Der Tod des Clev.-Märkischen Regierungspräsidenten Freiherrn von Strünkede

Aus Hün un Perdün
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Von Leo Reiners

Ein gedruckter Totenbrief aus dem Jahre 1742 - Der Rhein konnte nicht überquert werden - Die feierliche Beisetzung in der Herner Kirche

In der Geschichte des Strünkeder Geschlechtes bildet der Freiherr Johann Conrad von Strünkede, von dessen Titelstreit mit der Lehnskammer zu Styrum wir am vorigen Samstag[Anm. 1]berichteten, einen leuchtenden Höhepunkt und zugleich den Anfang jähen Endes. er stieg auf der Stufenleiter der Staatsverwaltung des preußischen Königs für die Länder Cleve und Amrk empor, doch erlosch mit ihm, da er alle seine elf Kinder, von denen vier tot geboren wurden und fünf gleich oder bald nach der Geburt starben, überlebte, das Geschlecht auf Strünkede.

Zum Universalerben setzte er seinen Vatter Ludwig von Strünkede zu Dorneburg ein. Doch trat dieser ein völlig verschuldetes Erbe an, das schon nach wenigen Jahren Zwangsversteigerungen zur Befriedigung der zahlreichen Gläubiger über sich ergehen lassen musste.

Als der Freiherr Johann Conrad von Strünkede starb, teilte seine Witwe dies auf gedruckten Totenbriefen den Verwandten und Bekannten mit. Einen solchen Totenbrief fanden wir im Styrumer Archiv. Er hat das damals übliche Aktenbogenformat; ist von einem schwarzen Rand eingefaßt und offenbar in einer Druckerei in Cleve, wo der Freiherr starb, hergestellt. Der Platz für die Anrede ist zur handschriftlichen Einfügung freigelassen. Der Totenbrief hat folgenden Wortlaut (die handschriftlichen Stellen in Fettdruck):

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Hochgebohrner Reichsgraff Insbesondes HochzuEhrender Herr Vetter
Dem allwaltenden Gott hat es nach seinem unwandelbaren Rathschluß gefallen
meinen Hertz inniglich geliebten Ehegemahl
den Weyland Hochwohlgebohrnen Freyherrn JOHANN CONRAD von und zu Strünckede
Herne
Castrop
Marnix
Sodingen
Pöppinghausen
etc etc Seiner Königlichen Majestät in Preussen etc würcklicher geheimten Etats- und Kriegsminister
auchClev. Märckischen Regierungs-Praesidenten
am Elfften dieses
Nachmittags Klocke drey
nach einiger Zeit ausgestandener Brust Beschwerden
im 72sten Jahr seines Alters
unter völliger Uebergabe in den Willen des Höchsten
durch einen gar sanften Tod
aus dieser Jammer-vollen Welt
zu Sich in sein ewiges Freudenreich abzufordern: mich aber dadurch in den betrübten Wittibenstand zu setzen.
Wie nun dieser für mich allzu frühzeitige Todesfall
mir schmertzhaft zur Seelen dringen
und mich in die äusserste Traurigkeit stürtzen muste
werden Ew Hochgräffl: Excell: gar leichtlich abnehmen können;
Zweifele ich daher auch nicht
oder Sieselbe werden über den mir von GOTT zugesandten harten Schlag ein Christliches Anverwandl. Mitleyden tragen; Von Hertzen dagegen wünschende
daß der gütige GOTT Ew. Hochgraeffl: Excell: lange Jahre von solchen und dergleichen Leydbringenden Trauerfällen in Gnaden bewahren wolle;
Womit Dieselbe in dessen Schutz und strake Obhut empfehlende verharre
Ew: Hochgräffl: Excellentz
Meines insbesonders HochzuEhrenden Herrn Vettern
Cleve den 12. Januarii
1742
Die Antwort wird auf Strünckede erwartet.
An des Hrn Grafen von Limburg Styrum
Excell
Gehorsame Dienerin S W B V. Strückede gebohrne Freyinne Von Huchtenbruck
(Siegel)

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Wie aus einer Bemerkung auf der Rückseite des Briefes hervorgeht, ist er "den 13ten Jan. 1742 mit der Essendischen post (auf Schloß Stryrum) eingelanget undt d. 1ten febr. d.a. beantwortet worden".
Die Beerdigung des Verstorbenen hat erst am 31. Januar in Herne stattgefunden. Den Grund der Verzögerung gibt das reformierte Kirchenbuch an, in dem zu lesen steht:

Anno 1742 d 11. Jan. hat es dem Herrscher des menschlichen Lebens gefallen, den weyland hochwohlgebohrnen Freyh. Jan Conrad von Strünckede hieher in die begräbnis Capelle gedes nachmittags, gekleydet, auff einem Lehnstuhl sitzendt, durch einen geschwinden, doch sanfften und seeligen vor uns aber noch allzufrühzeytigen Todt, auß dieser sterblichen, zu sich in sein Freudenreich abzuförderen, dehro entseelter Leichnahm, welcher nicht eher wegen des eißgangs im rhein, Transportiret werden können, ist am 31. Jan: bey staatlicher Leichfolge, und unsäglicher menge menschen in ihrem ruhgewölb beygesetzt: Hochadeliche Begleyter waren der Freyh. von Gatrop[Anm. 2], der Freyh. von der Reck zur Heidenmühl, der Geheimte regierungsrath, Freyh. Ludwig von Strunckede, der Freyh. von Strunckede zu Crudenburg.

Viel ausführlicher beschreibt die Beerdigung der lutherische Pastor in seinem Kirchenbuch. Dort lesen wir:

1742 den Eilften january ist der freih. Von Strünckede Excellenz zu Cleve nachmittags um 3 Uhr Verstorben, und den 30. January von Cleve hierher gebracht, den 31. aber des abends um 6 uhr Von Strünckede hierher in die begräbnis-Capelle geführet, an dem bogen Vor dem Kirchhofe[Anm. 3] abgenommen und biß zu dem gewölbe in die Capelle getragen, der Reformierte prediger Eilerts hielte in der Capelle eine Rede über die worte Salomons: Der Gerechte ist in seinem Tode getrost; vier Kutschen folgten der leiche von Strünckede bis hierher und wurden mit 50 tartschen[Anm. 4] begleitet; in der Ersten Kutsche sassen der H. Baron Ludewig von Strünckede, unser hiesiger Nachfolgender gerichtshErr, der H. von Crudenberg, d. H von Gatrop und d H von Reck zu Kreidemühl; in der anderen der geh. Rath und hiesige Richter Grolman; in der dritten, Ich [Pastor Hoffmann] und der Reform. prediger Von Castrop; in der 4ten, der cathol. geistliche von Castrop, Candidatus Eilert, und der Verwalter von Strünkede[Anm. 5]; alle Begleiter sind mit in die Capelle gegangen und haben die rede angehört. Er wurde geläutet, so lange biß die Leiche von Strünkede hierher gelangt und hernach, da sie wieder wegfuhren. Sechs Wochen ist das tägliche Geläute von 12 bis 1 durch die Küster geschehen und 6 Wochen die Orgel stille gehalten, an dem sechswöchigen Geläute haben 4 Tage gefehlt; die Küster prätendiren davor Ein Malter Roggen, jeder 2 Scheffel, als ein recht, so ihnen von alters her gegeben. [1]

Anmerkungen

  1. Am 7. Januar 1939
  2. Die Witwe des Verstorbenen war eine Sophia Wilhelmina v. Hüchtenbrock zu Gatrop, wo auch am 26. Februar 1700 die Hochzeit stattgefunden hatte.
  3. Der Bogen muß sich an dem Zugang zum Alten MArkt gegenüber Heiland befunden haben.
  4. Tartschen sind Wappenschilder
  5. Wahrscheinlich ist dieser Verwalter der 1738 als Taufpate im luth. Kirchenbuch verzeichnete "Verwalter von Strünkede Wahrendorff". Es wäre ein intersessantes Zusammentreffen, wenn dies (was leider nicht festzustellen ist) ein Verwandter unseres heutigen Wehrbezirkskommandeurs Major Wahrendorff [Anm. 2015: Oberstleutnant (E) 01.10.38 WAHRENDORFF Horst 28.03.1887 in Tilsit - ? (seit 1939 Kom. WBK Herne) Oberst (01.04.42) ] wäre.

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Quellen

  1. Leo Reiners 14. Januar 1939 im Herner Anzeiger