50 Jahre Kleinsche Buchhandlung Eickel (1926)

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Autor M.C.Wolf
Erscheinungsdatum 1926

Drei Jubiläen

in einem Jahr und einem Monat am 14. Mai 1926

50 Jahre H. Klein'sche Buchhandlung

Im Mai 1876 war es, als die Klein 'sche Buchhandlung - jetzt Buchhandlung M. C. Wolf - von ihrem Gründer Hermann Klein in Eickel ins Leben gerufen wurde. Eickel war damals noch ein verhältnismäßig kleiner Ort. Vielleicht 4 bis 5000 Einwohner mochte es zählen. Heute ist Eickel - einschließlich Eickel II (Holsterhausen) gestiegen auf annähernd 40000 Einwohner.[1]) Seinen Mittelpunkt hatte es damals ungefähr an der Herzogstraße und Kaiserstraße, früher Bahnhofstraße genannt.

An amtl. bezeichneten Straßen dachte man damals noch nicht. Dorneburg, Friedgras, Eickelerbruch, Eickelerfeld, Nosthausen, Lohhof bildeten als Ortsteile den zerstreut liegenden äußeren Häuserkomplex von Eickel. Durch die sich hebende Industrie, die aus den verschiedensten Gegenden Leute anzog, hob sich auch die Einwohnerzahl von Jahr zu Jahr.

Nach dem Kriege 1870/71 kamen Handel und Industrie ganz bedeutend voran. In den Jahren 1873/74 wurde die „Zeche Hannibal II“[2] abgeteuft, was für das Emporkommen von Eickel von Bedeutung war. Durch die Zunahme der Einwohnerzahl gestaltete sich auch das geschäftliche Leben in Eickel besser.

Was den Buchhandel anging, so wurden früher die geringen Bedürfnisse auf diesem Gebiete meist von Bochum aus gedeckt. Obgleich damals weder Eisenbahnverbindung noch Verbindung durch Straßenbahnen mit Bochum da waren, — nur eine Postverbindung war vorhanden — so wussten die Bewohner von Eickel sich notwendige Sachen, die Eickel nicht bot, meist von Bochum aus zu beschaffen.

In diese Zeitperiode - ins Jahr 1876 — fiel die Gründung der Klein - Wolf'schen Buchhandlung.

Der Gründer derselben, Hermann Klein, war geboren am 14. Mai 1847 zu Steegerhütte[3], Kreis Altenkirchen. In Köln erlernte er das Buchbinderhandwerk. Nach seiner Lehrzeit durchwanderte er das Siegerland. Dann kam er ins Ruhrgebiet. In Gelsenkirchen arbeitete er bei Mescher, der dort eine Buchbinderei und Bildereinrahmungsgeschäft hatte. Von hier kam er nach Peine in Hannover,wo er mehrere Jahre verblieb. In Peine lernte er den Schönfärber Galluschke[4] kennen. Dann ging er wieder ins Ruhrgebiet. Er arbeitete in Wattenscheid.

Dann kam er nach Bochum zu Karl Schrott. Dieser hatte zu damaliger Zeit wohl die größte Buchbinderei und Buchhandlung in Bochum. Bei Karl Schrott bildete er sich auch aus als Pyrotechniker. Damals wurde bei festlichen Begebenheiten häufig Feuerwerk abgebrannt und Karl Schrott war als Pyrotechniker weit und breit bekannt. In Bochum fand Klein auch den in Peilte kennengelernten Schönfärber Galluschke wieder.

Allmählich dachte H. Klein daran, an einem passenden Orte eine Buchbinderei, verbunden mit Buchhandel, zu eröffnen. Schrott und Galluschke waren ihm mit Rat und Tat behülflich. Das nahe bei Bochum liegende Eickel wurde hierzu ausersehen.

Im Mai des Jahres 1876 mietet Klein in dem kleinen Anbauhause der Löens´schen Wirtschaft (jetzt Feldhege) einige kleine Räume, um hier ein Geschäft in Buchbinderei und Buchhandel zu eröffnen.

Der Anbau war einstöckig und stieß mit der Giebelfront an die Herzogstraße. Vor einem kleinen Fensterchen waren die Verkaufswaren ausgelegt, Schaufenster waren nicht da. Das kleine Anfangsunternehmen wurde wohlwollend unterstützt von Herrn Pfarrer Hachmann und Herrn Kaplan Schneider - jetzt Prälat - sowie von dem damaligen Schulvikar und späteren Pfarrer Rudolf Wrede in Bickern, (jetzt Wanne). Diesen war am Emporkommen einer katholischen Buchhandlung in Eickel viel gelegen. Bickern, sowie auch die anderen von Eickel abgepfarrten Pfarreien, waren in jener Zeit in Kirchen- und Schulverhältnissen eng verbunden. Hermann Klein verheiratete sich am 5. Mai 1877 mit Elisabeth Mescher aus Recklinghausen. Der jetzige Inhaber der Buchhandlung M. C. Wolf trat am 6. November 1881 in das Klein'sche Geschäft als Lehrling ein. In dem Löens'schen Lokale verblieb das Geschäft bis Mai 1882. Dann wurde es verlegt in das Orthmann'sche Haus (Wirtschaft) - später Nordmann, jetzt Seelbach, ebenfalls an der Herzogstraße gelegen.

Die Wirtschaft ist jetzt Eigentum der Brauerei Hülsmann in Eickel. Hier befand sich das Geschäft auf der linken Seite des Einganges. Die Buchbinderei lag in der 1. Etage. Mit der Zeit erwiesen sich auch diese Räume zu klein.

Kaufmann Sprenger, dem früher das jetzige SchützdelIer'sche Haus gehörte, hatte an der Herzog- und Bochumer Straßenecke einen Garten liegen. Diesen Garten erwarb Klein durch Kauf und erbaute darauf das jetzige Geschäftshaus. Im Mai 1889 wurde der Neubau bezogen. Im Laufe der Zeit wurden kleine bauliche Veränderungen, bezüglich Schaufenster und Inneneinrichtung vorgenommen. Das Anbauhaus an der Bochumerstraße wurde. 1905 erbaut.


25 Jahre Buchhandlung M. E. Wolf.

Der jetzige Besitzer M. C. Wolf übernahm das Geschäft am 2. Mai 1901. Selbiger ist geboren am 30. April 1867 zu Rheinbreitbach. Er erlernte die Buchbinderei bei Hermann Klein in Eickel. Als Gehilfe arbeitete er in Werl bei Fritz Pöpsel u. Feldheim.

25jähriges Ehejubiläum.

Am 14. Mai 1901 verheiratete M. Wolf sich mit Anna Rinde aus Barmen.

Mit der Buchbinderei und dem Buchhandel war stets ein Bildereinrahmegeschäft verbunden. In dem Neubau an der Herzogstraße wurde dann bald auch eine kleine Maschine für Druckarbeiten beschafft. Den Bedürfnissen der Zeit entsprechend, wurde im Laufe der Zeit die erste Druckmaschine durch vollkommenere und größere Maschinen ersetzt. Eine Schnellpresse und 2 Setzregale mit neuen Schriften wurden auch dabei angeschafft.

Am 18. Februar 1911 starb der Gründer des Geschäftes Hermann Klein.

Im Jahre 1912 gründete der jetzige Inhaber M. C. Wolf die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ und stellte Herrn Buß als Redakteur an. Wer weiß, mit welchen Schwierigkeiten die Gründung und Einführung einer Zeitung verbunden ist, den wird der Erfolg überraschen, den die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung" zu verzeichnen hatte, die es in den 8 Jahren ihres Bestehens auf über 4000, zahlende Abonnenten brachte — gewiss ein Achtung gebietender Erfolg.

Hinzu kommt, dass in den Jahren des furchtbaren Weltkrieges das gesamte technische Personal eingezogen war und der ganze Apparat nur durch Herrn M. C. Wolf und Herrn Buß — letzterer gelernter Buchdrucker und beide infolge ihres Alters vorn Heeresdienst verschont geblieben — und zwei Lehrlingen aufrecht erhalten werden musste. Und das war nicht nur die Fertigstellung der Zeitung, sondern auch die Akzidenzarbeiten hatten einen bedeutenden Umfang angenommen. So wurden der Druckerei u. a. vom Amte Eickel der Druck von Brot-, Fett-, Fleisch- etc. Karten übertragen ebenfalls in Zeiten der Inflation der Druck von Notgeld. Während des Krieges wurden täglich mindestens zweimal Extrablätter gedruckt, die gratis zur Verteilung gelangten.

Da hieß es denn wacker zugreifen und von früh morgens bis spät abends auf dem Posten sein. Dass dies aber auch der Fall war, dafür nur ein amüsantes Beispiel: Bei der Verteilung der Extrablätter sammelten sich erklärlicher Weise immer hunderte von Menschen vor dem Geschäftshause an, sodass häufig die Straßenbahn von Bochum halten musste und das Personal der Straßenbahn sich auch Extrablätter geben ließ. Wenn nun nach einer Stunde der Wagen von Wanne nach Bochum zurückkam, wurde in Bochum gerade mit dem Verkauf der Extrablätter begonnen und die Schaffner sagten höhnisch: „Das haben wir schon vor einer Stunde in Eickel gelesen!'

Noch eine heitere Episode aus der Kriegszeit sei hier der Vergessenheit entrissen. Es war gelegentlich der Belagerung von Maubeuge[5] wo die deutschen Truppen einige Forts erstürmt hatten. Zur Verdeutlichung der französischen Namen hatte die bedienende Dame des Telegraphenbüros, wie dies üblich,- die Namen buchstabiert, und zwar die Anfangsbuchstaben von Vornamen. In Abwesenheit des Verlegers und des Redakteurs hatte ein Bekannter (Heinrich D.) das Telefonat aufgenommen, der diesen Gebrauch nicht kannte, und so konnte es passieren, dass die ‚Westdeutsche Allgemeine Zeitung' die Forts Maria, „Anna",“‚Ullrich", „Heda“, „Emilie" u. s. w. fallen ließ. Die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung' ist aber dadurch weit über Rheinland-Westfalen hinaus, ja selbst bis nach Leipzig (,,Jäger-Zeitung") bekannt geworden.

In der Druckerei waren als Druckermeister tätig Petermann und nach ihm Rodenbusch , welcher heute noch im Betriebe beschäftigt ist. Mehrere Gehilfen und Lehrlinge waren ihnen unterstellt. Im Jahre 1912 wurde die größte Schnellpressdruckmaschine für Flachdruck mit Selbstanleger und Falzapparat angeschafft. Laden und Haus wurden im Jahre 1910 umgebaut, sodass die inneren Einrichtungen einige Änderungen erfuhren. Im Jahre 1917 wurden denn noch neue Setzregale und mehrere neue Schriften angeschafft.

Im Jahre 1920 wurde die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ an die „Wanner - Eickeler – Zeitung“ verkauft, d. h. die Abonnenten der ersten Zeitung der letzten überwiesen. Maschinen, Schriften etc. blieben Eigentum des Besitzers.

Ein kirchliches Wochenblatt für Katholiken wurde damals in Gelsenkirchen auch für die Pfarreien Eickel und Holsterhausen gedruckt.

Die Geistlichkeit von Eickel I und Eickel II (Holsterhausen) wünschte ein eigenes Wochenblatt.

Die Gründung wurde beschlossen und das Blatt von der Druckerei M. C. Wolf fertiggestellt. Redakteur wurde Vikar Schröder- jetzt in Paderborn. Heutiger Redakteur ist Vikar Kleffner. Spät er schlossen sich andere Pfarreien: Wanne Laurentius - Wanne Nord - Wanne Süd - Wanne West – Hordel und Röhlinghausen an.

Im Jahre 1924 wurde für die Druckerei eine Heidelberger automatische Druckerpresse angeschafft, welche selbst an- und auslegt.

Vom Gründungsjahre 1876 bis 1926 sind nunmehr 50 Jahre verflossen, dass das Geschäft besteht. Diese goldene Jubelzahl deutet auf einen langen Zeitraum von Jahren. Viele Änderungen und Wandelungen, denen Eickel im Laufe dieser Jahre unterworfen war, sind in die Vergangenheit dahingeeilt. Frohe und trübe Tage haben ihren Wechsel vollzogen. Unzählige Personen sind im Laufe dieser Jahre im Geschäfte ein- und ausgegangen.

Vereinzelt und selten sind solch' goldene Jubeltage.

Noch bedeutungsvoller wird dies goldene Jubeljahr für das Geschäft dadurch, dass das silberne Geschäftssjubiläum des jetzigen Inhabers und das silberne Ehejubiläum desselben ebenfalls in den Monat Mai 1926 fallen; also drei Jubiläen in demselben Monat.

Möge Gottes reicher Segen, der dem Geschäfte und der Familie von Anfang an beschieden war, auch in Zukunft verbleiben.

Ad muItos annos !

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Quelle

Anmerkungen

  1. Seit dem 1. April ds. Js. bildet Eickel mit Wanne und Röhlinghausen eine Stadt.
  2. Ist seit den 20. März ds. Ja. stillgelegt.
  3. Anm: d. Red.: https://de.wikipedia.org/wiki/Friesenhagen
  4. Julius Galluschke, Gründer der Bochumer Dampffärberei und chemische Waschanstalt
  5. https://de.wikipedia.org/wiki/Belagerung_von_Maubeuge