66er-Endspiel in Holland verfolgt

Die WM-Zeit verging wahrlich wie im Fluge. Das Herner Trio, Helmut, Walter und ich, hatte sich Mitte Juli 1966 auf den Weg in den wohlverdienten, damals noch recht kurzen Jahresurlaub gemacht. Es gings ans Meer, nach Holland, um genau zu sein, nach Katwijk. Eigentlich wollten wir unser 1000-Sterne-Hotel in Strandnähe aufstellen, doch da war kein Platz mehr frei. So ging es ab ins Hinterland, zwischen Kuhweiden und Entwässerungsgräben fanden wir jedenfalls noch einen akzeptabel Campingsplatz. Bald stellte sich heraus: Hier gab sich die Jugend Europas ein Stelldichein. Junge Niederländer, Belgier, Deutsche und sogar Briten hatten diesen Platz für ihre Urlaube ausgesucht. Anlaufpunkte waren der Gemeinschaftsraum (mit TV-Gerät) und eine große, grüne Wiese, die im Sommer 1966 schnell zum „WM-Austragungsort“ wurde.

Bald bildeten sich in Katwijk die entsprechenden Nationalteams. So standen sich dort tatsächlich die Mannschaften von Good Old England und Germany auf dem Platz gegenüber. Dieser Endspiel fand aber einen Tag vor dem legendären Spiel in Wembley statt.
Das Trio mit Helmut, Walter und mir ging siegreich aus dieser Mini-WM hervor. Eine Trophäe gab es nicht, dafür reichlich Blessuren, der Schmerz und vielleicht auch der Siegesrausch wurden anschließend mit ein paar kühlen Heinekes heruntergespielt.
Ich sah sich an diesem Abend noch gemüssigt, meine Freunde mit einer Runde Reibepfannekuchen zu verwöhnen, was aber auch die anderen Teams – soweit sie Reibeplätzchen kannten – in die primitive Vorzelt-Küche lockte.

Hans Tilkowski mit Ball in Aktion. [1]

Am anderen Tag, der Himmel war in ein tiefes Grau gehüllt, strömten fast alle Campingplatzgäste dem Aufenthaltsraum entgegen, um dort einen guten Platz vor dem kleinen Fernseher zu erhaschen. Doch wolkenbruchartige Regenfälle setzten dem niederländischen TV-Netz in der Küstenregion wohl arg zu. Nur schemenhaft konnten die anwesenden Briten, Niederländer, Beligier und Deutschen das Endspiel verfolgen.
Vor allem das Herner Trio drückte ihrem Idol, dem aus ihrer Heimatstadt stammenden Keeper Hans Tilkowski die Daumen. Doch dann fiel das entscheidende Tor, das bis heute noch immer für reichlich Gesprächsstoff sorgte. Der Jubel der Engländer, das Entsetzten der Deutschen an diesem 30. Juli 1966 ging in einem orkanartigen Regenschauer unter. Helmut, Walter und ich verließen schnell den Aufenthaltsraum, denn plötzlich rückte die Feuerwehr mit einem Pumpenwagen an, denn der Platz stand bereits knietief unter Wasser.

Hans Tilkowski und Friedhelm Wessel im Juni 2016. [1]

„Zeltabbauen, Klamotten in den VW-Käfer und schnell zurück nach Herne“, hieß es nach den letzten, verschwommen TV-Bildern, die einen niedergeschlagenen Uwe Seeler zeigte, der hier mit der deutschen Mannschaft „nur“ als Vizemeister das legendäre Stadion verließ. Auch 50 Jahre nach diesem nassen Ausflug erinnern wir uns gerne noch an das Endspiel in Katwijk im Juli 1966.

Und im Herner Stadion am Schloss Strünkede, traf ich nach 50 Jahre auf dem grünen Rasen den 66er-WM-Torwart Hans Tilkowski. Ich hatte nämlich den WDR (Aktuelle Stunde) auf ein interessantes Thema rund um das damalige Spiel in Wembley hingewiesen. Beim Dreh in Herne ließ ich mich auch mit „Til“ mal ablichten. [2]

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Quellen

  1. 1,0 1,1 Archiv F. Wessel
  2. Ein Artikel von Friedhelm Wessel