Aus der Geschichte des Juckweges I

Aus Hün un Perdün
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von Leo Reiners

Aus der Geschichte des "Juckweges"

Die ältesten Häuser auf der Südseite der Von–der-Heydt-Straße


Bei der Untersuchung der Frage, wie die erste Bebauung des „Juckweges“, der heutigen Von-der-Heydt-Straße, erfolgt ist, waren wir auf der südlichen Seite zuletzt bis zur Drogerie Husemann an der Ecke der Poststraße gekommen. Diese Straße, die früher Gesellenhausstraße hieß, ist noch gar nicht alt. Das Haus an der Von-der-Heydt-Straße, das dieser Straße wegen weggebrochen werden musste, weil es im kommenden Fahrdamm lag, ist das Haus Hücker gewesen. Das Grundstück hatte ebenso wie das der Nachbarhäuser zu Koppenbergs Anteil an der Koppelheide gehört. Es war wahrscheinlich von Georg Wilhelm Koppenberg selbst mit einem Wohnhause bebaut worden, das er 1876 an den Schreiner Bernhard Hücker verkauft. Im Jahre 1878 kam es an den Bergmann Joseph Möller, 1880 wieder an den Schreiner Bernhard Hücker, 1888 an den Bahnwärter Heinrich Hücker, 1908 an die Stadt Herne, die es dann 1909 zum Bau der Poststraße abbrechen ließ.

Noch heute vermitteln die nun folgenden beiden roten Fachwerkhäuser einen Eindruck von der ersten Bebauung der Von-der-Heydt-Straße. Das Eckhaus, einstöckig, ist ebenfalls auf Koppenbergs Grund entstanden. Die Parzelle wurde 1874 als Acker an den Schreiner Batzmann, dem schon das Haus Von-der-Heydt-Straße 15 gehörte, verkauft. Dieser erbaute darauf, das jetzige Haus. Das Grundstück erbte 1889 der Schreiner Wilhelm Batzmannn jr., von der Witwe kaufte es 1910 die Stadt Herne.

Das zweistöckige rote Fachwerk-Nebenhaus

Nr. 33

wurde 1874 von dem Zimmermeister Joseph Hoppe erbaut, der das Grundstück in diesem Jahre von Koppenberg kaufte. Durch Zwangsversteigerung kam es 1876 an die Firma Alex Reischel in Dorsten; die Erben Reischel ließen es 1892 an den Rangiermeister August Blankenstein auf, 1909 erbten es die Töchter Anna und Emma Blankenstein, von denen die eine mit dem Straßenbahnoberkontrolleur Heinrich Brune, die andere mit dem Schreiner Ernst Steinheuer verheiratet war. Im Jahre 1918 ging es auf die Witwe des Bäckers Gerhard Stracke, 1919 auf den Schausteller Karl Stracke und 1931 auf den Bauunternehmer Paul Salisch über. Der Wohnungs- und Stallanbau brannte 1913 ab und wurde als Werkstatt wieder aufgebaut.

Das nächste alte Haus ist – durch jüngere Häuser von den vorgenannten getrennt- das Haus

Nr. 43.

Es liegt am Westbach, der zwischen diesem und dem nächsten Haus – in der Lücke, also über dem alten Bachbett, liegt die Lumpensortieranstalt Meyer – hindurch und im Bereich des Fußgängertunnels unter dem Bahnkörper her zur Moltkestraße fließt. Früher, als der Bach noch offen war, führte der „Juckweg“ hier über eine Brücke. Das Haus Nr. 43 ist auf einer Wiese entstanden, die bei der Teilung der Koppelheide an Schulte gt. Kortnack fiel und 1875 an den Anstreicher Robert Grünewald verkauft wurde. Dieser erbaute darauf das jetzt noch stehende mit schwarzem Schiefer verkleidete zweistöckige Haus. Der ebenfalls Schieferverkleidete niedrige Anbau fällt durch die schräge Giebelwand auf. Diese Schräge ist bedingt durch das ehemalige Bachufer des hier jetzt unterirdisch fließenden Westbaches .Das Grünewaldsche Haus ist, nachdem es noch ein Hintergebäude mit Wohnung hatte, 1896 an den Wirt Hermann Musebrink verkauft worden, der das Wohn- und Wirtshaus Nr. 41 östlich daneben erbaute. Im Jahre 1901 kam der Besitz an die Witwe Musebrink und ihre 11 Kinder, 1920 an den kürzlich verstorbenen Wirt Hermann Musebrink.

An der anderen Seite des Baches, in der sog. Vordersten Koppelheide, hatte der Bauer Sengenhoff bei der Teilung der Koppelheide Grundbesitz er halten. Heinrich Sengenhoff verkaufte 1873 die am Bachufer gelegene Parzelle an den Bergmann bzw. Handelsmann Karl Silbermann. Das zuerst entstandene Haus

Nr. 45

mit dem dahinter gelegenen Hause Nr. 41a haben 1878 erweiterten Gebäuden Platz gemacht. Damals lieh Silbermann offenbar für diese Bauten, die heute noch stehen (das Wohnhaus an der Straße ist ein zweistöckiger Backsteinbau) 4833 Mark von Heinrich Sengenhoff. Im Jahre 1881 wurde der Wirt Robert Silbermann Eigentümer, aber bereits 1883 kam das Besitztum zur Versteigerung, bei der der Kaufmann Anton Meinberg in Münster den Zuschlag erhielt. Dieser verkaufte 1885 das Besitztum an den Bauunternehmer Paul Kannewiescher in Dortmund, von dem es 1889 auf den Kaufmann Louis Bäumer in Lünen (später Dortmund) überging, den wir bereits als Mitbesitzer der Schlenkhoffschen Dampfmühle kennen gelernt haben und der über eine Menge Grundstücksbesitz in Herne verfügte. Von Bäumer kam es 1891 an den Schlossermeister Theodor Feuser, der die von ihm jetzt benutzte Werkstatt und andere Gebäude anbaute. Die Witwe Feuser verkaufte 1920 das Besitztum an die Kaufleute Moritz und Julius Meyer, seit 1925 ist Julius Meyer Alleineigentümer.

Neben Meyer befindet sich heute Anlauf. Das Grundstück, das ursprünglich bis zur heutigen Haldenstraße reichte und zu Sengenhoffs Anteil an der Koppelheide gehörte, war 1870 als Wiese von dem Zimmermann Wenzel Dördelmann in Datteln für 1731 Taler 24 Sgr. erworben worden. Durch Erbschaft kam es 1872 an den Drechsler Joseph Immkamp in Datteln, doch hatte bis 1873 auch Heinrich Sengenhoff noch Eigentumsrechte daran, die er sich bis zur völligen Bezahlung der Kaufsumme vorbehalten hatte. Der östliche Teil des Grundstücks, auf dem heute die Wirtschaft Anlauf steht, wurde als Hofraum mit Wohnhaus 1873 für den Fabrikarbeiter bzw. Wirt Peter Wirtgen aufgelassen. Doch scheint trotz der Bezeichnung "Hofraum mit Wohnhaus" Wirtgen damals das zweistöckige Haus der heutigen Wirtschaft erbaut zu haben. Nachdem um 1890 Saal und andere Gebäude angebaut worden waren, ging das Grundstück 1900 auf die Ehefrau des Wirtes Christian Krey, Maria geb. Kortendiek, über, 1911 kam es in der Zwangsversteigerung an die Ehefrau des Wirts Wilhelm Anlauf.

Die Nachbarparzelle kaufte 1873 aus dem von Dördelmann erworbenen Grundstück der Sekretär Karl Hövels, der darauf ein Haus

Nr.49

erbaute. dieses zweistöckige, verputzte Haus steht heute noch. Um 1899 entstand das Haus

Nr. 51

(gleichfalls von Hövels), 1899 ging der Besitz auf die Witwe Hövels, Gertrude geb. Tigges, und ihre Kinder über, 1908 auf den Kaufmann Julius Hövels.

Das Eckgrundstück an der

Haldenstraße

war aus dem Dördelmannschen Besitz 1872 als Wiese von dem Bergmann Heinrich Stackelbeck erworben worden. Das von ihm erbaute Haus fiel 1879 durch Zwangsversteigerung an die Sparkasse der Ämter Herne und Wanne, die 1000 Taler Darlehen gegeben hatte. (Das Jahr 1879 hat, wie auch die folgenden Häuser zeigen, eine Menge Zwangsversteigerungen gebracht.) Im gleichen Jahre kaufte der Steuerexekutor Johannes Schwarz das Grundstück, dessen Witwe in zweiter Ehe den Bergmann Joseph Rehrmann heiratete. Das alte Haus verschwand 1904 und es entstand der jetzige Eckbau, der heute dem Invaliden Rehrmann und 14 Miteigentümern gehört.

In der Haldenstraße stehen jetzt neben dem Eckbau zwei zweistöckige Wohnhäuser, Nr. 1 und Nr. 3. Diese hatten bereits einen Vorgänger in einem Häuschen, das der Maurer Heinrich Gerke aus Mengede an der Stelle des jetzigen Hauses Nr. 1 erbaut hatte. Den Bauplatz hatte er 1870 von Dördelmann, welcher, wie gezeigt, die ganze Ecke 1870 von Sengenhoff gekauft hatte, für 1650 Taler erworben und mit Wohnhaus und Stallanbau bebaut. Das Besitztum wurde aber 1879 zwangsversteigert und von dem Wirt Heinrich Nordsiek erworben, der 1890 die beiden jetzt auf dem Grundstück stehenden Häuser erbaute.

Das einstöckige Backsteingebäude Haldenstraße 5 steht auf einer bei der Teilung der Koppelheide an Rensinghoff gefallene Wiese. Diese kam 1879 in der Zwangsversteigerung an den Kaufmann Louis Bäumer in Lünen, 1881 an den Bergmann Heinrich Schumacher, 1898 an die Witwe und 8 Kinder, 1926 an Maria und Hermann Schumacher. Das Haus ist im Stückvermessungsriss von 1877 enthalten, nach dem Grundbuch müsste es allerdings erst 1881 von Schumacher erbaut sein.

Die westliche Ecke der Von-der-Heydt- und Haldenstraße wird von der Wirtschaft Nordsiek eingenommen. Auch hier war ursprünglich Wiesenland, das zu der Gemeinheit "Pratort" gehört hatte und bei der Teilung der Koppelheide und der benachbarten Gemeinheiten an den Kötter Hentrei auf der Rosenstraße gefallen war. Die Eheleute Georg Wilh. Lechtape und Anna Maria Christine Elisabeth Hentrei verkauften 1869 das Eckgrundstück für 954 Taler an den Stuhlmacher Wilhelm Röhring, der es bebaute. Im Jahre 1872 erwarb der Tagelöhner (später Wirt) Joh. Heinrich. Nordsiek das Grundstück für 5275 Taler. An Gebäuden waren 1877 vorhanden: Wohnhaus, Hintergebäude, Kegelhalle, noch ein Wohnhaus und Wohnungsanbau mit angebautem Stall.
Im Laufe der Zeit, vor allem 1901/02 sind diese Gebäude meist durch neue ersetzt oder erweitert worden, nur der auffallende alte Stallbau an der Haldenstraße aus Backstein erinnert noch an das Einst. Vom alten Nordsiek ist das Besitztum auf seinen Sohn, den Wirt und Bäcker Heinrich Nordsiek übergegangen, seit 1929 gehört es dessen Witwe.

Durch eine Lücke getrennt folgt auf Nordsiek das niedrige Doppelhaus von Kraus. Es ist noch das alte, das 1870 von dem Maurer Franz Kraus erbaut wurde. Dieser hatte 1869 von den Eheleuten Lechtape-Hentrei die beiden Grundstücke für 429 Taler 22 Sgr 6 Pfg. bzw. 365 Taler gekauft. Im Jahre 1893 ging das Besitztum auf den Sohn, Bauunternehmer Franz Kraus, 1930 auf dessen Sohn, den Architekten Franz Joseph Kraus, über.

Zu den alten Häusern der Von- der- Heydt-Straße gehört auch, wie man dem gepflegten Fachwerkbau ansieht, die Wirtschaft Möller an der Ecke der Brunnenstraße. Die Grundstücke hat der Holzschneider Heinrich Groppel von den Eheleuten Lechtape- Hentrei 1866 und 1869 für 658 bzw. 458 Taler 13 Sgr. gekauft. Es waren Acker und Wiese im "Pratort". Dass das Haus von vornherein Wirtschaft war geht daraus hervor, dass zu den ersten Gebäuden ein Kegelhaus gehörte. Im Laufe der Jahre wurden mehrere Anbauten an den Besitz angefügt. Im Jahre 1897 ging das Haus auf den Schichtmeister Christian Möller über, der mit Amalie, geb. Groppel, verheiratet war. Er war lange Jahre Stadtverordneter und ist vor einigen Jahren verstorben. Die Wirtschaft wird von seinem Sohne weitergeführt.

Die

Brunnenstraße

gehört zu den ältesten Wegen in Herne. Sie führte als Zugangsweg vom Juckweg in die Gemeinheit Pratort hinein. An der Ecke, wo jetzt die Wirtschaft Möller liegt, ging ein Fußweg ab, der durch das im Gebiete des heutigen Postamtes gelegene Wäldchen und an der Westseite des alten Friedhofes an der Kirchhofstraße vorbei zur Bahnhofstraße führte. Er kam beim jetzigen Heimatmuseum heraus und wird in der Katasterkarte von 1823 als "Fußweg von Baukau nach Herne" bezeichnet. Doch findet sich auch der Name Kirchweg, woraus hervorgeht, dass er hauptsächlich von den Baukauern benutzt wurde, wenn sie Sonntags nach Herne zur Kirche gingen. Dass die Brunnenstraße früher nur schmal war, erkennt man heute daran, dass sowohl die Wirtschaft Möller wie auch das Haus auf der gegenüberliegenden Ecke weit in die Straßenflucht hineinragen und den Eingang zur Straße erheblich verengen.

Das genannte zweite Eckhaus, ein zweistöckiger verputzter Bau, ist mit dem Namen bekannter Herner Familien verknüpft. Im Jahre 1866 kaufte der Bergmann Heinrich Bredenbröcker die Parzelle von Wilhelm Lechtape gt. Hentrei für 660 Taler 15 Sgr. und bebaute es mit dem jetzigen Hause, das 1872 für 2775 Taler von dem Schmiedemeister Wilhelm Albring in Baukau erworben wurde. Im Jahre 1885 wurde das Besitztum für den Brennereibesitzer Emil Husemann aufgelassen, der Brennerei- und Kesselgebäude anbaute, die später wieder verschwanden. An der Brunnenstraße entstanden auf dem Grundstück noch die Häuser Nr. 2 und 4, 1920 gingen dann alle 3 Häuser an den Schießmeister Julius Peters über.

Das nun folgende Haus

Nr. 69,

schon sofort durch seine Zinkblechverkleidung als alt zu erkennen, hat der Weichensteller Friedrich Dawin erbaut, der die Parzelle 1865 von Lechtape gt. Hentrei für 445 Taler kaufte. Im Jahre 1879 ging es auf die Witwe Dawin, Friederike, geb. Weite, 1889 auf den Bergmann Wilhelm Dawin über.

Das Nebenhaus

Nr. 71,

ein zweistöckiger Backsteinbau, ist ebenfalls noch das alte. Es wurde von dem Bahnmeister Friedrich Sabath errichtet, der das Grundstück ebenfalls von Lechtape gt. Hentrei für 416 Taler 20 Sgr. gekauft hatte. Von Sabath erwarb 1870 der Maschinenwärter Peter Nagel das Haus, dessen Witwe, Luise geb. Wippermann, bald darauf in 2. Ehe den Bergmann Friedrich August Bödeker heiratete. Im Jahre 1913 ging es auf den Fördermaschinisten Wilhelm Dawin aus dem Nachbarhause über. [1]

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Quelle

  1. Leo Reiners 29. Februar 1936 Herner Anzeiger