutsbesitzer und Kaufmann Heinrich Schlenkhoff gt. Dux, zum Garanten der Gesellschaft bestellt wurde. Seitdem hieß die Firma Heinrich Schlenkhoff und Comp.

Auf den Namen Heinrich Schlenkhoff wurden auch die Grundstücke und Gebäude statutengemäß eingetragen.

In den Verwaltungsrat war inzwischen für den Bankier Louis Endris der Hauptmann a. D. Louis Brockhoff aus Essen[Anm. 1], für Köppelmann der Kaufmann Heinrich Fischer aus Essen eingezogen. Wer sonst noch zu den Aktionären gehörte, geht aus einem Generalversammlungsprotokoll von 1858 hervor, in dem außer dem genannten Verwaltungsrat einschließlich Garant aufgeführt werden:

W. Sprick, J. Jansen Sohn, August Mettegang, B. Klüsener. Heinrich Schmidt, Ottomar Nöthe[Anm. 2], Friedrich Wilhelm Hülsmann, H. Weusthoff, H. Wormland, B. Weusthoff, B. Köster, Gottfried Deibel, Franz Jacobi, Friedrich Lueg, W. Gruthoff, W. Sassenhoff und als nicht erschienen H. Schmidt und J. Kurz.

Am gleichen Tage an dem beim Wirt Werminghoff die Gründung zustande kam, wurde an gleicher Stelle der Kaufvertrag mit dem bisherigen Besitzer der Mühle, dem Müller Georg Weusthoff, vollzogen. Er verkaufte danach seine Gebäude und Grundstücke, Wassergefälle und Rechte sowie das Mühleninventar und "die in der Mühle befindliche Dampfmaschine" für 15.500 Taler preuß. Courant. Es standen zwar noch einige Hypotheken auf dem Besitztum, aber Weusthoff bekam doch 13.250 Taler heraus. Die Gebäude, die die Gesellschaft übernahm, waren die alte Funkenbergsche Ölmühle, das alte Funkenbergsche Wohnhaus und das von Weusthoff gebaute kleine Ökonomiegebäude. Zunächst wurde die Ölmühle zu drei Mahlgängen "umgewandelt bzw. vervollständigt", dann wurde eine neue Dampf - Fruchtmahlmühle mit zwölf Mahlgängen erbaut und das Ökonomiegebäude in ein Wohnhaus umgewandelt.

Nach einem Antrag Schlenkhoffs auf Umschreibung des Besitztitels auf seinen Namen war am 12. Januar 1859 die neue Dampfmühle mit Maschinen so weit fertig gestellt, dass nur noch das schon vorhandene Triebwerk zusammengesetzt zu werden brauchte. Schon Weusthoff hatte aus der alten Ölmühle eine Mühle mit Korn- und Ölmühlengetriebe, mit Wasser und Dampfantrieb gemacht, jetzt wurde also daneben ein industrieller Dampf- Fruchtmühlenbetrieb errichtet.

An dieser Stelle ist es notwendig, etwas über die

Lage der Gebäude und des Mühlenteiches

zu sagen. Was zunächst den Teich anbelangt, der ein großes, nur im Nordosten nicht vollständiges Viereck bildete - die Längsseiten waren 130 und 150 Meter, die Schmalseiten 90 und 115 Meter lang, die Wasserfläche 15 und an den breitesten Stellen 27 Meter breit- so lag seine Westecke dicht hinter dem alten Hotel Schmitz - es ist das Haus südlich neben dem jetzigen - seine Südecke rückte auf 40 Meter an die Fabrikstraße heran, seine Ostecke näherte sich auf 55 Meter der Baumstraße und seine Nordecke auf 70 Meter der Friedrichstraße (diese Straßen bestanden allerdings bis vor einigen Jahrzehnten noch nicht.) Gespeist wurde der Teich vom Ostbach, der in der Mitte der südöstlichen Schmalseite einfloss und an der Nordecke den Teich wieder verließ. Allerdings wird schon 1818 ein Umflutgraben erwähnt, (in den Karten erscheint er erst bei der Vermessung 1877). Er zweigte südlich der Bahnlinie (im Bereich des heutigen Sägewerks Schlenkhoff an der Mühlenstraße) ab, lief ein Stück durch die jetzige Baumstraße und bog dann parallel zum Mühlenteich nach Nordwesten ab. Zwischen Ölmühle und Wohnhaus hindurch erreichte er wieder den Ostbach unterhalb der Mühle. Auf diese Weise wurde bei schweren Regengüssen die Möglichkeit geschaffen, das Wasser des Baches an dem Teich vorbei zu leiten.

An der Nordecke des Teiches lag die Mühle. Diese bildete den mittleren Teil des gegenwärtig völlig zu Wohnungen umgebauten Wohn- Lagerhaus und Stallgebäudes. Zu dem man von der Friedrichstraße aus durch ein Eisentörchen (18 b steht daran) und einen etwa 60 Meter langen Gartenweg gelangt und das auch von der Straßenecke der Waschanstalt aus im Hintergrund sichtbar ist, wobei man gleich vor sich das alte Bett des Baches sieht, der einst hier unter der Friedrichstraße her zur Dornstraße lief. Die Grundstücke, die westlich dieses Teiles des Ostbaches bis zur Bahnhofstraße lagen, gehörten nicht zur Mühle. Sie waren seit der Versteigerung der "Koppenburg" im Jahre 1811 Eigentum von Schlenkhoff gt. Dux und kamen erst dadurch, dass Heinrich Schlenkhoff Besitzer der Mühle wurde, in seinen Besitz. Das alte Funkenbergsche Wohnhaus lag in nordöstlicher Richtung 17 Meter von der Mühle entfernt, es ist später als Kontor benutzt und 1897 abgebrochen worden. Das Weusthoffsche Ökonomiegebäude, das zum Wohnhaus umgestaltet wurde, ist indes noch erhalten. Es dient, nachdem es 1902 durch einen Anbau nach Osten verlängert worden ist, noch heute dem Kaufmann Ludwig Schlenkhoff als Wohnhaus. Die Dampfmühle der "Dampfmühlen - Handlungs - Kommanditgesellschaft", die 1858 erbaut wurde, steht ebenfalls noch. Es ist das hohe Backsteingebäude an der Friedrichstraße, dass 1898 zur Schlenkhoffschen Dampfwaschanstalt umgestaltet wurde und 1933 im Innern zu der vorhandene Waschanstalt (jetzt Damm) auch noch Wohnungen erhielt.

Doch kehren wir nunmehr zu unserer "Dampfmühlen- Handlungs- Kommanditgesellschaft" zurück. Trotz des großzügigen Anfangs scheint die Sache nicht recht geklappt zu haben. Das beweist nicht nur der schnelle Wechsel der Garanten in den ersten beiden Jahren, auch die Tatsache, dass die Generalversammlung vom 10. Dezember 1858 beschloss, das Aktienkapital durch Eröffnung neuer Zeichnungen um die im Statut erwähnten 20.000 Taler zu erhöhen und den Verwaltungsrat zu ermächtigen, 40.000 Taler Darlehen aufzunehmen, und ihm aufzutragen, baldigst einen Vermögensstatus aufzustellen. In Auswirkung dieser Beschlüsse wurden am 31. Januar 1861 durch Vermittlung des Rentmeisters Adolf Galland von dem Grafen Oskar von Westerholt Giesenberg auf Schloss Stein in Baden 25.000 Taler preuß. Courant aufgenommen. Für diese Summe wurden zwar sämtliche Immobilien verpfändet, aber der Ehrenamtmann und Rittergutsbesitzer Friedrich von Forell auf Haus Strünkede musste die Bürgschaft übernehmen. Als Zeugen fungierten bei dem in Bochum abgeschlossenen gerichtlichen Vertrag der Pfarrgeistliche Gustav Schmelzer, und Wirt Clemens August Westerhoff, beide in Herne.

Am Ende des gleichen Jahres wurden weitere 9.500 Rtlr von dem Grafen Oskar von Westerholt Giesenberg und 5.500 Taler von dem Grafen Otto von Westerholt Giesenberg in Westerholt geliehen. Für beide Darlehen übernahm der Gutsbesitzer Schulte - Oestrich in Oestrich die selbstschuldnerische Bürgschaft. Diese Darlehen wurden 1864, weil sie gekündigt waren, mit Hilfe eines Darlehens von 15.000 Talern zurück gezahlt, das durch Vermittlung des Verwaltungsratsmitgliedes Brockhoff von der Congregatio Beatae Mariae Virginis in Essen aufgenommen worden war. Es wurde 1872 zurückgezahlt, während der Graf Oskar von Westerholt Giesenberg im Jahre 1870 seine auf 25.000 Taler lautende Forderung unter Entlassung des Herrn von Forell aus der Bürgschaft an die Sparkasse Herne zedierte. Dafür wurde ihm ein Sparkassenbuch zum gleichen Zinssatz (4 1/2%) ausgestellt.

Diese Finanzaktionen behoben aber offenbar die Schwierigkeiten nicht, denn am 5. September 1868 erfolgte ein neuer Schritt. Die Herner Dampfmühlen- Handlungs- Kommanditgesellschaft löste sich auf, und Franz von Lothum, Ludwig Brockhoff und Heinrich Schlenkhoff übernahmen als

offene Handelsgesellschaft Heinrich Schlenkhoff & Co.

das ganze Unternehmen. Zum Vollzug des Vertrages war am gleichen Tage durch die Gesellschafterversammlung ein neuer Verwaltungsrat gewählt worden, der bestand aus dem Postmeister Florenz Wiegelmann aus Herne, zugleich Präsident des Verwaltungsrates, Inspektor Louis Kneis aus Herne, Gutsbesitzer Heinrich Schulte am Esch zu Horsthausen, Kaufmann Hermann Franz und Schmiedemeister Wilhelm Sassenhoff.

Nach dem Vertrage, dessen Abschluss auf der Dampfmühle unter Hinzuziehung des Gastwirts Theodor Tappertzhofen (Vorbesitzer von Hotel Schmitz) und des Tagelöhners Heinrich Becker als Zeugen erfolgte, übertrug der neue Verwaltungsrat den drei Herren von Lothum, Brockhoff und Schlenkhoff das gesamte Vermögen der Dampfmühlen - Handlungs- Kommanditgesellschaft zu deren Eigentum, die dafür sämtliche Schulden übernahm. Das Geschäft stand also so mulmig, dass die Aktionäre scheinbar froh waren, nicht mehr als ihre Aktienanteile einzubüßen. Aber auch jetzt kam keine Blüte.

Pastor Dransfeld schreibt 1875: "Eine Dampfmühle ist 1857 in nordöstlicher Richtung vom Bahnhofe gebaut, hat sich aber nie rentiert und liegt jetzt ganz still." Trotzdem kam sie wieder in Gang, indem Heinrich Schlenkhoff sie im Wege der Ersteigerung erwarb. Die Versteigerung wurde folgendermaßen eingeleitet: Der frühere Besitzer Weusthoff hatte 1854 von den Erben des verstorbenen Pastors Großfeld in Recklinghausen 800 Taler Darlehen geliehen. Einer dieser Erben, Wilhelm Großfeld in Carnap, hatte das Geld 1861 von dem Mühlenverwalter Wilhelmm Gruthoff in Herne zurückgezahlt erhalten und ihm dafür die Forderung an die Rechtsnachfolgerin Weusthoffs, die Herner Dampfmühlen- Handlungs - Kommanditgesellschaft, zediert. Dieser zedierte sie weiter an die Sparkasse Herne und diese an einen Angestellten der Dampfmühle. Dieser wiederum erwirkte am 22. September 1875 ein Gerichtsurteil, wonach die drei Eigentümer der Dampfmühle ihm im Wege der Subhastation[Anm. 3] die 800 Taler zu zahlen hätten. Die Subhastation fand am 05. Dezember 1876 statt. Heinrich Schlenkhoff blieb Meistbietender mit 3.000 M, wofür ihm der ganze Grundbesitz der Mühle einschließlich aufstehenden Gebäude zugeschlagen wurde. Man darf dabei nicht übersehen, welche Belastungen auf dem Erworbenen lagen. Erinnert sei nur an die 25.000 Taler, die einst unter Verpfändung des Mühlenbesitzes von dem Grafen Oskar von Westerholt Giesenberg geliehen und von diesem an die Sparkasse Herne zediert worden waren.

Im Jahre 1887 ist Heinrich Schlenkhoff gestorben. Erbe wurde sein Neffe Wilhelm Schlenkhoff. 1888 war der Mühlenbetrieb dann endgültig erledigt. Erst 1898 wurde durch Errichtung der Schlenkhoffschen Dampfwaschanstalt ein neuer Betrieb darin eröffnet.

Die Söhne und Erben Wilhelm Schlenkhoffs, Wilhelm Schlenkhoff jr. und Ludwig Schlenkhoff, teilen sich 1929 das Erbe und zwar so, dass Ludwig Schlenkhoff die Grundstücke und Gebäude der ehemaligen Mühle erhielt.

Bevor wir aber die 400jährige Geschichte der alten Mühle beschließen, sei noch etwas über die Persönlichkeit Heinrich Schlenkhoffs gesagt, mit dessen Namen das Schicksal der Dampfmühle von 1859 bis 1887 verknüpft gewesen ist. Die Mühle war durchaus nicht das alleinige Feld seiner kaufmännischen Betätigung. Er erwarb und gründete nämlich Kalksteinbrüche und Wasserkalkbrennereien in Ennigerloh, Beckum und Lengerich und hatte Kalk- Detailverkauf- und Baumaterialienlager in Dortmund, Herne, Witten, Eickel und Carnap. Außerdem besaß er Kalksteinbrüche in Letmathe. Der dort gebrochene Kalkstein wurde zum Teil in Herne, wo sich noch heute auf dem Lager an der Grabenstraße Reste eines Kalkofens befinden, gebrannt. Die Kalkwerke in Lengerich haben eine besondere Rolle in der Geschichte der Zementindustrie gespielt. Zuerst hatten sie Wicking, der in Recklinghausen wohnte, und Schlenkhoff zusammen. Im Jahre 1872 trennten sich beide und jeder Betrieb seine eigenen Kalkwerke. Später aber hat der Wickingkonzern, was noch beim ten - Hompel- Prozess[Anm. 4] zur Sprache kam, die Aktien der Schlenkhoff- AG, die Familienbesitz waren, zum größten Teil aufzukaufen verstanden, wodurch Wicking die Mehrheit bekam und über das Schlenkhoffsche Unternehmen verfügte. Die Werke wurden stillgelegt. Gerade in diesen Tagen ging durch die Presse die Nachricht, dass das Schlenkhoffsche Zementwerk und das alte Wickingsche Werk in Lengerich gegenwärtig dem Erdboden gleich gemacht würden. Von den auswärtigen Baumaterialienlagern sind das in Witten und Carnap aufgegeben, es befinden sich noch im Besitze von Schlenkhoffschen Familien Lager in Dortmund, Eickel, Bochum und Essen.

Als Heinrich Schlenkhoff starb, hinterließ er ein überaus ansehnliches Vermögen. Er war mit Dorothea Düngelmann verheiratet gewesen. Als diese sich 1884 zum Sterben niederlegte, bestimmten beide Eheleute, da Kinder von ihnen nicht mehr am Leben waren, dass ihr Neffe, der damalige Verwalter Wilhelm Schlenkhoff in Letmathe, den Nachlass in Gestalt von Grundstücken, Kaltsteinbrüchen und Kalkbrennereien samt lebendem und totem Inventar, gelegen im Kreise Beckum, erben sollte. Von den Nachlassstücken sollte er die Hälfte der Frau des Verwalters Dietrich Hemmer, Alwine geb. Düngelmann, in Beckum übertragen. Zeugen bei dieser Testamentsabfassung waren der Gastwirt August Schmitz und der Zimmermann Friedrich Overkamp zu Pöppinghausen.
Drei Jahre später legte sich auch Heinrich Schlenkhoff, 79 Jahre alt, zum Sterben nieder[Anm. 5]. Kurz vor seinem Tode machte er sein Testament, zu dem man, da er in letzter Zeit fast erblindet war, den Ingenieur Fritz Baum hinzuzog. In dem Testament bestätigte Heinrich Schlenkhoff die Bestimmungen des Testamentes von 1884, verteilte darüber hinaus aber noch ein Vermögen über 15.000 M.

Zunächst wurden damit seine und seiner Frau Verwandten bedacht, als erste die Kinder seines Bruders, der Oekonom und Wirt Friedrich Schlenkhoff in Holsterhausen, sowie die Frau des Landwirts Heinrich Freise, Friederike, geb. Schlenkhoff; dann kamen die Kinder der Schwester Elisabeth seiner Frau an die Reihe, die einen Landwirt Kuhlendahl in Langendreer geheiratet hatte, darauf die Kinder der Schwester Friederike seiner Frau, die mit dem Landwirt Asbeck verheiratet war, es folgten die 6 Kinder des verstorbenen Landwirts Heinrich Düngelmann, eines Halbbruders seiner Frau, von denen eins den Landwirt Masthoff in Altenhöfen und ein anderes den schon erwähnten Verwalter Diedrich Hemmer geheiratet hatte. Dann folgten die Kinder der Eheleute Verwalter Trösken, früher in Baukau, von denen ein Mädchen den Schuhmacher Ludwig Trösken geheiratet hatte, während die drei Jungen nach Nordamerika ausgewandert waren, weiter wurde bedacht die Tochter des verstorbenen Lohgerbers Ludwig Rembert und der Christine, geb. Düngelmann, die einen Lehrer in Bruch bei Recklinghausen geheiratet hatte, ferner die Frau des Obersteigers a. D. Wilhelm Faust, Friederike geb. Markmann, in Marmelshagen, die Witwe des Materialienverwalters Wilhelm Pax, Luise geb. Rembert, der Zimmermann Ludwig Funkenberg zu Baukau, die Frau des Landwirts Friedrich Stemmermann und Kinder.

Nicht vergessen wurden auch seine Mitarbeiter, die Verwalter Klasberg in Dortmund, Eisenkrämer in Bochum, Ewald in Letmathe, Haffner in Witten, sein Buchhalter Peter Norpoth und seine Arbeiter Anton und Heinrich Crawinkel. Schließlich sollten noch alle Arbeiter in Letmathe und im Kreise Beckum, die an seinem Todestage länger als 10 Jahre bei ihm in Diensten standen, als Belohnung einen Betrag erhalten.

So endete im Juli 1887 das Leben eines Mannes, dessen Name mit der Wirtschaftsgeschichte Hernes und Westdeutschlands enger, als mancher weiß, verbunden gewesen ist. Und damit endet auch unsere Darstellung der von Margarete von Asbeck vor 400 Jahren eingeleiteten Mühlengeschichte.

Die alte Öl- und Dampfmühle

Funkenberger Ölmühle vor 1910
Dieses Bild ist nach einer auf einer Zeichnung beruhenden Postkarte angefertigt. Diese Postkarte ist vor 30 Jahren von der Schlenkhoffschen Dampfwaschanstalt herausgegeben worden. ein Exemplar wurde uns von Herrn Ludwig Schlenkhoff freundlichst zur Verfügung gestellt. Der Zustand, der hier festgehalten wird, ist der von 1899. Im Vordergrund sieht man den nördlichen Rest der Teichanlage, an der noch der alte Zufahrtsweg zur Mühle vorbeiführt, der von der Beck- und Bahnhofstraße ausging und beim alten Hotel Schmitz an den Teich kam, an dessen nordwestlicher Schmalseite entlanglief, dahinter die alte Funkenbergsche Ölmühle mit Wasserrad und einem kleinen Anbau (Wahrscheinlich schon aus Weusthoffs Zeit), in dem das Kesselhaus (die "Ölmühle" war ja schon von Weusthoff mit Dampf versehen worden) sich befand. Das erkennt man auch an dem Schornstein. Nach 1900 ist die "Ölmühle", die zuletzt nunmehr zwei Mahlgetriebe für Mehl enthielt, die erst 1930 ausgebaut wurden, nach Süden um einen Wohnhausanbau und nach Norden um ein Stall- und Lagergebäude erweitert worden. Dieses Stall- und Lagergebäude ist ebenso wie der alte Mühlenteil gerade jetzt zu Wohnungen umgebaut worden, wodurch der letzte Rest der alten Mühle verschwunden ist. Rechts von der Mühle sieht man das Schlenkhoffsche Wohnhaus, das einst ein von Weusthoff errichtetes Oekonomiegebäude war. Zwischen diesem und der Mühle, etwass nach Norden, lag das Funkenbergsche Wohnhaus (später Kontor). Es wurde 1897/98 abgebrochen und ist daher auf der Zeichnung nicht mehr zu sehen. In Fabrikhafter Größe reckt sich die 1857/58 errichtete Dampfmühle empor, die 1898 in eine Waschanstalt verwandelt wurde. Der niedrigere Nebenbau war das Maschinen- und Kesselhaus. Der westlichste, kleinste Anbau ist erst 1898 anstelle anderer kleiner Anbauten, die in die jetzige Friedrichstraße fielen, gebaut worden. Im Hintergrund des Bildes sieht man rechts Häuser der Eschstraße und die Zeche Friedrich der Große 1/2. [1]

Anmerkungen

  1. er stiftete das erste Taufbecken der St. Bonifatius Not-Kirche
  2. Auktionskommissar Ottomar Noethe aus Börnig. Vgl: Aus der Geschichte der Bahnhofstraße VI.
  3. Vgl.: http://wiki-de.genealogy.net/Subhastation
  4. Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_ten_Hompel
  5. Johann Heinrich Wilhelm Schlenkhoff, geb. am 2. Oktober 1807, starb am 12. Juli 1887 morgens um 9 Uhr und wurde am 15 Juli 1887 beigesetzt. Q: Kirchenbuch der evgl. Gemeinde Nr. 136/1887

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Quellen

  1. Leo Reiners 21. Dezember 1935 Herner Anzeiger