Bergmannssprache

Die Bergmannssprache ist eine berufsgruppenspezifische Fachsprache im Bergbau. Sie zeichnet sich durch Schaffung und Entwicklung eigenständiger oder abgewandelter Termini aus. Neben vielen Fachtermini haben auch derbe Worte aus der Alltagssprache Aufnahme gefunden. Die Bergmannssprache gehört zu den ältesten Fachsprachen; bereits aus dem 13. Jahrhundert sind Ausdrücke belegt. [1] Die Sprache ist über Jahrhunderte gewachsen und bewahrt dadurch häufig alte Wortformen und Bedeutungen, die in der modernen Sprache bereits ausgestorben oder verdrängt sind, wie sprachwissenschaftliche Vergleiche zeigen. [2]

Die ersten Glossare der Bergmannssprache lassen sich zu Beginn des 16. Jahrhunderts finden. Bereits in der zweiten Auflage des Bergbüchleins von Ulrich Rülein von Calw aus dem Jahre 1518 [3] findet sich ein achtseitiger Anhang zu „Bercknamen, den anfahrenden Bergleuten vast dienlich“, der die Unterschiede zwischen bergmännischen und allgemeinsprachlichen Ausdrücken erläutert. Besondere Bedeutung kommt den Schriften Georgius Agricolas zu, dessen 1528 erschienene Abhandlung „Bermannus, sive de re metallica dialogus“ („Gespräch vom Bergwesen“) unter anderem eine Liste von 76 Fachtermini enthält. Seine nach seinem Tod veröffentlichten „De re metallica libri XII“ („XII Bücher vom Berg- und Hüttenwesen“) (1566) enthalten ein umfangreiches Glossar bergmännischer Ausdrücke und Redensarten. Ab dem 17. Jahrhundert wurden echte Wörterbücher der Bergmannssprache veröffentlicht, etwa das bekannte „Ausgeklaubte Gräublein Ertz“ von G. Junghans (1680). [3] Mitte des 19. Jahrhunderts umfasste der Wortschatz der Bergmannssprache vermutlich über 10.000 Wörter. [4]

Da der deutsche Bergbau besonders im 18. Jahrhundert weltweit als führend in der Bergbautechnik galt, verbreiteten sich deutsche bergmännische Termini als Lehnworte in andere Sprachen, so z. B. ins Russische. [5] Alexander von Humboldt verfasste seine geologischen Aufzeichnungen, entgegen seinen sonstigen Gewohnheiten, stets in Deutsch unter Verwendung der Bergmannssprache, um sich möglichst fachlich präzise ausdrücken zu können. [6]

Ursprungstext mit Autorenverzeichnis

Lesen Sie auch

Einzelnachweise

  1. Astrid Stedje, Heinz-Peter Prell: Deutsche Sprache gestern und heute: Einführung in Sprachgeschichte und Sprachkunde. (= Uni-Taschenbücher. Band 1499). 2007, S. 257.
  2. Herbert Wolf: Studien zur deutschen Bergmannssprache in den Bergmannsliedern des 16.–20. Jahrhunderts. (= Mitteldeutsche Forschungen. Band 11). Max Niemeyer Verlag, 1958.
  3. 3,0 3,1 Lothar Hoffmann, Hartwig Kalverkämper, Herbert Ernst Wiegand: Fachsprachen: ein internationales Handbuch zur Fachsprachenforschung und Terminologiewissenschaft. Band 1, Walter de Gruyter, 1997, S. 1931ff.
  4. Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft. Band 3, Verlag der H. Laupp’schen Buchhandlung, 1846, S. 437.
  5. Lore Trebbin: Die deutschen Lehnwörter in der russischen Bergmannssprache. (= Veröffentlichungen der Abteilung für Slavische Sprachen und Literaturen des Osteuropa-Instituts (Slavisches Seminar) an der Freien Universität Berlin. Band 12). Harrassowitz, Wiesbaden 1957.
  6. Ulrike Leitner: Studia Fribergensia: Vorträge des Alexander-von-Humboldt-Kolloquiums in Freiberg vom 8. bis 10. November 1991. (= Beiträge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung. Band 18). Akademie Verlag, 1994, S. 40.