Die älteste Bebauung der Kaiser–Wilhelm–Straße (Viktor-Reuter-Straße)

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Von Leo Reiners

Die älteste Bebauung der Kaiser – Wilhelm – Straße
Die Häuser auf der Nordseite

Die Kaiser–Wilhelm–Straße [Anm: heute Viktor-Reuter-Straße ] ist diejenige Seitenstraße der Bahnhofstraße, die schon in den ersten Jahren ihrer Entstehung die stärkste Bebauung aufwies. Noch heute zeugen eine ganze Reihe kleiner ein- und zweistöckiger Häuschen von jener Zeit. Die Straße ist durch den zwischen Mühlen – und Marienstraße sich erstreckenden Grundbesitz des Hofes Schlenkhoff gelegt worden. Dieser Grundbesitz wurde zu einem erheblichen Teile von einem Hochwald eingenommen, dessen Mitte heute die Schulstraße und dessen nördlichen Zipfel die Kaiser-Wilhelm-Straße durchschneidet. Auch Heinrich - und Schaeferstraße liegen zum größten Teil in diesem ehemaligen Waldgebiet.
Entstanden und bebaut worden ist die Kaiser – Wilhelm – Straße hauptsächlich in den Jahren 187075 und zwar von der Bahnhofstraße an. Das erste Haus, an das man von der Bahnhofstraße aus an der Nordsseite kommt, ist das

Haus Nr. 1,

neben Hotel Schlenkhoff, ein einstöckiger Backsteinbau. Die Parzelle wurde im Jahre 1871 von dem Schreiner Adolf Lütgendorf für 592 Taler der Witwe Heinrich Rensinghoff genannt Schlenkhoff jr., Alwine geb. Weusthoff (später wiederverheiratet mit Fabrikant Albert Eickel), abgekauft und mit dem jetzt noch stehenden Hause bebaut, zu dem sich noch ein Hinterwohnhaus mit Stallung gesellte. Im Jahre 1879 kam das Grundstück durch Zwangsversteigerung an den Kaufmann Julius Meimberg, dessen Sohn es heute noch besitzt.
Das Nebenhaus Nr. 3 ist 1911 anstelle eines vorher dort erbaut gewesenen kleinen Hauses entstanden. Das Grundstück hatte der Zimmermeister Johann Kämper als Acker 1869 von der Witwe Rensinghoff genannt Schlenkhoff, Alwine geb. Weusthoff, für 247 Reichstaler gekauft. Vorher, 1868, hatte er schon das Grundstück des Hauses Nr. 5 für 437 Taler erstanden. Das auf dem Grundstück Nr. 3 entstandene Wohnhaus ging 1876 auf den Auktionskommissar Joseph Kämper in Oelde über, kam aber noch im gleichen Jahre an den Zimmermeister Johann Kemper. Dessen Frau heiratete in zweiter Ehe den Bergmann Joseph Pawlik. Im Jahre 1911 wurde der Bauunternehmer Kreppel Eigentümer. Dieser ließ das alte Häuschen abbrechen und erbaute den jetzigen hohen Neubau. Im folgenden Jahre erhielt ihn die Ehefrau des Kaufmanns Wilh. Vollminghoff, Else geb. Kreppel, sie verkaufte aber das Besitztum noch im gleichen Jahre (1912) an den Schreinermeister Heinrich Greve.
Das Grundstück des

Hauses Nr. 5

ging von Kämper im Jahre 1874 auf den Anstreicher Karl Gronefeld über, der es zwei Monate später an den Schuhmacher Georg Probst veräußerte. Dieser baute darauf ein Haus. Doch kam das Besitztum 1878 zur Zwangsversteigerung und fiel an den Zimmermeister Johann Kemper. Dieser verkaufte es im gleichen Jahre an den Bäcker Heinrich Eisermann. Als dieser es 1880 durch Zwangsversteigerung verlor, kam es an Johann Kemper, den Hauptgläubiger, zurück. Die Witwe des Johann Kemper heiratete in zweiter Ehe den Bergmann Joseph Pawlik, der 1899 als Eigentümer eingetragen wurde. Auch dieses Haus erwarb 1911 der Bauunternehmer Kreppel, der es 1912 abbrechen und dafür den jetzigen großen Bau errichten ließ. Über die Ehefrau Vollminghoff, Else geb. Kreppel, wurde 1912 der Schreinermeister Heinrich Greve Eigentümer.
Das nun folgende

Haus Nr. 7

ist erst 1929 von Pott erbaut worden. Vorher stand auch hier ein kleines Haus, das der Bergmann Bernhard Röttger 1870/71 erbaut hatte, nachdem er das Grundstück von der Witwe Heinrich Rensinghoff gt. Schlenkhoff jr. Für 400 Reichstaler erworben hatte. Im Jahre 1871 kaufte die Witwe des Maurers Karl Kaiser Haus und Grundstück für 2550 Taler, von der der Besitz 1898 auf die Ehefrau des Anstreichermeisters Karl Gronefeld, Caroline geb. Kaiser, überging. Zwei Werkstätten wurden dem Hause angefügt. Im Jahre 1919 wurde der Kaufmann Wilhelm Göbel (Cafe Göbel) Eigentümer, 1927 der Elektromeister Wilhelm Pott, der anstelle des alten Hauses 1929 den jetzigen Neubau errichten ließ. Das Nachbarhaus

Nr. 9

ist dagegen noch in seiner alten Gestalt vorhanden. (Es ist das erste Haus auf dem Bilde). Von den Geschwistern Rensinghoff gt. Schlenkhoff wurde das Grundstück 1875 an den Bergmann Ferdinand Hartmann verkauft, der das Haus erbaute. Im Jahre 1890 kam es an die Eheleute Bergmann Joseph Drewes und Gertrud, geb. Geldermann. Die letztere verheiratete sich in zweiter Ehe 1896 mit dem Bergmann Albert Gerdes.
Auch das

Haus Nr. 11

, das zweite auf dem Bilde, ist noch das alte. Der Maurer Heinrich Wulff hat es erbaut, nachdem er das Grundstück (einstmals Waldgebiet, daher unter der Flurbezeichnung "Busch" geführt) im Jahre 1874 von den Geschwistern Rensinghoff gt. Schlenkhoff, gekauft hatte. im Jahre 1923 ging es auf seinen Sohn, den Maurer Wilhelm Wulff, über.
Das nächste

Haus Nr. 13

entstand ebenfalls im ehemaligen Busch. Das Grundstück war aber schon 1874, als es der Bergmann Wilhelm Heiermann von den Geschwistern Rensinghoff gt. Schlenkhoff kaufte und bebaute, Acker. Im Jahre 1925 wurden die Kaufleute Wilhelm und Hans Heiermann Eigentümer, die darin wie ihr Vater ein Kohlengeschäft unterhalten.
Bei der Katasteraufnahme im Jahre 1877 hörte mit dem Heiermannschen Hause die Bebauung auf der nördlichen Straßenseite zunächst auf. Bald danach entstanden aber - unter Freilassung des Grundstücks Nr. 15 (Baurichter) - die Häuser

Nr. 17 (Groß) und Nr. 19 (Dickhoff).

Das Haus Nr. 19 mußte aber 1896 dem Durchbruch der Schulstraße weichen.
Die große unbebaute Lücke, die 1877 auf das Heiermannsche Haus folgte, erstreckte sich bis zum Ostbach (genannt Wiescher Mühlenbach) auf dessen Westufer die Gebäude des Hauses

Nr. 35

standen. Das als Weide in der Flur "Busch" bezeichnete Grundstück hatte im Jahre 1875 der Maurer (später Gastwirt) Christian Zelle von den Geschwistern Rensinghoff gt. Schlenkhoff gekauft und mit Wohnhaus, Einliegerhaus und Stallgebäude bebaut. Im Jahre 1896 wurde der Maschinist Karl Niermann als Eigentümer eingetragen, 1911 erhielt es der Klempner Karl Niermann jr. Das Niermannsche Haus liegt gleich neben der Schule. Östlich neben Niermann floss einst im offenen Bett der Ostbach durch, heute ist davon nichts mehr zu sehen, da er unterirdisch durch Kanalrohre fließt und die Oberflächengestaltung völlig verändert ist.
An der anderen Seite des Baches gab es zunächst wieder eine Lücke, dann kamen die aneinanderstoßenden Häuser

Nr. 45 und 47.

Sie sind zu gleicher Zeit, (allerdings erst kurz nach der Katasteraufnahme ) erbaut worden. Am 2. Mai 1879 kaufte der Bergmann Hermann Wenzel von den geschwistern Rensinghoff gt. Schlenkhoff das als Acker auf der "kleinen Vöde" bezeichnete Grundstück des Hauses Nr, 45 und der Bergmann Theodor Engelke das des Hauses Nr. 47. Beide bauten dann zusammen. Das Wenzelsche Besitztum kam 1906 an den Bauunternehmer Franz Kraus und 1930 an den Zechenstellwerkswärter Johann Koßmann, das Besitztum von Engelke, an die Ehefrau Martin Swajczyk über.
Hinter den Häusern Nr. 45 und 47 liegt versteckt ein kleines Haus, dass seit der Durchlegung der Goethestraße die Nummer

Goethestraße 93a

führt und von dieser Straße aus zugänglich und sichtbar ist. Das Grundstück war bei der Auseinandersetzung in der Familie Rensinghoff gt. Schlenkhoff 1876 an den Fabrikbesitzer Albert Sickel, der die Witwe des Heinrich Rensinghoff gt. Schlenkhoff jr. geheiratet hatte, gekommen und von diesem bebaut worden. Im Jahre 1908 wurde es an die Ehefrau des Schreinermeisters Wilhelm Koester aufgelassen, 1910 an den Auktionator Wilhelm Kogelheide, 1919 an den Dreher Bernhard Glomm, dem jetzigen Eigentümer.

Der Köhlhoffsche Besitz

Älter als es den Anschein hat, ist auch die Geschichte der Wirtschaft Koehlhoff an der Ecke der Kaiser-Wilhelm- und Goethestraße. Vor dieser Wirtschaft stand hier ein kleines Haus, das die Geschwister Rensinghoff gt. Schlenkhoff um 1877 hatten erbauen lassen und das 1896 mit Grund und Boden für 13 000 Mark an den Sandformer und Wirt Karl Dietrich Köhlhoff verkauft wurde. Dieser ließ es 1898 abbrechen und durch den jetzigen Wirtshausneubau ersetzen, an den 1899 noch der Saal angefügt wurde.
Der Kauf durch Köhlhoff war nur eine nachbarliche Expansion. Die Köhlhoffsche Wirtschaft war nämlich ursprünglich in dem alten Hause nebenan. Dieses Haus ist, wie man dem bretterverkleideten zweistöckigem (in jüngerer zeit durch einen Backsteinbau westwärts erweiterten) Gebäude ansieht, das älteste Haus der Kaiser - Wilhelm - Straße. Es ist von Feldmann erbaut worden. Der Großvater von Sanitätsrat Dr. Feldmann, der Faßbinder Joh. Hermann Feldmann vom Steinweg, besaß auf der "kleinen Vöde" Ackerland. Im Jahre 1850 erbte sein Sohn Hrch. Friedrich Feldmann. Um diese Zeit war bereits das Haus auf dem Ackerstück vorhanden, denn Friedrich Feldmann versicherte es mit Wirkung vom 01.01.1850 mit 600 Talern in der Feuersozietät. Aus dem Feldmannschen Besitz erwarben am 29. November 1850 die Eheleute Schneider Heinrich Georg Knapp und Maria Catharina (später wird sie Anna Maria genannt) Trösken aus Baukau einen 1 Morgen großen Acker auf der kleinen Vöde "nebst dem darauf erbauten Hause". Hrch Georg Knapp war 1854 bereits tot. Er hatte zwei Kinder hinterlassen, von denen das Älteste, Friederike, (geb. 1850) im Jahre 1857 starb, während der Sohn Heinrich Georg Wilhelm sein Leben auch später im Hause verbrachte. (1885 ist er noch in einem Übertragsvertrage erwähnt). Die Mutter heiratete im Jahre 1854 in 2. Ehe den Weichensteller Heinrich Wilhelm Köhlhoff, mit dem sie 4 Kinder hatte. Der älteste Sohn Wilhelm starb 1880 im Alter von 25 Jahren, der zweite, Karl Dietrich, wurde später Haupterbe, die Tochter Friederike heiratete den Bergmann Fritz Bolte in Baukau, die jüngste Tochter Elisabeth heiratete den Schlossermeister Wilh. Boos. Der Vater Köhlhoff starb am 22.07.1868, worauf der Bahnwärter Georg Köhlhoff Vormund über die Kinder wurde. Die Witwe heiratete 1870 zum dritten Male und zwar den Bergmann Paul Bildstein, der aus Mausbach bei Aachen stammte. Auch diesen überlebte sie. Da Bildstein schon 1873 als Wirt bezeichnet wird, muss damals schon die Köhlhoffsche Wirtschaft bestanden haben. Im Jahre 1890 wurde das Besitztum unter Abfindung der Ehefrauen Bolte und Boos (der nicht mehr erwähnte Stiefbruder Heinrich Knapp war offenbar gestorben), an den Sohn aus 2. Ehe, Karl Diedrich Köhlhoff (Sandformer, dann Wirt genannt) übertragen. Dieser war es, der 1896 auch das Nachbargrundstück, die jetzige Wirtschaft Köhlhoff, kaufte. [1]

Siehe auch

Quellen

  1. Leo Reiners 1933