Der Hof Bergelmann - Teil 3

Von Leo Reiners

Der Hof Bergelmann
Seine Schicksale im vorigen Jahrhundert - Wie das Geschlecht Schulte zu Bergen und dann das Geschlecht Höltring auf den Hof kam – Bauliche Betrachtung

Zwar ist in den Protokollen über den Rückkauf des Hofes Bergelmann aus der Hand der Strünkeder der Vorname des Käufers, des „Kolonus“ Bergelmann niemals genannt, doch kennen wir ihn aus der Inschrift, die sich am Scheunenanbau des Hofes befindet. Diese Inschrift lautet:

Befiehl dem Herren deine Wehge und hoffe auf ihm er wird es wohl machgen. PSm 37 B3
Johann Henrich Bergelmann und Anna Maria Kopp Alel (Eheleute) Anno 1789 den 6. Oktober. M Hghr ( Meister Hangohr)

Danach ist der Ankäufer des Hofes Johann Henrich Bergelmann gewesen, der mit Anna Maria Kopp (Koop) verheiratet war. Die Inschrift des Balkens ist auch nur 2 Jahre älter als der Kaufabschluss.

Die genannten Eheleute hatten nun mehrere Kinder. Der älteste Sohn war Johann Wilhelm Bergelmann, ein anderer Georg Bergelmann, der in einer Akte von 1792 – damals lebte der Vater schon nicht mehr – als ein schwacher, gebrechlicher Mann bezeichnet wird, der zunächst auf dem Hofe wohnen blieb, aber 1811 als Tagelöhner in Eickel auftritt, auch die Tochter Anna Maria wird als kränklich bezeichnet (Sie ist 1809 unverehelicht gestorben), eine weitere Tochter Anna Margaretha hatte den Landwirt Hermann Asbeck geheiratet. Ein Sohn Heinrich ist 1796 gestorben. Johann Wilhelm Bergelmann, der am 17. Juni 1763 geboren war, heiratete am 14. Juli 1792 Maria Catharina Schulte zu Alstede (geb. 1755) deren Vater Georg Schulte zu Alstede und deren Mutter Anna Catharina geb. Rötger zu Bergen war.
In der noch erhaltenen Eheberedung von 1792 ist genau aufgeführt, was die Geschwister an Brautschatz und Ausrüstung und die Witwe Bergelmann als Leibzucht zu bekommen hatten. (Johann Wilhelm Bergelmann 5.1780) Dadurch kam sowohl männlicher - wie weiblicherseits ein ganz anderes Geschlecht auf den Hof.
Vor der Eheschließung wurde in Bergelmanns Hause vor dem Bochumer Notar Elscheidt und den Zeugen Pastor Westhoff, Pastor Wessing, Johann Henrich Rensinghoff und Johann Wilhelm Schlenkhoff ein Gütergemeinschafts- und Schenkungsvertrag geschlossen, wonach dem überlebenden Ehegatten das gesamte Vermögen und Eigentum verbleiben sollte. Hermann Asbeck und Georg Bergelmann erhielten für Rückstand aus der ihnen zustehenden Abfindung an Brautschatz und Ausrüstung 300 bzw 250 Reichstaler Gemeingeld. Johann Diederich Schulte zu Bergen und Maria Catharina Schulte zu Alstede erbauten den jetzigen Hof, wie die Inschrift des Deelentorbalkens beweist, die lautet:

JDSCHU MCSCHU
LTE Z B LTE Z A
Wachet denn ihr wissed weder Tag noch Stunde der Herr kommen wird. Mat. 35 B 13
Nun so will ich immerdar kämpfen, beten, wachen zu entfliehen der Gefahr stets mich fertig machen. Anno 1821 den 10. Julius M.D. Knap

Die so rätselhaft erscheinenden Großbuchstaben bezeichnen Johann Diedrich Schulte zu Bergen und Maria Catharina Schulte zu Alstede, die nach Angabe der Inschrift 1821 durch den Zimmermeister Diedrich Knap den Hof neu erbauen ließen. (Über weitere bauliche Einzelheiten soll weiter unten gesprochen werden.) Maria Catharina Schulte zu Alstede starb im Alter von fast 75 Jahren am 23. April 1830. Damals war ihr Ehemann 50 Jahre alt. Da er kinderlos war, versteht man, dass er, wie es auch seine verstorbene Frau getan hatte, zur zweiten Ehe schritt. Am 8. September 1831 heiratete er Anna Maria Koop aus Baukau, die ihm sogar noch zwei Kinder gebar, Johann Diederich (geb. 3. August 1832) und Maria Catharina (geb. 1834, gestorben 1836) Er starb am 25. Oktober 1837.
Am 23. Juli 1838 heiratete seine Witwe zum zweiten Male und zwar vermählte sie sich mit Johann Heinrich Höltring aus Hiltrop. Dieser Ehe entsprossen noch der spätere Landwirt Heinrich Hölting zu Herne, der spätere Landwirt Friedrich Hölting zu Herne, Lisette Höltring, die den Landwirt Heinrich Lerhove in Heßler heiratete und Maria Catharina Höltring, die sich dem Kaufmann Heinrich Grümer in Herne vermählte.
Erbe des Hofes war aber zunächst der Sohn aus erster Ehe, Johann Diederich Schulte gt. Bergelmann, dessen Vormund der Bruder der Mutter, der Landwirt Wilhelm Koop zu Baukau war. Die Eheleute Höltring - Koop hatten gemäß dem zwischen Joh. Died. Schulte und seiner zweiten Frau vereinbarten und vor Notar und Zeugen "in einem oberen Zimmer" des Hofes, wo Joh. Died. Schulte bettlägerig lag, errichteten Testament vom 16. August 1837 nur ein Verwaltungs- und Nießbrauchrecht an dem Hofe und dem Vermögen bis zum 32. Lebensjahre des Erben, d.h. bis zum 3. August 1864. Von diesem Tage an war der junge Schulte gt. Bergelmann Herr des Hofes, hatte aber auf Grund des genannten Testamentes die Pflicht, Mutter und Stiefvater die Leibzucht zu gewähren und die Halbgeschwister von dem Gesamtvermögen abzufinden. Worin die Leibzucht und die Abfindung bestehen müßten, sollte durch schiedsrichterliches Urteil der beiden nächsten männlichen Verwandten und, wenn diese sich nicht einigen sollten, durch obmännliches Gutachten der evangelischen Geistlichen zu Herne, gegen das es keinen Widerspruch und keinen Rechtsweg geben sollte, festgestellt werden. Am 25.3.1898 ist er unverheiratet gestorben und seine Erben wurden die schon genannten vier Halbgeschwister bzw. für die schon verstorbene Frau Grümer deren Sohn, der Kaufmann Ludwig Heinrich Grümer.
Von diesen Erben erwarb dann im Jahre 1908 die Stadt Herne das Bergelmannsche Besitztum, da die Absicht bestand, auf den Bergelmannschen Ländereien das Rathaus und auch andere behördliche Bauten zu errichten. Die beiden Brüder Höltring durften aber bis zu ihrem Tode auf dem Hofe wohnen bleiben. Der letzte - Heinrich Hölting, ist 1921 gestorben, 1922 bezog der Pächter Piepgras den Hof.

Zum Schluss wollen wir uns noch mit den Gebäulichkeiten des Hofes Bergelmann befassen. In der Katasterurkarte von 1823 steht das jetzige Bauernhaus (es wurde ja 1821 errichtet) verzeichnet, doch fehlte der an der Längsseite nach Norden angesetzte Anbau mit der Balkeninschrift von 1789. Dafür stand an der Stelle, wo sich heute das Markt- und Bedürfnishäuschen befindet, ein Scheunenbau, der in der Zeit zwischen 1823 und 1870 verschwunden ist, während gleichzeitig und als Ersatz für ihn der Anbau an das Haupthaus entstand. Es ist daher anzunehmen, dass der Balken am Anbau mit der Jahreszahl 1789 von dieser verschwundenen Scheune stammt. Keinesfalls ist der Anbau aber, wie man nach der Jahreszahl annehmen sollte, schon 1789, also vor dem Bau des jetzigen Haupthauses, entstanden.

Die alten Karten sowie ältere Photographien zeigen auch, dass der Anbau früher in der Mitte der Längsseite angelegt war. Heute schneidet er mit dem Giebel ab. Das kommt daher, dass bald nach mit dem 1912 erfolgten Bau des Rathauses der ganze westliche Teil des Bauernhauses abgebrochen wurde, um die Kronprinzenstraße zwischen Rathaus und Schule durchzulegen. In diese Straße reichte nämlich der Bauernhof weit hinein. Da man den alten Giebel mit dem Deelentor wieder verwandt und an das verkürzte Haus setzte, fällt die Verstümmelung nicht auf. Sie hat aber bewirkt, dass die Deele heute nur noch 6-7 Meter lang ist.
Im Jahre 1909 waren schon zwei andere Gebäude verschwunden, und zwar das Backhaus, das an der südöstlichen Gartenecke lag, und ein Gebäude, das im Bereich des heutigen Gefängnisses seinen Standort hatte. Es stand mit der Längsseite zur durchgelegten Kronprinzenstraße, während ein 1823 verzeichneter kleinerer, näher am Hause gelegener Vorgänger quer dazu stand. Hierbei muss es sich um ein Leibzüchterhaus gehandelt haben, denn im Feuerstättenverzeichnis von 1664 wird erwähnt, dass Bergelmann zwei Feuerstätten hatte, "deren eine sein Vorgesessener, der Alte, bewohnt".
Zu erwähnen bleibt noch, dass zum Hofe ein Feuerlösch- und Ententeich gehörte, der sich nördlich an das 1909 abgebrochene Nebenhaus anschloss und heute vom Amtsgericht überbaut ist. Der ganze Hof war idyllisch in einen reichen alten Baumbestand (hauptsächlich Obstbäume) eingebettet, von denen jetzt nur noch ganz spärliche Reste vorhanden sind.

Wenn jetzt auch die bäuerliche und Familiengeschichte des Hofes der Vergangenheit angehört, so bleibt er doch ein der Pflege würdiges Idyll aus dem früheren Herne, das zu erhalten die Stadtverwaltung bestrebt sein sollte, solange nicht städtebauliche Notwendigkeiten des Behördenviertels etwas anderes verlangen. [1]

Verwandte Artikel

Quellen und Anmerkungen

  1. Leo Reiners Herner Anzeiger 2. Mai 1936