Der Reliefstein von Strünkede (1965)

Aus Hün un Perdün
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Der Reliefstein von Strünkede

Im März-Heft war auf Seite 17 ein Sandsteinrelief aus Baumberger Kreidesandstein abgebildet, das von einem aus Urkunden bisher nicht belegten Brand der Strünkeder Schlosskapelle Kunde zu geben scheint. — Die Eigenart der Darstellung der Flammen hatte dazu geführt, das Klischee beim Druck auf den Kopf zu stellen. Aus den gleichen Gründen haben nur wenige Leser diesen verfrühten "April-Scherz" bemerkt. — Hier bringen wir die Abbildung des Reliefs noch einmal und fügen die ausführlichere Deutung hinzu, die im März aus Platzmangel nicht gebracht werden konnte.

Ein Abglanz der Großartigkeit des Schlosses Strünkede in früheren Jahrhunderten sind die Einzelfunde von Plastiken und Reliefs aus Stein, die im Laufe der Jahre durch glückliche Zufälle und Aufmerksamkeit bei Schloss und in der näheren Umgebung gefunden und sichergestellt wurden. So wurde in altem Schutt im Schloss als ältester plastischer Fund ein Kapitell römischen Stils aus Soester Grünsandstein gefunden (im Haupteingang des Museums links ausgestellt). Dazu sei an die sogenannte "Schöne von Strünkede" erinnert, an den „Posaunenengel" und andere Stücke.

Unsere Abbildung zeigt einen weniger bekannten Fund, der allerdings nicht im engeren Bereich des Schlosses gefunden wurde, sondern in andersartigem alten Mauerwerk der Gerberei Rembert an der unteren Bahnhofstraße mit eingebaut war. Es handelt sich hier offensichtlich um das einer Teilstück einer größeren Relief-Stein-Arbeit, die aus mehreren Stücken zusammengesetzt war und mit hoher Wahrscheinlichkeit ein altes Motiv von Strünkede dargestellt. Von ihm könnte man im Gesamtzusammenhang annehmen, dass es der Strünkeder Turm ist, von dem in alten Dokumenten als von einem runden Turm die Rede ist. Aber rechts daneben ist unzweifelhaft die Strünkeder Schlosskapelle dargestellt, aus der Flammen empor schlagen. Zwar spricht kein Dokument von einem Brand der Kapelle, aber es braucht hier auch kein historisches Ereignis dargestellt worden zu sein, obwohl dieser Gedanke nahe liegt. Schließlich könnte man an eine festliche Illumination aus einem besonderen und wichtigen Anlass denken. — Wie dem auch sei, an der mutmaßlich dargestellten Kapelle sehen wir an der westlichen Giebelseite das auch jetzt noch vorhandene Einsteigeloch, um auf den der Kapelle Boden zu gelangen. Ein Türmchen ist jedenfalls nachgewiesen und auch auf dem Relief zu sehen. Am unteren Rand ist sogar eine der schrägen Wandstützen zum Abfangen des Gewölbedrucks zu sehen, wie sie heute noch vorhanden sind. Die Kapelle ist übrigens von Bernd von Strünkede 1272 gebaut worden. Er war der ,,goldstrotzende Ritter" wie er genannt wurde.
Der Reliefstein ist aus dem weißlichen Baumberger Kreidesandstein gearbeitet. [1]

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Quellen

  1. Karl Brandt Aus: Herne - unsere Stadt - April 1965, S. 20