Cremers Hof

Aus Hün un Perdün
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Cremers Hof
HZ-1928-06-09-Cremers-Haus.jpg
Bildinfo: Cremers Hof um 1928
Stadtbezirk: Herne-Mitte
Ortsteil: Herne
Kartengitter: g5

Der Cremers Hof war ein ehemaliges Gutshaus am Rande des Dorfes Hernes. Heute befindet sich der "City Center".


1928

Cremers Hof Die Geschichte eines alten Hauses - Ein sterbender Zeuge aus Hernes alten Tagen

"Das Alte stürtzt, es ändert sich die Zeit
Und neues Leben blüht aus den Ruinen."

"Endlich!" wird so mancher denken, der in diesen Tagen die obere Bahnhofstraße entlang geht, wo, wie wir bereits kurz berichteten, die Handwerker am Werke sind, das alte Cremersche Haus dem Erdboden gleichzumachen. Gewiß, es bildete mit seinem verwitterten, rauchgeschwärzten Aeußeren nicht mehr gerade eine Zierde der Stadt, ganz abgesehen davon, daß die über die Fluchlinie vorspringende Gartenmauer ein Verkehrshindernis bildete, das auf die Dauer nicht bestehen bleiben konnte; und dennoch mischt sich für den, der gern den Erzählungen aus vergangenen Tagen lauscht und über der vorwärtsstürmenden Gegenwart mit ihrer Unrast und ihren täglich und stündlich neu vor jeden hintretenden Aufgaben nicht das übersehen möchte, was hinter und liegt, aus dem wir geworden sind, leise Wehmut in das zukunftswiesende, neue Leben Platz schaffende Hämmern der Aexte, unter deren wuchtigen Schlägen das alterhrwürdige Fachwerkhäuschen in Schutt und Asche sinkt.

Rund 90 Jahre war es ein Mittelpunkt wirtschaftlichen, kommunalen und gesellschaftlichen Lebens, namentlich zu der Zeit, da Herne noch dörflichen Charakter trug. erbaut von einem Herrn Hochstrate, in dessen Familie es viele Jahre verblieb, diente es als Wirtshaus, mit dem auch eine Brennerei und Brauerei verbunden war. Außer einem kleinem Saal hinter dem Hause, zog ein größerer rechts seitlich die Aufmerksamkeit auf sich.

Kein Wanderer ging vorbei, ohne Einkehr zu halten und für die "Pohlbürger" was Hochstrates Haus der Sammelplatz geselligen Lebens. Sollte ein Volksfest gefeiert werden, so geschah es in der Reghel in einem seiner Säle. erwähnt sei hier nur das großzügig angelegte Friedensfest im Herne 1871.

Das Haus diente auch kommunalen Zwecken, hier erschien der Steuereinnehmer von dem Amte Herne, das vor Zeiten seine Grenzen über Eickel hinaus ausdehnte; hier tagten die Vertreter des Amtes und der Gemeinde. Kurz, was es auch immer gab, Hochstrates Haus war der Mittelpunkt des Geschehens und in ihm spielte sich ein großer Teil des gesamten Lebens von Alt=Herne ab, bis im Winter 1880 zu 81 ein heftiger Schneesturm das Dach des einen Saales zum Einsturz brachte. Da es an Mitteln zum Wiederaufbau fehlte, brach man den Saal vollends ab, wodurch der Wirtschaft ein gut Teil ihrer Anziehungskraft verloren ging. Die Erben Hochstrate hatten infolge dessen bald kein Interesse mehr an ihrer Weiterführung und veräußerten das Anwesen im Jahr 1881 an Friedrich Cremer, den Sohn des ehem. Maires Cremer, der viele Jahre die Geschicke der Gemeinde geleitet hatte. Damit hielt ein Geschlecht auf dem Grundstück Einzug, das mit der Geschichte und Entwicklung unserer Stadt aufs innigste verbunden ist.

Der neue Besitzer stellte den Betrieb um. Die Gastwirtschaft verschwand, denn fortan sollte das Anwesen landwirtschaftlichen Zwecken dienen.

Friedrich Cremer, damals Vorsteher der Gemeinde Herne und nach der Stadtwerdung unbesoldeter Beigeordneter der jungen Stadt, ein Amt, das er bis zu seinem im Jahre 1920 erfolgten Tode beibehielt, betrieb die Landwirtschaft auf seinem Besitztum etwa 30 Jahre lang, bis auch er vor der industriellen Entwicklung kapitulieren mußte. Unter ihm erlebte das alte Haus einen neuen Aufschwung. Mit seinem sauberen Anstrich, dem freundlichen Vorgarten und den alten schattenspendenden Bäumen belebte es die damals noch wenig bebaute Bahnhofstraße und machte auf Einheimische und Fremde einen einladenden Eindruck, ein würdiges Heim des Mannes, der sich um unsere Stadt große Verdienste erworben hat, deren Anerkennung durch die Anbringung seines Bildnisses im Magistratssitzungssaale zum Ausdruck gebracht wurde. Sein reiches Wirken in der Oeffentlichkeit beschränkt sich nicht nur auf die Stadt, sondern darüber hinaus war Friedrich Cremer 12 Jahre hindurch Provinziallandtagsabgeordneter für den Landkreis Bochum, 25 Jahre Mitglied des Bezierksausschusses bei der Regierung in Arnsberg und weiterhin langjähr. Vertrauensgutachter der Landerichte Bochum, Dortmund und Essen sowie der Oberlandesgerichte Hamm und Düsseldorf.

Nach seinem Tode ging das Anwesen auf die Erbengemeinschaft Cremer und damit auch auf Fritz Cremer, den Gründer des Bürgerlichen Brauhauses Herne, dessen Vorstand er 30 Jahre lang bis zu der im Jahre 1927 erfolgten Fusion mit der schlegel=Brauerei war und letzten in Herne noch ansässigen Träger des Namens Cremer.

So sind es reiche Erinnerungen, die sich an das alte Haus knüpfen, das nunmehr den Forderungen einer neuen, nach moderner Gestaltung verlangenden Zeit weichend, dem Erdboden gleichgemacht wird. Und wieder ist es der Name Cremer, der sich auch mit der Zukunft verbindet, wird sich doch noch im Laufe des Sommers phönixgleich aus den Trümmern des alten Amwesens ein gebäude erheben, das der Stadt zur Zierde und seinen Erbauern zum Lobe gereicht wird.

Plaung des Architekten Eugen Sprenger

Das neue Gebäude, dessen Entwurf vom Architekten Sprenger stammt, nimmt die ganze, 70 m lange, Front ein, von der Besitzung Jansen bis zum alten Amtsgericht (jetzt Polizeiamt). Aus der wirtschaftlichen Not heraus musßte man bei der Projektierung des Bauvorhabens darauf verzichten, einen monumentalen, die ganze Breite des Grundstückes einnehmenden Hochbau auszuführen, sondern man entschloß sich, einen Flachbau zu errichten, der vorläufig als Provisorium auf die Dauer von 15 Jahre gedacht, später evtl. ausgebaut oder wieder abgerissen werden soll. Wie die Abbildung zeigt, handelt es sich um einen lediglich Geschäftszwecken dienenden Bau, der eine Flucht, teils größerer, teils kleinerer Ladenlokale in sich aufnehmen wird. Obgleich der Architekt vor der nicht leichten Aufgabe stand, unter Berücksichtigung städtebaulicher Gesichtspunkte und unter Vermeidung des bei Flachbauten leicht geweckt werdenden Eindrucks des Barackenhaften und Provisorischen, die Front von 70 Metern aufzuteilen und zu gleidern, darf man sagen, daß sie in glückhafter Weise gelöst worden ist. Die gegebene Horzontale erfährt durch die schlichte, aber würdige Betonung der Mittelpartie, die leicht hervorspringt und durch einen die Inschrift "Cremers Hof" tragenden Aufbau bekrönt ist, eine vertikale Unterbrechnung und wird damit der Gefahr der Monotie entrückt. Die Verblendung des Gebäudes erfolgt in Naturstein. Die architektorische Silhouette wird abend durch eine über die ganze Länge des Hauses sich erstreckende Lichtanlage betont, wodurch gleichzeitig das Straßenbild eine wirksame Belebung erfährt und das bisher an der oberen Bahnhofstraße gleichsam abgeschnittene geschäftliche und Verkehrslaben einen neuen Impuls erhält. Bisher bildete die in die Fluchtlinie ragende Gartenmauer des alten Cremerschen Hauses gewissermassen den südlichen Endpunkt der Herner "City". Dadurch, daß das neue Geschäftshaus an de Einmündung der Mont-Cenis-Straße, der Verbindung mit dem neuen Stadtteil Sodingen steht, eröffnet sich auch in dieser Hinsicht Perspektiven auf eine geschäftliche Belebung, die dem südlichen Stadtteil zum Vorteil gereichen wird." [1]

Der Historische Verein "Hün un Perdün" Herne e.V. veröffentlicht diesen Artikel/Text, dieses Zitat, unzensiert ggf. für das Wiki bearbeitet. Jedoch weisen wir darauf hin, dass dieser Text nur im Zusammenhang seiner Entstehungszeit zu betrachten und kritisch zu hinterfragen ist. Nach wie vor hat er aber einen lokalgeschichtlichen Wert. Als historisches Dokument stellt er einen Diskussionsbeitrag dar, der heutige Sichtweisen bestätigen oder ergänzen kann.




1935

Sammlung Leifels (keine Weitergabe)
Wenn wir im einzelnen aufzeigen wollen, welche Häuser bzw. Hausgrundstücke die ältesten auf der Bahnhofstraße sind und wie sich der Fortschritt der Besiedlung vollzogen hat, so müssen wir mit dem sog. „Cremers Hof“ anfangen, dessen Name allerdings nicht der ursprüngliche ist. Er ist nämlich von Hochstrate gt. Jasper erbaut worden. Die Jaspers besaßen einen Kotten am Steinweg. Der 1773 geborene Friedrich Wilhelm Jasper hatte nur zwei Mädchen, von denen die jüngere, Anna Charlotte Maria, sich im April 1829 mit Friedrich Wilhelm Hochstrate aus Blankenstein verheiratete. Das Ehepaar übernahm durch Uebertragsvertrag vom 1. 7. 1833 gegen Leibzucht und Abfindung der älteren Schwester den Kotten. 1843 verkauften sie ihn an den Zimmermann Wilh. Garmshausen aus Hiltrop, der ihn 1862 an den Nachbarn Schlenkhoff gt. Dux weiter veräußerte. Der Verkauf an Garmhausen konnte geschehen, weil die Eheleute Hochstrate gt. Jasper sich ein neues Eigentum am der Bahnhofstraße erbaut hatten. Das Grundstück war durch Vertrag vom 22. 4. 1841 vom Presbyterium der evgl. Gemeinde in Erbpacht erworben worden. Hochstrate hatte ein Erbstandskapital von 200 Talern pro Scheffelse (zu 104 Ruten gerechnet), das waren insgesamt 1253 Taler 13 Sgr. 10 Pfg., sowie einen jährlichen Erbpachtzins von 37 Talern 18 Sgr. 1 Pfg. zu zahlen, wofür der Besitz auf ihn überschrieben wurde. Er erbaute auf dem Grundstück ein Wohnhaus, ein Brenn- und Brauhaus, Scheune und Stallung, führte also Brauerei und Wirtschaft. Im Jahre 1862 wurde der Besitz auf den Sohn Friedrich Wilhelm Hochstrate gt. Jasper jr. Übertragen, der seine Geschwister (Lisette, verehelicht mit Schmiedemeister Wilh. Sassenhoff, Heinrich und Wilhelm Heinrich) abfinden mußte. Als der neue Eigentümer 1875 starb, hinterließ er ein Kind, die 5jährige Anna Catharina, über die der Oekonom Ludwig Schlenkhoff die Vormundschaft übernahm, während die Witwe Wilhelmine Charlotte geb. Henrici den Gastwirt und Conditor Haarmann in Witten heiratete. Der Besitz war aber derart überschuldet, daß eine Erbteilung nicht erfolgte, vielmehr kam es 1881 zur Zwangsversteigerung, bei der der „Landwirt und Gerichtstaxator“ Fried. Cremer, der spätere Gemeindevorsteher, das Besitztum erwarb. Seit dieser Zeit hat sich der Name „Cremers Hof“ eingebürgert. Allerdings stand zuletzt von den ursprünglich Hochstate-Jasperschen Gebäuden nur noch das Wohnhaus, an das Stall und Fruchtscheune angebaut worden waren, während die Brennerei- und sonstigen Nebengebäude verschwunden waren. 1928 enstanden anstelle des alten Hofes die einstöckigen Ladenbauten an der Bahnhofstraße, die heute noch den Namen „Cremers Hof“ tragen. [2]
Der Historische Verein "Hün un Perdün" Herne e.V. veröffentlicht diesen Artikel/Text, dieses Zitat, unzensiert ggf. für das Wiki bearbeitet. Jedoch weisen wir darauf hin, dass dieser Text nur im Zusammenhang seiner Entstehungszeit zu betrachten und kritisch zu hinterfragen ist. Nach wie vor hat er aber einen lokalgeschichtlichen Wert. Als historisches Dokument stellt er einen Diskussionsbeitrag dar, der heutige Sichtweisen bestätigen oder ergänzen kann.




Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Herner Zeitung 7. Juni 1928
  2. Leo Reiners: Herner Anzeiger 02. November 1935: Aus der Geschichte der Bahnhofstraße Teil II.