Aus der Geschichte des Juckweges II

Aus Hün un Perdün
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Von Leo Reiners

Aus der Geschichte des "Juckweges"

Die ältesten Häuser auf der Nordseite

Kehren wir, nachdem wir die südliche Seite abgeschritten sind, auf der nördlichen Seite der Von-der-Heydt-Straße zur Stadtmitte zurück, so fällt uns als erstes ein kleines einstöckiges, nur zwei Fenster breites altes Häuschen auf, das in Fachwerk errichtet und mit Brettern verschalt ist, das Haus Nr.

68

Der Grund an der Nordseite des „Juckweges“ (ehemalige Koppelheide) gehörte von hier bis zum Westbach dem Kötter Grüter, der Ecke Rosen- und (alter) Steinweg wohnte (später Rembert). Von den Eheleuten Arnold Grüter und Anna Catharina, geb. Lehmbrink (deren Tochter Lisette einen Rembert heiratete) kaufte 1855 der Weichensteller Caspar Huffmeier die Grundstücke des Häuschens Nr. 68 (Wiese und Garten) für 283 Taler 10 Sgr. Es heißt allerdings: „nebst dem darauf erbauten Hause“. Demnach müsste das Häuschen schon von Grüter erbaut worden sein, doch scheint damit der niedrige Kaufpreis schlecht vereinbar. Im Jahre 1856 werden 600 Taler Darlehen zugunsten des Landwirts Heinrich Breilmann auf dem Grundstück „nebst Gebäulichkeiten“ eingetragen, so dass die Wahrscheinlichkeit besteht, dass Huffmeier die Schuld wegen des vorher erfolgten Hausbaues aufgenommen hat. Immerhin dürfte durch diese Nachrichten das kleine Häuschen Nr. 68 als ein besonders altes Gebäude am „Juckweg“ erwiesen sein. Im Jahre 1883 kam das Besitztum an den Maschinenwärter Friedrich Huffmeier, 1929 an seinen Erben Friedrich Huffmeier, 1934 an den Maurer Albert Modrow. Die einst nach einer Lücke folgenden Häuser

60 und 58

hat der Maurer Dietrich Dietze erbaut, der das Grundstück als Wiese 1856 von Grüter für 250 Taler kaufte. Es entstanden zwei Wohnhäuser, von denen eins (Nr. 58) mit Schlachthaus und Stallung versehen wurde. Das zweistöckige Haus mit der Metzgerei Dietze ist heute noch das alte, das Haus Nr. 60 dagegen ist neueren Datums. Es wurde 1906 anstelle des alten erbaut. Im Jahre 1887 kamen beide an Metzger Friedrich Dietze, 1915 an dessen Witwe und Kinder. Die Nachbarhäuser Nr.

56 und 54

die aneinanderstoßen, haben auch eine gemeinsame Anfangsgeschichte. Das Grundstück erwarb 1858 der Tagelöhner Joh. Heinrich Nordsiek als Wiese für 335 Taler 15 Sgr. von dem Kötter Grüter. Er erbaute darauf zwei kleine Wohnhäuser, von denen das einstöckige Haus Nr. 56 noch steht, während das Haus Nr, 54 seit 1898 ein dreistöckiger "Neubau" ist. Das erstgenannte Haus ging 1876 auf den Weichensteller Joh. Wilh. Hengst über, der 1897 das etwas eigentümliche Hinterhaus erbauen ließ, 1903 auf die Witwe und deren Kinder, noch im gleichen Jahr auf die Eheleute Tagesarbeiter Richard Harker und Maria, geb. Hengst. Das Haus Nr. 54 dagegen, das 1876 für den Weichensteller Friedrich Nordsiek eingetragen wurde, erhielt um 1890 ein Backhaus. Das Wohnhaus wurde 1898 abgerissen und als Wohn- und Geschäftshaus mit Maschinenhausanbau neu erbaut. Hier wirkt der Bäcker Friedrich Nordsiek, der jetzt Eigentümer ist. Die nun folgenden Häuser

52 und 50

können ebenfalls gemeinsam behandelt werden. Der Schreinermeister und Wirt Wilhelm Sehrbruch kaufte die Parzelle des Hauses Nr. 52 im Jahre 1865 von dem Kötter Diedrich Arnold Grüter für 420 Taler und bebaute sie, verkaufte sie aber 1867 an den Wirt Heinrich Bohnenkamp für 1800 Taler. Im Jahre 1872 ging der Besitz für 2475 Taler auf den Bäcker Fr. Wilh. Asbeck über. Dieser erwarb die Nachbarparzelle hinzu und errichtete darauf (vor 1877) das Haus Nr. 50. Im Jahre 1888 wurde der Bäcker und Wirt Heinrich Nordsiek Eigentümer beider Häuser. Von diesem übernahm sie der Kaufmann Wilhelm Nordsiek jr., der das Haus Nr. 52 1897/98 durch einen Neubau ersetzte. 1902 kamen beide Häuser an den Kaufmann Wilhelm Sacher. Seit 1928 gehören sie Eduard Sacher. Das Nachbarhaus Nr

48 und 48a

ist ein langgestrecktes, zweistöckiges Haus mit zwei Eingängen, dessen östlicher Teil erst 1898 erbaut wurde. Den übrigen Teil des Hauses hat der Maurer Johann Stücke erbaut, nachdem er das Grundstück im Jahre 1875 von Grüter erworben hatte. Im Jahre 1898 ging es auf seine Witwe und seine sechs Kinder über, 1910 auf die Eheleute Maurer Philipp Müller und Anna, geb. Stücke. Das nächste alte Haus ist Nr.

44

ein zweistöckiger verputzter Bau. Am gleichen Tage wie Stücke erwarb 1875 der Fuhrmann Peter Schaps das Grundstück von Grüter und erbaute darauf das Haus Nr. 44, 1884 kam es an den Maurer Hermann Böing, der vor dem Kriege das Wohn- und Geschäftshaus Nr. 46 daneben baute, und 1923 an die Witwe Böing und ihre sieben Kinder. Das Haus Nr.

42

ein zweistöckiges Backsteingebäude, ist von dem Steiger Wilhelm Sens errichtet worden, der das Grundstück (Wiese) 1874 von Grüter erwarb. Im Jahre 1897 ging das Besitztum auf die Witwe und ihre 7 Kinder, 1900 in der Zwangsversteigerung auf Karl Siekmeyer zu Baukau über, 1931 auf dessen in Berlin und Breslau verheirateten Töchtern. Die Häuser Nr. 40 und 38, die auf dem Sensschen Grundstück erbaut sind, führen an den Westbach heran. Auf dessen Ostufer (jetzt Eckhaus zum Fußgängertunnel - Zugang, liegt das einstöckige verputze Doppelhaus Nr

36/ 34.

Es ist auf dem vom Bach bis etwa zur heutigen Poststraße sich erstreckenden Anteil Rensinghoff-Schlenkhoffs an der Koppelheide 1887 entstanden. Von den Geschwistern Rensinghoff gt. Schlenkhoff ging das Haus Nr. 36 im Jahre 1896 auf den Schuhmacher Hermann Goebel über, 1913 auf dessen Sohn Heinrich, 1925 auf die mit einem Florenz Leineweber verheiratete Tocher, 1926 auf die Eheleute Nölle. Das Haus Nr. 34 kaufte 1896 der Maurer Heinrich Welling, von dem es 1913 der Bergmann August Welling übernahm. Das Haus Nr.

30

ein zweistöckiger Backsteinbau an der Ecke der Grabenstraße, ist kurz nach 1877 entstanden und in den Stückvermessungsriss nachgetragen. (Der Wirt Andreas Funke hat das Grundstück 1878 als Wiese aus dem Rensinghoff- Schlenkhoffschen Anteil an der Koppelheide von der Frau des Fabrikanten Sickel erworben und bebaut, 1885 ging der Besitz auf die drei auswärts wohnenden Kinder Funke über, 1886 bei der Versteigerung auf die Witwe des Maurermeisters Franz Krauß, die ihn im gleichen Jahre an den Anstreichermeister Hubert Hestermann verkaufte; 1901 kam er durch erneute Zwangsversteigerung an den Bäckermeister Wilhelm Nagel). Dagegen ist das Haus Nr.

28

schon bei der Katasteraufnahme von 1877 dagewesen. Es entstand auf dem Grundstück der Geschwister Rensinghoff gt. Schlenkhoff, von dem ein Teil an die Witwe Schlenkhoff, Alwine geb. Weusthoff, die in zweiter Ehe den Fabrikanten Sickel heiratete, gekommen war. Das Grundstück des Hauses Nr. 28 wurde im Jahre 1876 (als Wiese bezeichnet) an den Metzger Aaron Marx verkauft, der darauf Wohnhaus und Schlachthaus erbaute. Im Jahre 1902 kam es an die Witwe und ihre 8 Kinder, 1908 an die unverehelichte Emma Marx, 1909 durch Zwangsversteigerung an den Metzgermeister Heinrich Schöler, 1911 an dessen Ehefrau und 1932 an die Ehefrau Karl Stratmann geb. Schöler.

Damit ist die Reihe der alten Häuser auf der Nordseite der Von-der-Heydt-Straße erschöpft. Von Marx bis zur Bahnhofstraße war alles unbebaut, die jetzigen Häuser stammen erst aus jüngerer Zeit; zu beiden Seiten der Poststraße ist heute noch unbebautes Gelände.

Aus dem vorigen Artikel ist zu berichten, dass das Haus Von-der-Heydt-Straße 29 (Ecke Poststraße) im Besitz der Familie Gatzmann geblieben ist und 1910 nur eine Straßenparzelle an die Stadt Herne aufgelassen wurde. Aus der Kirchhofstraße ist berichtigend nachzutragen, daß der Anstreicher Friedrich Adolphen zunächst das nach Ellichsen älteste Haus der Kirchhofstraße (heute Schneider) baute und später erst das Haus des Schmiedemeisters Schröder auf dem Adolphschen Gartengrundstück entstand. [1]

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Quelle

  1. Leo Reiners 14. März 1936 Herner Anzeiger